Zum Artikel „Kunst-Cluster zerbröselt“ in der Kleinen Zeitung vom 20. Juni 2009 nimmt das Haus der Architektur (HDA) Graz wie folgt Stellung:
Im Artikel von Bernd Hecke entsteht der Eindruck, dass es bereits beschlossene Sache sei, dass das HDA das Mietverhältnis mit der GBG aufgekündigt hat und aus dem Palais Thinnfeld wieder auszieht.
Tatsächlich werden mit der Politik derzeit intensive Verhandlungen zur Lösung dieser Situation und zur Zukunft des Hauses im Allgemeinen geführt.
Das Haus der Architektur wurde vor 20 Jahren als erstes Haus dieser Art in Österreich und Europa unter Beteiligung der Stadt Graz und des Landes Steiermark gegründet. In der Zwischenzeit haben alle Landeshauptstädte und viele Städte weltweit dieses Modell der Architekturvermittlung erfolgreich kopiert.
Übersiedelung in das Stadtzentrum
Mit dem Umzug vom Gründungshaus Engelgasse in das zentral gelegene Palais Thinnfeld haben sich neue Herausforderungen ergeben. Es wurden neue Publikumsschichten erschlossen und die Anzahl der Veranstaltungen zur Architektur und zum Städtebau erhöht. Durch die Übersiedelung an diesen Standort ist es dem HDA zweifellos möglich breitere Bevölkerungsschichten anzusprechen, eine gut sichtbare Position in der Kulturlandschaft der Stadt einzunehmen, das kulturelle und touristische Angebot von Graz niederschwellig zu bereichern und Synergien mit benachbarten Kulturinstitutionen zu nutzen. Gleichzeitig muss man am neuen Standort allerdings mit einer verkleinerten Fläche vorlieb nehmen. Dadurch ist eine der Einnahmequellen des Hauses, die Ausstellung großer Wettbewerbe und Vermietung von Veranstaltungsflächen, versiegt.
Finanzielle Situation
Mit einem Gesamt-Jahresbudget (2007) von ca. EUR 265.000 liegt das HDA, obwohl in der zweitgrößten Stadt Österreichs beheimatet, im Vergleich mit den Häusern anderer Bundesländer nur im budgetären Mittelfeld. (zum Vergleich aut architektur tirol: ca. EUR 325.000, vai, Vorarlberger Architektur Institut: ca. EUR 350.000.)
Neben vier angestellten Mitarbeiterinnen werden von Seiten des ehrenamtlich agierenden Vorstandes derzeit Arbeitsstunden im Gegenwert von jährlich ca. EUR 250.000 für das Programm des HDA geleistet. Diese Umstände widersprechen der Forderung nach einer professionellen Arbeit in einem Haus dieser Bedeutung. Entsprechende Konzepte zur Verbesserung der Situation liegen der Politik seit Juni 2008 vor, wobei Vorgespräche schon im Jahr 2007 stattgefunden haben. Bis heute ist dazu jedoch keine Entscheidung gefallen.
Sollten die Verhandlungen mit der Stadt Graz, die mit dem Bürgermeisteramt geführt werden (seit der Demission von Frau Stadtrat Fluch zuständig) zu keinem Ergebnis führen, ist die Weiterführung des HDA fraglich.
Standort Palais Thinnfeld
Die Unsicherheiten, ob nebenbei der Standort im Palais Thinnfeld gehalten werden kann, begründet sich wie folgt:
Bis Mitte 2010 wird von der GBG (Eigentümerin des Thinnfeld) die Miete (ca. EUR 45.000 p.A.) von jenem Konto behoben, auf das die Ablöse für die Engelgasse eingezahlt wurde. Diese Ablöse wurde einerseits wegen der getätigten Investitionen seitens des HDA in das baufällige Haus in der Engelgasse, als auch durch den Verzicht auf das unbefristete (praktisch kostenlose) Mietverhältnis ausgezahlt. Dieser Betrag dient aber nun eben zur Abdeckung der Miete im Thinnfeld. Die GBG konnte durch den Verkauf des Hauses in der Engelgasse entsprechende Erlöse erzielen.
Ab Mitte des nächsten Jahres müsste nun das HDA für die Miete aufkommen.
Beitrag der Stadt Graz
Das HDA wird von der Stadt Graz durch die Stadtbaudirektion (das Kulturamt unterstützt nur vereinzelte Projekte) lediglich mit EUR 20.000 als Grundsubvention unterstützt. Die vom HDA an die stadteigene GBG zu entrichtende Miete wäre also mehr als doppelt so hoch wie die bisher bezogene Fördersumme.
Bürgermeister Siegfried Nagl hat in vielen Aussagen Abhilfe und Unterstützung versprochen. Unter Berücksichtigung der Kündigungsfristen und der Disposition der Programmgestaltung des Jahres 2010 mit Mitte Juli 2009 (in der Generalversammlung im Juli dieses Jahres werden die entsprechenden Beschlüsse gefasst), muss in den nächsten Wochen eine Entscheidung gefällt werden, ob das HDA im Palais Thinnfeld verbleiben kann oder nicht.
Martin Krammer, Vorsitzender des HDA-Kuratoriums
Markus Bogensberger, Vorsitzender des HDA-Vorstandes
KONTAKT:
HDA Graz im Palais Thinnfeld
Mariahilferstraße 2
A-8020 Graz
T 0316/32 35 00
office@hda-graz.at
- Verfasser/in:
- Martin Krammer, Markus Bogensberger;
