Aus aktuellem Anlass - der steiermärkische Landtag hat beschlossen, das Projekt Museumsquadrant noch einmal einer kritischen Prüfung zu unterziehen - veröffentlicht das Präsidium des Kuratoriums des Landesmuseums Joanneum nachfolgende Stellungnahme zum Projekt „Museumsquadrant“:
Im Gegensatz zur im Steiermärkischen Landtag verbreiteten Meinung, dass dieses Projekt von „niedriger Priorität“ sei, sind wir der Auffassung, dass dieses Vorhaben für die „Kulturstadt“ Graz und darüber hinaus für die ganze Steiermark von hoher Bedeutung ist.
Das Projekt des Museumsquadranten in der Kalchberggasse ist aus einer Reihe von dringenden Notwendigkeiten entstanden. Die Museumsgebäude in der Raubergasse und in der Neutorgasse haben seit langer Zeit keine wesentlichen Investitionen zu ihrer Verbesserung und notwendigen Erweiterung erlebt. Im selben Komplex befindet sich die Landesbibliothek in einer dramatischen Raumsituation, in der auch die grundlegenden Auflagen des Brandschutzes nicht mehr mit voller Verantwortung erfüllt werden können. Gerade die Landesbibliothek, die das geistige Erbe der Steiermark repräsentiert, erfordert für die Zukunft eine dauerhafte Lösung in bestmöglicher Qualität. Das nach internationaler Ausschreibung unter 43 Einreichungen ausgewählte Siegerprojekt (*)sieht eine überzeugende, zum Teil unterirdische Lösung zwischen den beiden Häusern vor. Das Kuratorium hat sich nach einer ausführlichen Präsentation schon am 10. März 2006 einstimmig für dieses Projekt ausgesprochen. Es steht der vorgesehenen Prüfung durch den Landesrechnungshof positiv gegenüber und hofft auf ihre rasche Durchführung, damit der vorgesehene Zeitplan eingehalten werden kann. Seit langer Zeit ist 2011 als zweihundertstes Jubiläumsjahr nach der Gründung des Joanneums im Geiste Erzherzog Johanns als Zielpunkt für die vollendete Sanierung sämtlicher Häuser und Abteilungen des Joanneums vorgesehen. Das Projekt ist vermutlich auf längere Zeit der letzte größere Kulturbau in Graz. Es soll nicht nur ein großes Werk innerhalb des Joanneums vollenden, sondern auch einem ganzen Stadtviertel eine völlig neue Qualität und auch wirtschaftliche Attraktivität verleihen. Es ist im Übrigen zu beobachten, dass in der Öffentlichkeit der Qualitätsbegriff Joanneumsviertel im Entstehen ist.
Der Museumsquadrant liegt im historischen Grazer Stadtzentrum, das die UNESCO zum Weltkulturerbe erhoben hat. Das Projekt ist zugleich ein Musterfall für die vollgültige Lösung der Herausforderung, die neues Bauen in alter Umgebung städtebaulich bedeutet. Es stärkt zusammen mit anderen kulturellen Einrichtungen den Ruf der Stadt kulturtouristisch, aber auch für Entscheidungen über Firmenstandorte oder Berufungen an Universitäten oder vergleichbaren Einrichtungen, in denen der Faktor Kultur von wesentlicher Bedeutung ist.
Präsidium des Kuratoriums des Landesmuseums
Joanneum:
Bürgermeister a.D. Alfred Stingl
Prof. Kurt Jungwirth
Dr. Franz Harnoncourt- Unverzagt
(*) ZUR INFORMATION
Die LIG Landesimobiliengesellschaft hat im August 2006 in einem EU-weiten Verhandlungsverfahren die baulichen Maßnahmen für das Landesmuseum Joanneum in Graz ausgeschrieben und erteilte Anfang Dezember 2006 dem Team Nieto Sobejano Arquitectos aus Madrid den Zuschlag für die Umsetzung.
Insgesamt hatten sich in der ersten Stufe des Verfahrens 41 Teams zur Teilnahme beworben. Davon wurden elf zur Erarbeitung von Projektvorschlägen eingeladen, die sie im November 2006 einem Verhandlungsgremium vorlegten.
Die Bauvorbereitung für das 48,5 Mio. Euro-Bauvorhaben sollte im Herbst 2007 beginnen, die Fertigstellung war bis zum 200-Jahr-Jubiläum des steirischen Landesmuseums 2011 geplant.
Das Projekt sieht einen gemeinsamen Eingangsbereich für Joanneum und Landesbibliothek, sowie drei unterirdische Etagen für Publikumsbereich und Speicher vor. Mehr als die Hälfte der 48 Millionen fließen in Sanierung und Sicherheitstechnik.

