There is Strudel even in Trieste

Nachlese zum Auftakt der dreiteiligen Kongressreihe SLO ITA AUT, am 16.01.2009, im HDA Graz.

21/01/2009

Nachlese zum Auftakt der dreiteiligen Kongressreihe SLO ITA AUT, am 16.01.2009, im HDA Graz.

Wie gestaltet man ein 1000 m² Loft im letzten Stock eines Einkaufscenters, damit ein exzentrischer Kunstsammler mit dem Auto seine Exponate abfahren kann?

Wie bringt man einen Windpark und die dazu gehörige Landschaft in ein harmonisches Ganzes?

Wie adaptiert man attraktiv einen bestehenden Messepavillon in zehn Tagen, wenn der Kunde kurzfristig neben Motorrädern plötzlich auch Autos spektakulär präsentieren will?

Wie gut lässt es sich mit Thom Mayne zusammenarbeiten?

Für den Auftakt der Kongressreihe SLO ITA AUT gaben vier Architekturbüros aus Slowenien (Alexander Nino Ruiz, monochrome) und Italien (Giovanni Damiani, GEZA - Gri e Zucchi Architetti Associati und Laura Zampieri, czstudio) im gut gefüllten HDA Graz einen kurzweiligen Einblick in ihre Projektschatzkästchen. Leider nur vier, da die Grippewelle auch vor den Klugen nicht Halt macht und so zwei Teilnehmer kurzfristig die Maus mit dem Fieberthermometer tauschen mussten.

Die ZV Steiermark als Initiator sieht diese Veranstaltungen in erster Linie als Motor, um die architektonische Nachbarschaftspflege der drei aneinander grenzenden Länder in Schwung zu bringen. Die 1968 in den Steirischen Herbst aufgegangenen Trigon Biennalen hatten ja schon einmal jahrelang bewiesen, wie spannend und auch inspirierend kultureller Austausch und Wettbewerb über den eigenen Brunnenrand hinaus sein können.

SLO ITA AUT bietet insgesamt drei Kongresse hintereinander im Monatsabstand. Nach Graz folgen nun Ljubljana und Triest. Der jeweilige Ausrichter lädt innovative Büros der Nachbarstaaten ein, die sich vor den einheimischen Vertretern der Zunft präsentieren und so auch in Kontakt untereinander kommen sollen.

Mit einführenden Worten von Martin Krammer, Präsident der ZV Steiermark und unter der Organisation des HDA-Vorstandmitgliedes Anke Strittmatter von osa, dem office für subversive architecture, wurde der erste Kongress eröffnet. Gerade osa, dieses lose Kollektiv von quer über Europa verstreuten Architekten, zeigt seit Jahren mit fantasievoll ironischen Installationen vor, wozu ein befruchtendes Miteinander in der Lage ist, ohne ausschließlich nur das Finanzielle im Vordergrund zu sehen.

Aber natürlich ist jeder (Neu-)Anfang eines grenzübergreifenden Architekten-Netzwerks eine Herausforderung. Social Networking hat sich in vielen Beispielen als inflationär und dadurch als dementsprechende diffuse Blase erwiesen. Und ein „Architekten-Facebook“ mit hunderten von „Freunden“ wird auch niemand mehr verwalten können oder wollen.

So war es an der Moderatorin des Abends, Silvia Forlati von SHARE architects aus Wien, nach den individuellen Präsentationen zwei Kernfragen an die Teilnehmer und ans Publikum zu stellen: „Sind wir überhaupt in der Lage grenzübergreifend zu arbeiten? Und wollen wir das überhaupt?

„Es ist zwar ein kultureller Austausch da, aber vorher kümmere ich mich um m e i n Haus“, meinte darauf ein Teilnehmer bei der Podiumsdiskussion und machte damit schon einmal den neuralgischen Punkt in einer zu großen Öffnung nach außen deutlich. Jeder andere Mitbewerber in einem ähnlich besetzten Geschäftsfeld ist ja ein potentieller Gefahrenherd für den eigenen Umsatz, besonders wenn sich derzeit die Finanzkrise als das am perfektesten funktionierende globale Netzwerk darstellt. Es gilt also nicht nur Grenzen sondern auch Ängste zu überwinden.

