Am 04.03.2006 präsentierten Studierende der Lehrveranstaltung "Kunst und Öffentlichkeit" (Leitung: Hans Kupelwieser, Nicole Pruckermayr) am Institut für Zeitgenössische Kunst / TU Graz ihre künstlerischen Interventionen im Stadtraum von Graz.
Als Ausgangspunkt für die künstlerischen Interventionen der Studierenden wurde der Hauptbahnhof - zentraler Punkt einer sich ständig mit Menschen befüllenden und entleerenden Stadt - gewählt. Der Grazer Hauptbahnhof stellt, durch den spezifischen Brennpunkt, den er einnimmt, eine wichtige Verbindung zwischen dem relativ integeren Stadtteil Graz-Ost (Innenstadtkern) und dem noch immer weitgehend vernachlässigten Stadtteil Graz-West dar. Innerhalb der letzten Jahre hat sich rund um den Hauptbahnhof sehr viel verändert: durch den Umbau des Hauptbahnhofs selbst, die Errichtung der Helmut-List-Halle als Veranstaltungskomplex und die Etablierung der FH Joanneum als Bildungseinrichtung entwickelte sich in dieser Stadtzone eine neue Infrastruktur. Die genannten Einzelimpulse können aber nicht über die fehlende Vernetzung der neuen Einrichtungen einerseits mit dem nahen Umfeld und andererseits mit dem Großprojekt Stadt hinwegtäuschen.
Vor diesem Hintergrund entwarfen die künstlerisch tätigen Architekturstudierenden ihre Projekte für den spezifischen Ort und seine Handlungsabläufe.
Die Interventionen reichten von der längerfristigen Werbetafel-Aktion „REKLAMIEren“ von Scharinger Elisabeth, Letizia Mirandola, Ines Seethaler und Edwin Harrer (02.03.- 07.03.2006) bis hin zur performativen Kurzinterventionen, wie die Arbeiten „AUSBRÜCHE UMBRÜCHE“ von Carmen Köhler, „Die Grenze“ von Thomas Dohr oder die unfreiwillig verkürzt Installation „StadtLand“ von Marie-Theres Stabinger.
Die Qualität der Arbeit „REKLAMIEren“ liegt in ihrer fast nicht erkennbaren Überarbeitung von
bestehenden Werbesujets, wobei die neue entstandene Aussage wohl eher dem tatsächlichen Zustand entgegenkommt. In einem subversiven Akt wurden hier durch Layoutkopien und neue Ebenen der Auseinandersetzung eine Stadtbildüberarbeitung und Infragestellung unseres Blickes provoziert.
„AUSBRÜCHE UMBRÜCHE“ geht auf die Situation des Bahnhofes bzw. seine verbindenden Elemente, die Gleise, ein. Die Schwellen, die zum Gleisbau verwendet werden, brechen aus ihrem standardisierten Muster aus und liegen ganz nebenbei im Bereich der Kassenhalle, am Bahnsteig oder in der Nähe der Rolltreppen. So, als hätte man sie beim Bau vergessen, oder als würden sie sich nicht eingliedern können.
„Die Grenze“ persifliert die unfreiwillige Trennfunktion, die derzeit die Gleisunterführung im Bereich der Eggenberger Straße einnimmt. Sobald ein Zug fährt, geht auch in der Unterführung das Licht an und der Schranken ist schon bereit, auch hier grundlos seine Pforten zu schließen.
„StadtLand“ geht einerseits auf die dauerhaft schwelende Beziehung zwischen Stadt und Land ein. Hühner und Hähne besetzen den Europaplatz und fühlen sich offensichtlich sehr wohl. Brisant wird dies, da Österreich und im speziellen Graz derzeit mit der Vogelgrippe und daraus resultierend mit Freilandverbot für Vögel konfrontiert ist. Was bedeuten diese Fluchtversuche einerseits vom Land und andererseits vor dem Freilandverbot?
Viele PassantInnen sahen diese Deplatzierung offensichtlich ungern oder wollten Souvenire der Stadtmöblierung für sich alleine haben, da schon am Tag der Präsentation um cirka 17.30 Uhr nur mehr drei Hühner von insgesamt 25 in der „freien Wildbahn“ standen.
Die hier beschriebenen Interventionen sind nur ein Teil der am 4. März 2006 präsentierten Arbeiten, sie geben aber einen guten Überblick, um reflektieren zu können, welche Auseinandersetzung mit Öffentlichkeit statt gefunden hat.
PROJEKTE
// AUSBRÜCHE UMBRÜCHE
Carmen Köhler
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// StadtLand
Marie-Theres Stabinger
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// REKLMieren
Elisabeth Scharinger | Letuizia Mirandola | Ines Seethaler | Edwin Harrer
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// Die GRENZE
Thomas Dohr
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// Revitalisierung Turm
Martina Mühlbacher | Wilhelm Jergitsch
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// PARALLELE
Jürgen Pichler | Stefan Fink
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// Blinken
Jürgen Pichler
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// Anzeige
Ana Tubic
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// Honolulu
Angelika Schuh | Helga Winkler | Matthias Putz | Stefan Schaffer | Wolfgang Petschnegg
Fotos: Martin Gansberger
Flyer: Snezana Tubic
- Verfasser/in:
- TU Graz, Inst. f. zeitgenössische Kunst