steirischer herbst 05 „polis on display“

Am 2. Juni 2005 präsentierten Kurt Jungwirth, Präsident steirischer herbst und Peter Oswald, Intendant und in diesem Jahr zum letzten Mal für den steirischen herbst veran

03/06/2005

Am 2. Juni 2005 präsentierten Kurt Jungwirth, Präsident steirischer herbst und Peter Oswald, Intendant und in diesem Jahr zum letzten Mal für den steirischen herbst verantwortlich, im Palais Thienfeld das Programm des diesjährigen Herbst-Festivals. Es steht unter dem Motto „Stadt“und geht von 29. September bis 30. Oktober 2005 über die Bühne.

Die Stadt, vor allem die europäische Stadt, befindet sich zurzeit mehr denn je in Bewegung, im Wandel, in Transformation. Die Ursache dieser Entwicklung wird in der Globalisierung, der Individualisierung und in der damit zusammenhängenden räumlichen sowie geistigen Fragmentierung gesehen. Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Schwerpunktsetzung auf Kommunikation, Information und Medien löst verstärkt die Industriegesellschaft ab.

Suburbanisierung und Polarisierung der europäischen Stadt, demographischer Wandel und Deindustrialisierung der europäischen Gesellschaft sind unter anderem die Folgen dieser Entwicklung.

Die künstlerischen Beiträge, die im diesjährigen steirischen herbst zu sehen, zu hören und zu spüren sein werden, setzen sich mit dem Thema Stadt im Hinblick auf die jüngsten gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen, kulturellen und sozialen Entwicklungen auseinander und sind damit von ganz besonders aktueller Relevanz.

Im Rahmen der szenischen Kunst werden die „Stadtoper Graz“ von Peter Ablinger, die Performance Reihe „Bodies – Cities – Subjekts“, kuratiert von Gabriele Klein und „Nicht einmal Hundescheiße“, eine Aktion im öffentlichen Raum des Theater im Bahnhof, gezeigt.

OPERA / WORKS - so wird die „Stadtoper in sieben Akten“ von Peter Ablinger umschrieben - spielt an verschiedenen Schauplätzen und Hörräumen, mit sieben autonomen und zugleich aufeinander bezogenen Hauptabteilungen der klassischen Oper. Die Verschiebung der Spielräume und eine Anders - oder Neuinterpretation der Hauptabteilungen hat eine intensive Hinterfragung des Musiktheaters als Ziel. Das gesamte Konglomerat Oper wird auf den Kopf gestellt, um Vorschläge zu machen, welche Formen heutige Opern annehmen könnten.

Im Rahmen der Performancereihe „Bodies – Cities – Subjekts“ eröffnet die Berliner Tanzkompanie Rubato mit ihrem Projekt „Herzschrittmacher – dance different“ ein Geschäft für Tanz, Tanz als Ware, wie die Waren der postmodernen Shoppingcenter. She She Pop geht dem Phänomen der Individualisierung und der damit möglichen Isolation, Entfremdung und Einsamkeit der Gesellschaft in den Städten nach. Mit ihrem Projekt „mnemonic nonstop“ thematisieren die beiden Choreographen und Tänzer Jochen Roller und Martin Nachbar die Stadt als Durchgangsort und damit das Phänomen Migration in den heutigen Städten.

Die Bildende Kunst ist wie gewohnt auch dieses Jahr wieder umfangreich vertreten.

Die Ausstellung „M – Stadt Europäische Stadtlandschaften“ entstand in Koproduktion mit dem Kunsthaus Graz und lässt sieben Städte als Protagonisten antreten: Graz, Valencia, Basel, Krakow, Rurstadt, Triest und Laibach. Die sechs großen thematischen Eckpfeiler für die künstlerischen Stadtpotraits und theoretischen Texte, die von namhaften KünstlerInnen, ArchitektInnen, DesignerInnen und StadtplanerInnen erarbeitet werden, sind Peripherisierung , Shopping, Stadtlandschaft, Migration, No – Visions und Mapping.

