Um 25 Prozent weniger Kultur – Kulturreferenten Buchmann und Herper auf dem Podium

Auch das Kulturbudget des Landes Steiermark wird um 25 Prozent gekürzt: Wer zum Handkuss kommt, erfahren wir im März.

21/01/2011

Auch das Kulturbudget des Landes Steiermark wird um 25 Prozent gekürzt: Wer zum Handkuss kommt, erfahren wir im März.

Er komme gerade aus einer ersten Verhandlung mit Finanzlandesrätin Bettina Vollath, sagte einleitend Christian Buchmann, seit Herbst vergangenen Jahres Kulturreferent im Land. Für die heuer vorzunehmenden Kürzungen am Kulturbudget um 25 Prozent könne er aber über konkrete Maßnahmen noch keine Auskunft geben, da bitte er um Verständnis, man befinde sich in einem „laufenden Prozess“, der sich über die nächsten Wochen hinziehen wird.

Unter der Überschrift „Quo vadis?“ hatte die Kleine Zeitung in die „Arena“ des Forum Stadtpark Landesrat Christian Buchmann (ÖVP) und den Grazer Kulturstadtrat Karl-Heinz Herper (SPÖ) als „Gladiatoren“ eingeladen. Vorwiegend zum Thema finanzieller Aussichten befragt wurden sie von den Redakteuren Claudia Gigler und Michael Tschida. Als „ein Achtel“ der so genannten Reformpartnerschaft in der Steiermark bezeichnete sich Buchmann gleich zu Beginn, als eines von acht Regierungsmitgliedern, „die sich einem engagierten Reformkurs im Land verschrieben haben“, „die ein Stück Entwicklung für die Steiermark gestalten wollen und die vor allem Zukunft möglich machen wollen“. Als Finanzlandesrat habe er schon vor einem schrecklichen Ende gewarnt, „wenn wir so tun, wie wir tun“ – das folgende Gespräch jetzt schon zusammengefasst bedeutete dies also: Zukunft möglich machen minus 25 Prozent.

Das Landesbudget für Kultur – bisher 66 Millionen Euro, entspricht 0,9 % der Bundeskulturausgaben – müsse um 16 Millionen gekürzt werden. Wo gespart wird, soll in den nächsten sechs Wochen geklärt werden. Der versierte Politiker appelliert aber gleich an die Solidarität der demnächst betroffenen Kulturschaffenden und versichert alle seines Bewusstseins, „ was wir an der Kunst, an den Kunstschaffenden, an unseren Institutionen haben, und das wir das nicht mutwillig zerstören wollen“. – Belcanto also, schrecklicher Inhalt in schönen Gesang verpackt.

Karl-Heinz Herper konnte sich gegen die Vorgabe, das Grazer Kulturbudget um fünf Prozent – von 8,6 auf 8,2 Millionen Euro – zu kürzen, durchsetzen: es werden „nur“ 237.000 Euro weniger sein. Dieses Budget entspricht nun allerdings einem Stand von 2006. Wichtig sei ihm gewesen, vor allem Aufwände für die freie Szene nicht zu kürzen. Abstriche erfolgten nun bei der Förderung für kommerzielle Kinos (nicht Programmkinos), die Errichtung bzw. Neu-Anmietung eines Atelierhauses ist zunächst auf das kommende Jahr verschoben, auch in der Hoffnung, es könnte sich auf den Reininghausgründen realisieren lassen. Einsparungen erhofft sich Herper aus dem neu zu erstellenden Vertrag mit Steirischer Herbst, Verhandlungen mit Literaturhaus und Helmut-List-Halle stehen bevor. Mehrjährige Fördervereinbarungen, die 2011 auslaufen, werden wieder evaluiert und ein Anliegen sei es ihm, Kooperationen der „großen Tanker“ mit der freien Szene zu verstärken. Nach dem innerparteilichen Zwist in der Grazer SPÖ wollte Herper das Kulturressort nur für einige Monate übernehmen, inzwischen möchte er das Amt bis zum Wahljahr 2013 führen, was immerhin auf eine, in den letzten Jahren nicht nur in der Stadt schon leidig gewordene, Kontinuität und Pragmatik hoffen lässt. Darüber hinaus denkt der Stadtrat an eine „Kulturachse Graz-Maribor“, die mit der Kulturhauptstadt Maribor 2012 gelegt werden könnte. Und da trifft er sich wiederum mit Christian Buchmann, der, wenn auch auf Anfrage aus dem Publikum, einmal mehr seine bisher vage Idee von einer Trigon (-Reminiszenz?) anspricht. Kein neues Festival auf Kosten der bestehenden soll allerdings entstehen, vielmehr ginge es um die forcierte Vernetzung innerhalb des schon bestehenden Kulturaustausches mit Italien, Slowenien, Kroatien und Serbien.

Der Wirtschafter Buchmann kündigt weiters an, dass lineare Kürzungen, „von allem ein bissl weniger“, nicht die Lösung sein kann und sagt dabei nicht, dass logischerweise damit der Totalausfall einiger bisher Subventionierter bevorsteht. Die derzeitige Budget- und damit Planungsunsicherheit, die mit spätestens jetzt zu treffende Vereinbarungen zu massiven rechtlichen Problemen führen könnten, sprachen mehrere VeranstalterInnen (z.B. elevate, Forum Stadtpark, Theater im Bahnhof) aus dem Publikum an. Buchmann vertröstete auf die Verhandlungsergebnisse mit Ende März – dann dürften wohl einige ein blaues Wunder erleben.

Verfasser/in:
Wenzel Mracek, Bericht
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Claudia Gigler (Kleine Zeitung), Christian Buchmann, Karl-Heinz Herper, Michael Tschida (Kleine Zeitung). Foto: W. Mracek

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