Die Akademie der Bildenden Künste in Sofia soll adaptiert und durch einen Neubau in einer Größenordnung von rund 25.000 m² erweitert werden. Damit will man all jene Institute, die aufgrund des akuten Platzmangels dezentral untergebracht sind, unter einem Dach vereinen. Die Akademie, mit einer derzeitigen Nutzfläche von 15.000 m², befindet sich in bester Gesellschaft, sie ist umgeben von den kulturell bedeutendsten Bauwerke der bulgarischen Hauptstadt.
Für die anstehende Bauaufgabe wurde ein offener bulgarienweiter Architekturwettbewerb ausgeschrieben, bei dem die österreichisch-bulgarische Projektgemeinschaft Architekt Alfred Bramberger und Architektin Kalina Grantcharova einen Ankauf erzielte. Das Siegerprojekt stammt von einem bulgarischen Architekten namens Stefan Dobrev, der seit 17 Jahren in Paris lebt und arbeitet.
Der Entwurf des Grazer Teams zeichnet sich durch seine kompakte äußere Form bei gleichzeitiger Schaffung außergewöhnlich differenzierter Innenräume aus. Die Differenzierung wird durch eine Komposition unterschiedlicher Raumhöhen und durch die Anordnung der Räume um Lichthöfe erzielt.
STÄDTEBAULICHER AUSGANGSPUNKT / ENTWURFSASPEKTE
(Auszug aus dem Bericht von Architekt Alfred Bramberger und Architektin Kalina Grantcharova)
Der Bauplatz für die neue Akademie der Bildenden Künste ist gekennzeichnet durch seine prominente Lage inmitten der bedeutendsten kulturellen Bauwerke Sofias. Die Lage zwischen dem Alexander Newski und dem Levski Boulevard bildet eine Baulücke im Geviert, der die im Zentrum des Alexander Newski Platzes situierten Kathedrale umgebenden Gebäude: die Kirche der Hl. Sophia im Nordwesten, die Galerie der Internationalen Kunst im Nordosten und der Sitz des Patriarchen von Sofia im Südwesten.
Begrenzt wird der Bauplatz im Osten durch die Ringstraße des Levski Boulevards. Dem neuen Bauwerk der Akademie kommt somit eine bedeutende Funktion im städtebaulichen Spannungsfeld der Beziehungen der Gebäude zueinander und der Achsen und platzbildenden Fassaden rund um die nahezu kreisförmige Anlage des Alexander Newski Platzes zu. Wichtige städtebauliche Parameter für die Ausrichtung des neuen Akademiegebäudes bilden die Nationalbibliothek im Osten und der Komplex der Universität Sofia im Südosten.
Diese städtebaulichen Ausgangspunkte bilden zusammen mit dem umgebenden Grünraum die maßgeblichen Entwurfsparameter für die Ausformung und Situierung des Gebäudes auf dem Bauplatz. Sein ambivalentes Volumen reagiert sensibel auf die städtebaulichen Einflussgrößen dieser prominenten Umgebung. Es passt sich nicht an die aus unterschiedlichsten Stilepochen stammenden Gebäude seiner Umgebung an, sondern setzt ein selbstbewusstes Zeichen mit einer zeitgenössischen Formensprache.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit
Für ein Gebäude dieser Größenordnung ist neben den hohen Ansprüchen an Funktionalität, Lichtführung und Orientierbarkeit gerade im Hinblick auf die Folgekosten für Betrieb und Erhaltung besonderes Augenmerk auf die Wirtschaftlichkeit bei Konstruktion und Errichtung und die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien und die technischen Einrichtungen zu legen. Die Gebäudeform garantiert ein optimales Verhältnis von Außenhaut zu Volumen und Nutzfläche. Besonderes Augenmerk wird auf den Anteil von Glasflächen für Belichtung und deren Orientierung nach Nord für die Ateliers gelegt um übermäßige Sonneneinstrahlung zu vermeiden und eine Überwärmung der Ateliers zu verhindern. Einen maßgeblichen Anteil für die wirtschaftliche Errichtung und den Betrieb trägt die Wahl der Fassadenkonstruktion bei.
4) Fassade, Sonnenschutz, Energie
Als Fassadensystem wird eine „Cortain Wall“ Fassade vorgeschlagen, die auf einer einfachen Stahlprofilunterkonstruktion zwischen die Geschoßdecken aus Stahlbeton gespannt wird. Diese Tragkonstruktion ist mehrfach geknickt und nimmt die bündigen, aber polygonalen Fassadenelemente auf. Diese sind je nach Raumanforderung als geschlossene Paneele mit entsprechender Wärmedämmung oder als transparente Glaselemente mit flächenbündigen Öffnungsflügeln konstruiert. Die geschlossenen Paneele sind mit einem speziellen, in Deutschland und Österreich bereits vielfach eingesetzten und erprobten System der transparenten Wärmedämmung ausgestattet, um einen hohen Wirkungsgrad im Hinblick auf reduzierten Wärmeverlust und passive Nutzung der Sonnenenergie mit „low-tech“-Materielien zu erzielen. Die Oberflächengestaltung ist dabei völlig variabel und reicht von gefärbtem oder transparentem Glas über eloxiertes Aluminium, von rostfreiem Stahlblech bis zu lackierten Oberflächen. Die Wahl der Oberflächen wird dabei von Raumnutzung, äußerem Erscheinungsbild, Wirkung im Stadtbild und der beabsichtigten Signifikanz des Gebäudes bestimmt. Zusammen mit einem hochwirksamen und auf die Erfordernisse der Ateliers abgestimmten Sonnenschutzsystem kann mit dieser Fassadenkonstruktion der Standard eines Niedrigenergiehauses mit einem Wärmebedarf von weniger als 40 w/m2 erzielt werden.
KONTAKT:
Projektgemeinschaft BRAMBERGER-architects / Arch. Kalina Grantcharova
Defreggergasse 6
A-8020 Graz
T +43 316 922 112-10
studio@bramberger-architects.at
http://www.bramberger-architects.at/
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich