Steiermark auf dem Weg zur Energieautonomie 2020

Energieautonomie ist keine Vision sondern machbar. Zu diesem Ergebnis kam eine hochkarätig besetzte Diskussion aus Experten und Politikern in Gleisdorf.

07/04/2009

Energieautonomie ist keine Vision sondern machbar. Zu diesem Ergebnis kam eine hochkarätig besetzte Diskussion aus Experten und Politikern in Gleisdorf. Der Energieexperte der Ziviltechnikerkammer, Diplomingenieur Ingo Sonnek wies darauf hin, dass wir längst über alle Technologien verfügen, um das Ziel einer energieautonomen Steiermark bis zum Jahr 2020 erreichen zu können. Es bedürfe lediglich der Bewusstseinsbildung im privaten und öffentlichen Bereich sowie des raschen und entschlossenen politischen Handelns.

Der Sozialforscher Bernd Marin verwies darauf, dass eine globale Energiewende in Richtung erneuerbarer Energien nur dann rasch erzielt werden kann, wenn es gelingt, eine Entkoppelung der Rohstoffpreisentwicklung im Bereich nicht erneuerbarer Energieträger von den Kapitalmärkten herbeizuführen. Um die Entwicklung zukünftiger Spekulationsblasen in den Finanz- & Rohstoffmärkten von vornherein einzubremsen, plädierte er insbesondere für eine rasche und grundlegende Umgestaltung des derzeitigen Steuersystems: mit deutlicher Entlastung des Faktors Arbeit bei gleichzeitiger Steuererhöhung bei Kapitalerträgen. Erst wenn die Spekulation auf Rohstoffe, zu denen auch alle nicht erneuerbaren Energieträger zählen, keine hohen Profitchancen mehr versprechen, werden Investitionen in erneuerbare Energien wettbewerbsfähig.

SPÖ Landesrat Manfred Wegscheider, der sich hinsichtlich des Zeithorizontes 2020 skeptisch zeigte, forderte in diesem Zusammenhang eine grundlegende Überarbeitung des Ökostromgesetzes des Bundes. Die gegenwärtige Fassung limitiere die Entwicklungspotenziale erneuerbarer Energiequellen zu sehr. Auf Ebene der Landespolitik sieht Wegscheider insbesondere im Bereich der Raumordnung weitreichende Handlungsmöglichkeiten, um die Gesamtenergieverbrauchsbilanz der Steiermark deutlich reduzieren zu können. Wegscheider warb für sein neues Raumordnungsgesetz, das einer weiteren Zersiedelung einen deutlichen Riegel vorschiebt. Landtagsabgeordneter Josef Ober von der ÖVP forderte eine Demokratisierung der Energieversorgung und mehr Mittel für die Energiesanierung.

Die Raumplanerin Irene Rubitzki machte in ihrem Vortrag anschaulich deutlich, welche Folgekosten im Energieverbrauch durch dezentrales Bauen und Zersiedelung entstehen. Sie forderte dazu auf, insbesondere auf Gemeindeebene, die örtliche Entwicklungsplanung hinsichtlich Gesamtenergieaufwand durch dezentrale Siedlungsentwicklungen einem umfassenden Prüfungsprozess zu unterziehen.

Einige steirische Gemeinden haben bereits das „E5 Programm“ zur Energiezertifizierung von Gemeinden durchgeführt, das zielgerichtet Energiesparpotenziale auf Gemeindeebene aufdeckt. Rubizki fordert, nicht nur für Gebäude, sondern insbesondere auch für zur Bebauung vorgesehene Grundstücke einen Energieausweis zu erstellen, der die zu erwartende Bilanz des Gesamtenergieverbrauchs bei einer bestimmten Grundstücksnutzung ausweist.

Architekt Reinhard Schafler ortet vor allem im Kompetenzwirrwarr im Bereich der Raum-, Verkehrs- und Energieplanung die größten Hindernisse für die rasche und effiziente Einleitung der Energiewende. Um kosteneffiziente und sozial verträgliche Modelle umsetzen zu können, ist eine vernetzte ressortübergreifende Planung auf Bundesebene einerseits und auf Ebene regionaler Räume andererseits nötig. Für beides fehlen im Augenblick aber auch wichtige verfassungsrechtliche Voraussetzungen.

Trotz der Komplexität der Materie hielt das Publikum im Saal im Rahmen eines Saalvotings die Umsetzung der Vision einer energieautonomen Steiermark bis zum Jahr 2020 mit 59% für machbar.

Veranstalter waren:

Land Steiermark mit der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten.

Weiterführende Links

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v.l.n.r.:Dipl. Ing. Rudolf Ingo Sonnek, Oliver Zeisberger, LAbg. Ing. Josef Ober, Dipl. Ing. Reinhard Schafler,, Univ.-Prof. Dr. Bernd Marin, Dipl. Ing. Irene Rubitzki

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