„Im Gegensatz zu Österreich oder Slowenien ist der Nordosten Italiens ein an Architektur armer Landstrich“, erklärte Stefano Gri von GEZA Architetti aus Udine, „in einem halben Tag bist du da durch!“

„Italien hat derzeit so viele andere Probleme. Wir sind die erste Generation, die plötzlich frei über die Grenzen kann, um zusammen zu arbeiten, das braucht Zeit“, ergänzte Giovanni Damiani aus Triest. Und die Landschaftsplanerin Laura Zampieri vom venezianischen czstudio verlangte nach eigenen ökonomischen Vorraussetzungen für ein ideales Netzwerk. „Die Grenze ist nach wie vor nicht für alle offen.“

Der jüngste Teilnehmer, Alexander Nino Ruiz, ein Mitarbeiter von Monochrome aus Ljubljana, dagegen hatte keine Zweifel. „Unsere Projekte leben von einem funktionierenden Netzwerk.“ Und das scheint auch privat für ihn zu gelten. Der kolumbianische Architekt ist der Liebe wegen nach Slowenien gekommen, wie er mit viel Charme erwähnte.

Recht lebhaft wurde die Diskussion, als aus dem Publikum die Frage gestellt wurde, warum heute etwas nicht funktionieren könnte, was vor hundert Jahren ja noch gang und gäbe war - die Verbundenheit der drei Regionen. „Schließlich hat ja sogar der klassische österreichische Strudel bis heute seinen Platz an der oberen Adria erhalten können“, so der mokante Nachsatz.

Ein elementarer Knackpunkt wurde schnell deutlich: Wenn Verbundenheit auf das Anbot von öffentlichen Verkehrsmitteln angewandt werden soll, werden vom Reisenden Zeit und Geduld verlangt. Eine vernünftige Verbindung nach Triest ist mit der Lupe zu suchen. Als kleiner Exkurs: Nach dem Fahrtenplaner der ÖBB dauert eine Zugsreise von Graz in die norditalienische Hafenstadt zwischen sieben und elf Stunden je nach Route, und wer das schnellere Flugzeug bevorzugt, hat in München (sic!) umzusteigen.

Aber abgesehen von allen infrastrukturellen Barrieren ist das Zusammenkommen „zuerst einmal eine persönliche Herausforderung“, so Piero Zucchi von GEZA. „Wir haben eigentlich jeden Tag die Aufgabe, die harte Grenze zu durchbrechen.“ Martin Krammer brachte abschließend die Vision ein, warum dieses Dreiländereck nicht als ein einziges Experimentierfeld der Architektur gesehen werden kann. „Alles was zählt, ist der Austausch untereinander.“

SLO ITA AUT in Triest und Ljubljana

Der zweite Teil der Kongressreihe wird am 6. Februar 2009 in Triest abgehalten. Den Schlusspunkt setzt Ljubljana am 13. März 2009. Die Veranstaltungsorte werden demnächst auf www.gat.st bekannt gegeben.

KONTAKT:

ZV Steiermark

Zentralvereinigung der Architekten Steiermark

c/o HDA

Haus der Architektur

im Palais Thinnfeld

Mariahilferstraße 2

8020 Graz

Projektleitung SLO ITA AUT:

Martin Krammer, Anke Strittmatter

Ansprechperson & Organisation:

Arch. DI Anke Strittmatter

strittmatter@osa-online.net

Mit freundlicher Unterstützung von:

Bundeskanzleramt : Kunst

Land Steiermark - Kultur

Stadt Graz

Verfasser/in:
Emil Gruber, Bericht

Weiterführende Links

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Podiumsdiskussion nach den Kurzpräsentationen der einzelnen TeilnehmerInnen. Foto: Florian Lierzer
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Architekt Giovanni Damiani aus Triest li) und die Moderatorin des Abends, Silvia Forlati, von SHARE Architects aus Wien und (re). Foto: Emil Gruber
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Stefano Gri (GEZA, Udine), Giovanni Damiani (Triest), Silvia Forlati (Moderation), Piero Zucchi (GEZA, Udine), Laura Zampieri (czstudio, Venedig) und Alexander Nino Ruiz (Monochrome, Ljubljana). Foto: Forian Lierzer

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