Interessant und sehenswert werden sicherlich auch die Personale „ecke bonk / typosophes sans frontières“, zu sehen im Künstlerhaus Graz und kuratiert von Peter Weibel, ebenso die Ausstellung „Fedo Ertl“ im Stadtmuseum Graz, kuratiert von Werner Fenz.

Das Projekt „GU Graz Umgebung“ des Grazer Kunstvereins, kuratiert von Dieter Spath und Eva Maria Stadler, hat die Produktion einer sogenannten „rurbaren“ Landschaft zum Ziel. Eine Dublette des Grazer Kunstvereins soll auf dem Arial der Shoppingcity Seiersberg installiert werden. Zwischen den beiden Kunstvereinen, dem innerstädtischen und dem in Graz Umgebung, werden Wanderungen, Busreisen und Ausflüge angeboten. Radiosendungen, Filmvorführungen, Diavorträge, Gesprächsrunden, Konzerte und Feste sollen die Region Graz Umgebung hinterfragen und künstlerisch neu konstruieren.

Im Medienturm Zentral wird „BLANK - Urbane Zwischenräume“ zu sehen sein. Die von Norbert Pfaffenbichler und Sandro Droschl zusammengestellte Ausstellung zeigt Arbeiten von KünstlerInnen, die sich mit den städtischen und den virtuellen Räumen dazwischen auseinandersetzen, mit Räumen also, die Walter Benjamin in seinem Text „Passagen Werke“ als das architektonisch Unbewusste zu erklären suchte.

Die Ausstellungen „LIVE LIKE THIS!“ im Kunsthaus Graz/Camera Austria, kuratiert von Reinhard Braun und die Personale „Manfred Willmann Werkblicke“ in der Neuen Galerie, kuratiert von Peter Pakesch, runden das Programm in der Sparte „Bildende Kunst“ ab.

Und nun zur Architektur:

ORTLOS architects suchen mit ihrem Projekt „City Upgrade“ nach Prinzipien und Strategien, die helfen, die Stadt umzustrukturieren, um sich „intelligent“ den „neuen Bedürfnissen“ anpassen zu können. Die Methode ist, verschiedene Städte von ähnlicher Größe und mit ähnlichen Problemstellungen wie Graz zu untersuchen. Die Projektergebnisse aus der Zusammenarbeit eines interdisziplinären Teams werden der breiten Öffentlichkeit im medien.KUNSTLABOR in Form einer „Städtischen Installation“ vorgestellt.

„Wo die Zukunft stattfindet – Neues aus den Agglomerationen“ ist ein Symposion, das Ernst Hubeli, Vorstand des Instituts für Städtebau der TU Graz, in Kooperation mit dem steirischen herbst konzipiert. Die Sparte Architektur erscheint damit angesichts der Thematik „Stadt“, doch etwas klein. Es fehlen Koproduktionen mit steirischen Architekturinstitutionen, derer es ja so einige gibt.

Den traditionellen Ausstellungsrundgang durch die Grazer Galerien wird es wieder geben sowie das Musikprotokoll und Literaturveranstaltungen. Produktionen und Koproduktionen mit anderen steirischen Städten und Gemeinden, wie Bruck an der Mur, Laafeld, Mürzzuschlag, Mureck, Pischelsdorf und Seckau stehen ebenso auf dem Programm.

Der steirische herbst konzipierte, zum letzten Mal mit Peter Oswald als Intendant, mit verhältnismäßig geringen Mitteln der öffentlichen Hand (1,3 Mio Euro) wieder ein gewohnt plurales und umfangreiches Programm.

Von 2006 bis 2009 wird Veronica Kaup-Hasler für den steirischen herbst verantwortlich zeichnen.

Verfasser/in:
Elisabeth Krammer, Bericht

Weiterführende Links

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GU Graz Umgebung - Produktion einer rurbanen Landschaft. Foto: arquitectos

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