Ljubljana war der dritte und abschließende Standort der Kongressreihe SLO ITA AUT, die wieder ArchitektInnen aus den Ländern Slowenien, Italien und Österreich zu einem Gedankenaustausch zusammenführte. Im pittoresken Stadtmuseum führte diesmal als „Hausherrin“ Spela Hudnik von monochrome architects (Ljubljana) durch die perfekt organisierte Veranstaltung.
Martin Spindelegger, österreichischer Bundesminister für Europäische und Internationale Angelegenheiten, eröffnete sozusagen von außen die Reihe der Grußadressen der Ehrengäste mit dem Coop Himmelb(l)au Zitat, „architecture must burn“ und wies auf die lange Tradition österreichischer Architekten à la Heinrich von Ferstel hin, die über die Grenzen des heutigen Österreich hinaus für Paradebauten in der oberen Adria verantwortlich zeichneten.
Zoran Jankovic, Bürgermeister von Ljubljana, sprach über die Notwendigkeit, ständig neue Visionen für eine lebendig bleibende Stadt zu entwickeln. So wird gerade an einem neuen Masterplan für Ljubljana gearbeitet, in dem die Harmonisierung zwischen Altem und Neuem zentrale Themen sein werden. Es ist erwünscht, dass an den demnächst auszuschreibenden offenen Wettbewerben auch ausländische ArchitektInnen teilnehmen.
Peter Piffl-Percevic, Grazer Gemeinderat, betonte in seiner Eröffnungsrede die Verschränkung von nationaler Identität mit dem internationalen Anspruch der Architektur. Ähnlich äußerte sich auch die Direktorin des italienischen Kulturinstitutes Roberta Ferazza: „Wir können keine Zukunft bauen, wenn wir die Tradition nicht kennen.“
Martin Krammers Grußworte wurden leider durch die Aufbruchsstimmung der Politiker, die mit Ausnahme von Dr. Piffl-Percevic dem Ruf ihrer vollen Terminkalender zu folgen hatten, übertönt. Aber der Präsident der ZV Steiermark trug es mit Humor. Angesichts des fast vollen Auditoriums meinte er, dass für diese Veranstaltung mehr Zuschauer ohnehin besser seien als mehr Politiker.
Mit „Let´s dance!“, dem Motto dieser dritten Veranstaltung, gab dann der Moderator des Abends, der Triester Architekt Giovanni Damiani, das Parkett frei für die einzelnen Impulsreferate und Präsentationen.
Alfred Bramberger (BRAMBERGER | [ architects ], Graz) präsentierte unter anderem zwei Projekte, die in Zusammenarbeit mit dem Atelier Thomas Pucher entstanden sind. Das Tartu Rebase Street in Estland führte auch gleich in eine aktuelle Situation, in der sich derzeit viele andere ArchitektInnen befinden. Das ursprünglich auf neun Objekte ausgelegte Wohnbauprojekt am Emajoe River wurde nach Fertigstellung eines Gebäudes aufgrund der derzeitigen Finanzkrise einstweilen auf Eis gelegt. Deutlich besser sieht es beim aktuellen „Leuchtturmprojekt“ der Bramberger Pucher Kooperation, dem Headquarter der Organisation of Islamic Conference im saudiarabischen Jeddah, aus. Hier sind zwar noch Feinheiten abzustimmen, aber mit dem Bau soll noch im heurigen Jahr begonnen werden.
Sah sich Alfred Bramberger ironisch als barocker Gavotte-Tänzer in Anlehnung an seine Umgestaltung der alten Grazer Universität aus dem 17. Jahrhundert, war Marion Wicher (YES architecture, Graz) eher dem Rap zugetan. In einem „fast forward“-Werksüberblick zeigte sie auf, was eine aktuelle Architektin alles zu betanzen hat, von der Nasszelle im Einfamilienhaus bis zum gerade in Fertigstellung befindlichen YES-Flaggschiff, dem Internationalen Kongresszentrum in Bonn.
Videos mit House Music bot dann Martin Lesjak von Innocad Lila (Graz/Wien) am Ljubljaner Architektur Dancefloor dar. Die drei vorgestellten Bauten aus Graz, das Golden Nugget, die homebase und die zuletzt fertiggestellte Schwarze Rose am Lend sollen durch die unter anderem sehr farbauffällige Außengestaltung Akzente für die Entwicklung von Architektur in Randbezirken setzen.
Matteo Ghidoni (Salottobuono, Venedig) präsentierte das wohl politischste Projekt des Abends, also Rock and Roll. Als einer der Partner des „Decolonizing Architecture“-Projektes von Hilal-Petti-Weizman erstellte Salottobuono ein Manual zur Rückführung der während der Besetzung von den Israelis errichteten Bauten an das palästinensische Volk in der Westbank. Gemeinsam mit den vor Ort Beteiligten wurde dieses Handbuch als eine Art achtstufiges Puzzle erarbeitet, um so auch den unterschiedlichsten Szenarien eine Basis für die Umsetzung zu geben.
Einen Jive legten dann Metrogramma auf den Tanzboden. Mit „Milan 5 Cities“ forderte Andrea Boschetti eine neue Vision für seine Heimatstadt, die 2015 die Expo ausrichten wird. Er propagierte den Mut zur Lücke gegenüber der Dichte, die nicht selten mehr dem Investor als dem Bewohner eines Ortes dient. Sein Milan der Zukunft gibt den öffentlichen, für jedermann nutzbaren Räumen den Vorzug.
Als Last Waltz stellten sich dann MAP aus Venedig mit einem Pas de deux dem Publikum. Das von Francesco Magnani und Traudy Pelzel geleitete Studio hat seine Schwerpunkte im Nebeneinander von Alt und Neu. Aufgrund der hohen Messlatte durch behördliche Auflagen fordert die Restaurierung oder Umgestaltung von historischen Bauten sehr viel Fingerspitzengefühl, wie sie anhand der Sanierung des venezianischen Torre di Porto Nova gezeigt werden.
Architektur in Zeiten der Krise. Tanzen wir nun alle schon auf einem Vulkan, gibt es einen eleganten Tango aus der Krise oder haben wir vollkommen neue Schrittfolgen zu erfinden? Giovanni Damiani führte schließlich in einem Quickstep durch die kurze anschließende Podiumsdiskussion, da durch den vorangegangenen Enthusiasmus der Vortragenden die Zeit knapp geworden war.
Alfred Bramberger meinte dazu, dass jeder Tanz nicht nur von Bewegung lebt, sondern auch von der Steuerung durchs Gehirn. Mit kontrollierten Schritten kann nach wie vor Eigenständigkeit bewahrt bleiben. Innocad spürte zwar auch das Schrumpfen von Budgets, meinte aber, dass trotzdem auch kleine Projekte ein Recht auf Fröhlichkeit haben sollten. Für Martin Krammer bedeutet ohnehin das Zunehmen des Nomadischen, die Veränderung von bisher traditionellen Städten zu Science Cities eine spannende Herausforderung für die Zukunft. Egal wie hoch ein Budget sei, der Respekt vor den Kulturen und Menschen gelte auch in Zeiten der Krise, waren Marion Wichers weiterführende Gedanken. Andrea Boschetti forderte in Analogie seines Milano-Konzeptes ein Umdenken ein. Das Besondere an jeder Stadt sei der öffentliche Raum. Das noch immer zur Genüge vorhandene private Geld sollte mehr und mehr in diesen investiert werden: „Die Zukunft ist heute.“
Auch Matteo Ghidoni meinte, dass es nun an der Zeit wäre, das bisherige Verhalten, einen Schritt mit der Öffentlichkeit und einen Schritt mit dem Investor zu setzen, zu überarbeiten.
Francesco Magnani kam dagegen mit einem retrograden Ansatz: „Entdecken wir vorab überhaupt einmal den bestehenden Reichtum, bevor wir uns den Visionen widmen.“
KONTAKT:
ZV Steiermark
Zentralvereinigung der Architekten Steiermark
c/o HDA Haus der Architektur im Palais Thinnfeld
Mariahilferstraße 2, 8020 Graz
Projektleitung SLO ITA AUT: Martin Krammer, Anke Strittmatter
Ansprechperson & Organisation:
Arch. DI Anke Strittmatter
strittmatter@osa-online.net
Organisation Kongress in Ljubljana:
Spela Hudnik, Monochrome Arhitekti
Anke Strittmatter
SLO ITA AUT, eine Folgeveranstaltung von Architekturschwerpunkt 2006: Slowenien (SLO), ist eine dreiteilige Drei-Länder-Kongressreihe, die dem fachlichen Austausch und dem grenzüberschreitenden Kennenlernen von ArchitektInnen und Architekturinteressierten dient. Initiatorin und Koordinatorin ist wie bereits im Jahr 2006 die ZV Steiermark, die das Konzept in enger Zusammenarbeit mit den PartnerInnen in Slowenien und Friaul entwickelt hat.
- Verfasser/in:
- Emil Gruber, Bericht
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