Und alle fünf Jahre grüßt das Murmeltier

Seit letzter Woche steht fest, dass die Stelle des Abteilungsvorstands des Stadtplanungsamtes neu ausgeschrieben wird. Die Nachbesetzung von Michael Redik wird sich damit

30/01/2010

Gewöhnen wir uns daran, denn spätestens in fünf Jahren werden wir die Diskussion von heute und von gestern wieder führen.

Bereits im Vorfeld der Stellenbesetzung des Stadtplanungsvorstands 2004/05 gab es mehrere Podiumsdiskussionen und ein Internetforum auf www.gat.st zum Thema. Diese werden jetzt wohl neu aufflammen, denn seit letzter Woche steht fest, dass die Stelle des Abteilungsvorstands des Stadtplanungsamtes neu ausgeschrieben wird. Die Nachbesetzung von Michael Redik, der mit Ende Jänner wieder in den Landesdienst zurückkehrt, wird sich damit mindestens um ein weiteres halbes Jahr verzögern. Einstweilen werden Stadtbaudirektor Bertram Werle die strategische und Josef Rogl die interimistische Leitung des Stadtplanungsamtes übernehmen.

Aber was ist passiert?

Das standardisierte Bewerberverfahren mit mehreren Auswahlrunden erfolgte in Begleitung einer externen Personalberatungsfirma. Die sechs ausgewählten Kandidaten durchliefen Anfang Dezember ein eintägiges Assessment-Center (Interviews, Workshops etc.), begleitet von einer Hearingjury (Personalvertreter, Magistratsdirektor, Gleichbehandlungskommission, Abteilungsvorstand Stadtbaudirektion). Die zugelassenen externen Beobachter und die Vertreter der politischen Fraktionen sollten die notwendige Transparenz im Verfahren garantieren. Das Team der externen Berater ohne Stimmrecht setzte sich zusammen aus Martin Gruber und Günter Reissner (Architektenkammer), Markus Bogensberger (HdA, TU Graz) und Martin Krammer (HdA und ZV). Aus diesem Verfahren gingen zwei Kandidaten – eine Kollegin und ein Kollege, die nicht genannt werden möchten, hervor, die annähernd punktegleich abschnitten und dem Bürgermeister zur Auswahl vorgeschlagen wurden. Die Architektenkammer hat in einem offiziellen Brief an Bürgermeister Nagl eine Empfehlung abgegeben. Bürgermeister Nagl, der beim Hearing nicht anwesend war, ist letztgültiger Entscheidungsträger bei der Personalaufnahme. Damit ist die Besetzung des Postens im Endeffekt eine politische Entscheidung.

Aus dem Rathaus kommt allerdings das Dementi, dass die Neuausschreibung weder aufgrund der parteipolitischen Couleur noch auf die fehlende fachliche Kompetenz, wie im Artikel der „Kleinen Zeitung“ vom 21. Jänner behauptet wurde, zurückzuführen ist. Vielmehr heißt es von mehreren Seiten, dass die Qualifikationen beider Kandidaten außer Frage stehen – beide weisen mehrjährige Erfahrungen in unterschiedlichen leitenden Positionen auf, decken allerdings unterschiedliche Bereiche in ihrer Kompetenz ab und entsprechen damit (scheinbar) nicht den Erwartungen, die von Seiten der Politik in diese Position interpretiert werden. Welche Erwartungen das sind und wie diese sich in der dahingehend zu überarbeitenden Neuausschreibung niederschlagen werden, konnte oder wollte noch niemand beantworten. Einig ist man sich unter den Beteiligten insofern, als dass das Verfahren, sowohl im Stimmrecht als auch im Inhalt zu einseitig, überwiegend verwaltungstechnisch war und die fachliche Komponente nicht im Vordergrund stand.

Fehlte hier also die Diskussion im Vorfeld?

Definitiv ja – einerseits, um die fachlichen Schwerpunkte zu schärfen, andererseits auch, um das standardisierte Verfahren dementsprechend anzupassen oder überhaupt im Verfahren ganz neue Wege zu beschreiten, die in der Vergangenheit bereits mehrfach andiskutiert wurden: Kompetenzaufbau extern und intern, Positionsbestimmung über Dialog- bzw. Stadtforum, Fachbeirat etc.

Wer auch immer den Job übernehmen wird, es wird wohl wieder eine Amtsperiode der kleinen Schritte und nicht der großen Akzente. Denn einerseits ist das neue Stadtentwicklungskonzept bereits in Arbeit und andererseits wird mit dem neuen Raumordnungsgesetz der Revisionszeitraum zur Erstellung des örtlichen Entwicklungskonzeptes von fünf auf zehn Jahre verlängert.

Aber, was sind schon fünf Jahre in der Geschichte der Stadtplanung - ein „Wimpernschlag“.

Verfasser/in:
Petra Kickenweitz, Bericht

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