Der zunächst für den 12. April 2005 vorgesehene „Stadtpark-Gipfel“ ging nun am 24. Mai 2005 im Heimatsaal des Volkskundemuseums in Graz im wahrsten Sinne des Wortes „über die Bühne“, allerdings etwas weniger spektakulär als es nach den heftigen Diskussionen um die Fällung einzelner von Kernfäule betroffener Bäume Anfang Mai zu erwarten war.
Die Baumexperten Hans Kost und Geza Hajós und die Grazer Stadtpolitiker Bürgermeister Siegfried Nagl, Planungsstadtrat Gerhard Rüsch (ÖVP) sowie Umweltreferent Vizebürgermeister Walter Ferk (SPÖ) bezogen in demonstrativ entspannter Haltung und disziplinierter Reihenfolge Stellung zur geplanten Sanierung der Montclair- und Dubrovnik-Allee. Der Saal war an diesem strahlend schönen Frühlingsnachmittag nur spärlich mit interessiertem Publikum belegt: Neben Journalisten und dem Politikertross waren in erster Linie Vertreter der Grazer Grünen und der Bürgerinitiative „Lebendiger Stadtpark“ erschienen.
Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl wies in seinen einleitenden Bemerkungen darauf hin, dass schon in den späten achtziger Jahren ein Regenerationsprogramm für die historischen Baumbestände vorgesehen war, wie es andernorts durchgeführt wurde (Berlin, Unter den Linden). Schließlich seien ja nur fünf Prozent der Parkanlagen betroffen: „Keine Fraktion in Graz ist daran interessiert, Baumbestände zu vernichten, vielmehr wollen wir den Stadtpark für kommende Generationen sichern“, so Nagl. In dieselbe Kerbe schlugen Robert Grill und Robert Wiener vom Grazer Stadtgartenamt, als sie das Problem der „Verkehrssicherheit“ betonten. Die beiden Baumexperten plädierten angesichts ihres Gutachtens, das nur ein Viertel der 123 Alleebäume für mittelfristig erhaltenswert einschätzt, für einen dreistufigen blockweisen Austausch des Baumbestandes der beiden Alleen in den Jahren 2006 bis 2008: „Diese Vorgehensweise ist für die Erhaltung einer einheitlichen Alleegestalt sowie die Erneuerung des Bodensubstrates erforderlich," meinten die Experten.
Geza Hajós, Spezialist für historische Gartenanlagen, unterstrich die Position des Bundesdenkmalamtes zur Erhaltung von durch Menschenhand geschaffenen Kulturraum: „Es gilt den typischen Charakter des Kunstwerks, notfalls auch durch Neupflanzungen, zu erhalten, schließlich handelt es sich hier um kein Naturschutzgebiet.“ Demgegenüber wies der Grazer Naturschutzbeauftragte Wolfgang Windisch darauf hin, dass der Austausch von ganzen Abschnitten im Gesetz nicht vorgesehen sei und fordert ein umfassendes Pflegekonzept für den gesamten Stadtpark und die Installierung eines Baumexpertenteams.
Mit Spannung erwartet wurde das Verdikt des deutschen Baumspezialisten Franz Kost, der im Auftrag von Walter Ferk in den vergangenen Wochen – basierend auf neuesten wissenschaftlichen Methoden – ein umfassendes 280-seitiges Gutachten angefertigt hatte. Kost kommt im Widerspruch zum Stadtgartenamt zu dem Schluss, dass die überwiegende Zahl der Kastanienbäume noch mindestens zwanzig bis dreißig Jahre erhalten werden kann. „Schwingungsproben ergeben, dass ein Drittel Restwandstärke der Stämme und eine Reduktion der Kronen um fünf bis zehn Prozent bei entsprechenden Pflegerhythmen für ausreichende Sicherheit sorgen“, erläuterete Kost. Die Gesamtkosten für Kronenschnitte und andere notwendige Maßnahmen werden dabei auf nur etwa 37.000 € geschätzt.
Bei der anschließenden, sachlich verlaufenden Diskussion, die nur einmal durch den emotionalen Ausbruch einer Aktivistin unterbrochen wurde, zeichnete sich eine teilweise Annäherung der Stadtpunkte ab. Von Seiten der Bürgerinitiative wurde eine Entschleunigung des Verfahrens eingemahnt, während sich die politischen Verantwortlichen eine zeitliche Ausdehnung der Neubepflanzungsetappen vorstellen können.
- Verfasser/in:
- Josef Schiffer, Bericht

