Von A wie „Add on“ bis W wie „Lebbeus Woods“: Wien lockt diesen Sommer mit vielen sehenswerten Ausstellungen und einem neuen Sandstrand für das anschließende Chill out.
Add on. 20 Höhenmeter
Vor zwei Jahren war es ein Fassadengerüst am Palais Thienfeld in der Mariahilferstraße in Graz, heuer ist es ein freistehendes Baugerüst am Wallensteinplatz in Wien, das Michael Rieper gemeinsam mit Veronika Orso, Peter Fattinger und Wiener Architekturstudenten zu einer begeh- und bewohnbaren Skulptur umfunktionierte. „Add on. 20 Höhenmeter“ ist – wie der Name schon sagt – ein 20 Meter hoher Turm, auf dem es über mehrere Etagen hinweg viel zu entdecken gibt: Von einer Dachterrasse mit Seerosenteich und einer Bar mit Sitzgelegenheiten, bis zu einem „Wuzzeltisch“ und einem Whirlpool. Es fehlt an nichts. Selbst eine Hausmeisterwohnung ist zu finden – in einem Wohnwagen, der auf etwa zehn Meter Höhe in dem Gerüst steckt. Mit einem Besuch des Add on muss man sich aber beeilen, da es am 1. August wieder abgebaut wird.
AVL - Der Disziplinator
Noch bis in den September hinein ist im MAK ein weiteres aus Stahlrohren zusammengesetztes Objekt zu besichtigen. Hier zeigt das holländische Künstlerkollektiv Atelier van Lieshout (AVL) seine neuesten Arbeiten: „Der Disziplinator“ und „Der Technokrat“. Ersterer ist ein sechs mal achtzehn Meter messender Käfig, in dem 24 Betten, zwei Tische und vier Baumstämme aufgestellt sind. 72 Menschen sollen hier in drei Schichten schlafen, essen und arbeiten und dabei die Baumstämme zu Sägemehl verarbeiten. Joep van Lieshout, der AVL 1995 gründete, kritisiert mit dieser gefängnisartigen Konstruktion die seiner Ansicht nach immer stärker reglementierten Gesellschaftsstrukturen.
AVL - Der Technokrat
Im Gegensatz zu „Der Disziplinator“ müssen die Insassen der zweiten Installation gar nichts tun. Sie müssen nur in einem legebatterieähnlichen Gerüst liegen und Essen und Alkohol über Schläuche zu sich nehmen. „Der Technokrat“ ist eine Biogasanlage, die alle Abfälle, vor allem die Exkremente der Menschen, wiederverwertet. Die Idee, eine Biogasanlage zu entwerfen und zu berechnen, kam Joep van Lishout 2001. In diesem Jahr hatte AVL einen Freistaat im Rotterdamer Hafen mit eigener Flagge, Geld und Verfassung ausgerufen. Die Stadt Rotterdam setzte der sehr erfolgreichen „AVL-Ville“ aber nach einem halben Jahr schon ein Ende. Joep van Lieshout, seiner Freiheit beraubt, zeichnet nun in seinen neuesten Arbeiten sehr formschöne, aber erschreckende Bilder.
Lebbeus Woods - System Wien
Die Arbeiten von AVL sind der Anfang einer neuen Ausstellungsreihe im MAK. Direktor Peter Noever will keine vollständigen Werkschauen mehr präsentieren, sondern auf das aktuelle Schaffen von Künstlern fokussieren. Für die MAK Galerie, im Untergeschoss des Museums, hat Lebbeus Woods gemeinsam mit Christoph a. Kumpusch eine eigens auf Wien ausgerichtete Arbeit gemacht. In dem ganz in schwarz gehaltenen Raum sind Stahlseile zwischen Boden und Decke gespannt. Lange verbogene Stahlrohre, für Woods Symbole der Energie, liegen kreuz und quer über den Raum verteilt. Der New Yorker ist überzeugt, dass der Innere Bezirk Wiens dringend eine Veränderung braucht. Deshalb werden Schauspieler diese Rohre ab und zu auf einen Spaziergang mitnehmen und an verschiedenen Orten zumindest für temporäre Änderungen sorgen.
Nach so viel Kunst und Kultur sollte man den Tag bei einem Cocktail im Liegestuhl ausklingen lassen. Unmittelbar neben der Urania am Wiener Donaukanal und ab 8. Juli auch auf der gegenüberliegenden Kanalseite zwischen Salztorbrücke und Schwedenplatz wurden Tonnen von Sand aufgeschüttet. Hier lässt es sich aushalten – bis mitten in die Nacht.
AUSSTELLUNGEN IN WIEN:
_ Add on. 20 Höhenmeter > bis 31. Juli 2005 am Wallensteinplatz, von 10:00 – 24:00 Uhr benutzbar, ab 19:00 Uhr Programm, Eintritt frei, www.add-on.at
_ Der Disziplinator – jüngste Arbeiten des Atelier van Lieshout > bis 18. September 2005 in der MAK-Ausstellungshalle, Stubenring 5, 1010 Wien.
_ Lebbeus Woods – System Wien > bis 16. Oktober 2005 in der MAK-Galerie, Stubenring 5, 1010 Wien.
Weitere Ausstellungsempfehlungen:
_ Konstruktive Provokation. Neues Bauen in Vorarlberg > bis 29. August 2005 im Az W, Museumsplatz 1, 1070 Wien
_ Die Neuen kommen! Weibliche Avantgarde in der Architektur der zwanziger Jahre > bis 1. September 2005 im Ausstellungszentrum im Ringturm, Schottenring 30, 1010 Wien.
SANDSTRAND FÜR CHILL OUT:
_ Strandbar Herrman bei der Urania, täglich von 10:00 – 2:00 Uhr , www.strandbar-herrmann.at
_ Sommerstrand zwischen Schwedenplatz und Salztorbrücke, www.sommerstrand.at
- Verfasser/in:
- Anne Isopp, Empfehlung
