Treffen für eine Kultur des Frieden

Slovenj Gradec, nicht weit südlich vom Radlpass, war Anfang September Gaststadt für BürgermeisterInnen aus der ganzen Welt, die seit 1986 in einem besonderen Verband zusa

23/09/2005

Slovenj Gradec, Hauptstadt von Koroška, zu Deutsch „Kärnten“, in Slowenien, nicht weit südlich vom Radlpass, war Anfang September Gaststadt für BürgermeisterInnen aus der ganzen Welt, die seit 1986 in einem besonderen Verband zusammengeschlossen sind: der International Association of Peace Messenger Cities

Verdun, Auschwitz, Abidjan, Neu Delhi sind ebenso dabei wie Wien, Vöcklabruck oder eben Slovenj Gradec – neben 80 weiteren. Die Mischung ist bunt, und ihr Präsident ist der Amerikaner Alfred L. Marder, ein langjähriger Friedensaktivist, der die großen Herausforderungen für die Städte so beschreibt: Die Aggression (Amerikas) im Irak und in Afghanistan, der Zusammenbruch des Atomwaffensperrvertrages und des Versprechens auf Verhandlungen für die vollständige Abschaffung aller Atomwaffen, die weltweiten Ausgaben von über 1000 Milliarden US Dollar pro Jahr für Waffen, die ethnischen und religiösen Spannungen in vielen Ländern, die Millionen Menschen wenn schon nicht in die Flucht treiben, so doch dazu bewegen, über Grenzen zu gehen, um Arbeit zu finden und ihre Familien zu ernähren, die Konflikte in Afrika, Hungersnöte, AIDS - zudem sind viele Städte praktisch im Konkurs.

Die Stadt Marders, New Haven/Connecticut, beispielsweise, koste der Krieg in Afghanistan und im Irak 99 Milliarden US Dollar täglich - Geld, das für Schulen, Straßenbau, öffentliche Dienstleistungen dringend gebraucht würde: „Das ist die Realität des Krieges und die unmittelbare Folge der Militarisierung der Volkswirtschaft.“ Städte sind auch insofern betroffen, als Stadtpolitiker oder Bürgermeister später oft eine nationale Führungsrolle übernehmen.

Vor diesem internationalen Hintergrund ist es für die Städte alles andere als leicht, sich zu positionieren und zu profilieren. Die drei folgenden, europäischen, versuchen es so:

GENF

Der Bürgermeister von Genf, André Hédiger, berichtet von einem Ausländeranteil in seiner Stadt von 40%, aus mehr als 180 Ländern. Um da eine Bürgerschaft zu entwickeln brauche es einen „Zement“, und das sei die Kultur. Als dynamischer Prozess reichert sie die sozialen, politischen und wirtschaftlichen Beziehungen an. Die Stadt müsse deshalb die Kultur in all ihren Formen verteidigen. Integration könne nur gelingen, wenn die Gemeindevertreter ihren Willen, die partizipativen Tools in der „Gastgesellschaft“ zu vermehren, auch klar und deutlich zeigten. Die Trends allerdings seien genau gegenläufig. Die neuen Informations- und Kommunikationsmedien und die großen Industriefusionen treiben die kulturelle Uniformierung voran, während es doch darum gehe, die kulturelle Vielfalt zu erhalten und den sozialen Frieden zu wahren. Genf sieht sich als „Stadt der Begegnung und des Dialogs, der Solidarität und des Friedens“.

KRAGUJEVAC

Kragujevac in Serbien sieht als Friedensträgerin ebenfalls die Kultur, die wegen der dort herrschenden Armut jedoch in starker Konkurrenz zu den Alltagsbedürfnissen steht. Für Kragujevac ist der Austausch mit Partnerstädten deshalb besonders wichtig. Dass das Theater von Ingolstadt dort gastierte, wurde nicht nur als Abwechslung empfunden, sondern „hat neue Energie gebracht“. Die Stadt sucht nun bei der Europäischen Kulturstiftung um Gelder für weitere Theaterprojekte an. Sie ist bereits Veranstalterin einer ganz besonderen Biennale: des „Salon für Cartoons gegen den Krieg“, mit internationalen Jurien und Preisen und allem Drum und Dran. Eine zweite Schiene ist die Künstlerkolonie „Brücken des Balkans“ mit Künstlern aus eben diesen Ländern. Kragujevac muss, nebenbei bemerkt, nicht nur den jüngsten Balkankrieg verarbeiten, sondern hat in Erinnerung an eines der größten Verbrechen an Zivilisten im 2. Weltkrieg durch die Nazi auch das 250 ha große Memorial samt Museum „21. oktobar“ zu verwalten, das immerhin 30 einzelne Monumente umfasst.

SLOVENJ GRADEC

Auch diese Stadt setzt auf die Kunst: mehrere Künstler haben hier ihre Ateliers, es gibt eine städtische Kunstgalerie mit einer permanenten Sammlung und ein richtiges künstlerisches Jahresprogramm. Und dazu einen besonderen Atout: Hier ist Hugo Wolf (*) geboren, das Haus steht in der Hauptstraße. Ein Festival zu Ehren des großen Sohnes ist angedacht, er ist als Österreicher d e r Wegbereiter für einen überslowenischen Ansatz in der örtlichen Kulturpolitik. Schließlich sei die Sprache der Kunst universell, und Slovenj Gradec etwas weit vom Schuss, obwohl es natürlich gleichzeitig auch ein Schnittpunkt sei. Aus diesem Mix lässt sich etwas machen, meint BGM Matjaž Zanoškar, und umschreibt seine Strategie so: „Patriotische Erziehung – schön und gut, kulturelle Identität – schön und gut. Der größte Schatz aber ist interkultureller Pluralismus und die kulturelle Vielfalt – und der Dialog darüber.“ Auch er fordert, dass Tools for change, basierend auf Wissen und Erfahrung, Toleranz und Respekt für die Unterschiede entwickelt werden. (*) Österreichischer Komponist (1860 - 1903). Wolf wurde in der z. T. von Slowenen bewohnten Südsteiermark geboren. (Anm. d. Red.)

Verfasser/in:
Maria Nievoll, Bericht

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Sujet der International Association of Peace Messenger Cities

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