Stadtleben - lebendige Stadt

Am 19. Mai 2011 veranstaltete das Kinderbüro Steiermark mit Unterstützung von Architekturtouren-Graz und GAT wieder eine Architekturführung, bei der die Architekturvermit

30/05/2011

„Die Stadt ist wie ein Körper - sie wächst und schrumpft, erneuert ihre Zellen. Auch die geschützte Altstadt muss sich stetig verändern, damit sie am Leben bleiben kann. Wir wollen diese Umwandlungen der Stadt entdecken und verstehen lernen, warum sie notwendig sind.“ (Karin Tschavgova)

Am 19. Mai 2011 veranstaltete das Kinderbüro Steiermark mit Unterstützung von Architekturtouren-Graz und GAT wieder eine Architekturführung, bei der die Architekturvermittlerin Karin Tschavgova mit Kindern des Anton Afritsch Kinderdorfs am Steinberg unter dem Motto „Stadtleben - Lebendige Stadt“ durch die Grazer Innenstadt tourte.

Die Gruppe von Sechs- bis Zwölfjährigen begab sich dabei auf die Suche nach Neuem und Implementierungen in historischer Bausubstanz und erfuhr so, dass eine Stadt einem steten (Um-)Wandlungsprozess unterliegt, sie durch den permanenten Wandel unserer Lebensumstände, durch Neuerungen, die unser Leben bestimmen und bereichern, ständige Erneuerung braucht, um lebensfähig zu bleiben. Der Streifzug durch die Geschichte von Plätzen, Orten und Gebäuden zeigte den Jugendlichen, dass durch mannigfaltige und oftmalige Änderungen der Nutzungsbedingungen, durch Zu- und Umbauten und durch neue Materialien Orte an Qualität gewinnen können. Mittels Quizfragen, die Karin Tschavgova bei allen Stationen einstreute, wurden die Kinder dazu angeregt, aktiv an der Führung teilzunehmen und ihren Teil beizutragen.

Ausgangspunkt war der geschichtsträchtige Karmeliterplatz, wo zu erfahren war, wie stark einstmals Klosteranlagen das Stadtbild prägten. So war das Gebäude, in dem heute das Steiermärkische Landesarchiv untergebracht ist, ein Kloster des Karmeliterordens, der 1629 gegründet wurde.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich eine andere Art von Sammlung, die LandesLudothek „Ludovico“, die derzeit ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Das Institut für Spielkultur und Spielpädagogik ist seit dem letzten Jahr im Erdgeschoss des Hauses für Kinder, Jugendliche und Familien untergebracht. Nachdem die Kinder in der Ludothek einige Spiele gewonnen hatten, machten sie sich glücklich auf den Weg in Richtung Freiheitsplatz.

Während am Karmeliterhof mit seiner neuen Fassadengestaltung und seinen Zubauten das „Neue“ deutlich abzulesen ist, zeichnen sich die Umbauten in der Alten Universität am Freiheitsplatz von außen kaum ab. Aufgefordert, das Neue zu suchen, fielen den Kindern sofort die zeitgemäßen Zugänge in Glas auf, die den sensiblen Eingriff in die historische Bausubstanz des vom Jesuitenorden errichteten Gebäudes thematisieren. Noch deutlicher wurde die Gegenüberstellung von Alt und Neu an zwei nebeneinander liegenden Geschäftslokalen in der Hofgasse - der historischen k. u. k. Hofbäckerei Edegger-Tax und dem minimalistisch modern gestaltetem Herrenmodengeschäft Johan.

Dass sich viele Neuerungen durch gesellschaftlichen Wandel, veränderte Lebensumstände und Bauregelwerke ergeben, konnten die Kinder im Innenhof des Deutschritterordenshauses in der Sporgasse durch einen vergleichenden Blick von der Gegenwart aus ins späte Mittelalter erfahren. Die spätgotische Hofanlage im Übergang zur Frührenaissance zeigt den für damals typischen Murnockerl-Bodenbelag, einen offenen Stiegenaufgang und ebenso offene, gedeckte Arkadengänge aus Naturstein. Die Kinder merkten an, dass heute bei einem Neubau kaum Murnockerl als Bodenbelag eingesetzt werden, vielmehr Beton oder Asphalt und auch die Verwendung von Steinsäulen und -pfeilern heutzutage die Baukosten sprengen würden.

Am Beispiel des Hauptplatzes konnte den Kindern anschaulich gezeigt werden, dass Altes und Neues durchaus gut zusammenpassen kann. Kaum jemandem ist bewusst, dass die Altbauten, die den Platz einfassen, das Ergebnis von mehr als 400 Jahren Bau- und Umbautätigkeit sind und von der Spätgotik bis zur späthistoristischen Fassadengestaltung um 1915 reichen.

Dann ging es weiter zum Warenhaus Kastner & Öhler, das mit seinem Gebäudekonglomerat im Häuserblock um Sackstraße, Murgasse und Kai, mit engen Gassen und kleinen Plätzen, ein einziges Sammelsurium aus unterschiedlichsten Epochen und Baustilen darstellt: ein mittelalterliches Klostergebäude, ein Renaissancepalais, das späthistoristische Haupthaus mit sezessionistischen Fassadenmotiven, moderne gläserne Verbindungsbrücken und Fassaden, eine hochmoderne, bautechnisch beeindruckende Tiefgarage und der jüngst fertig gestellte Dachaufbau gehen hier eine Symbiose ein, die heute auch funktionell eine Einheit bildet .

Dem Höhenflug zu den Dächern von Graz folgte der Blick in die Tiefe, zur Auffahrtspirale der Kastner & Öhler Tiefgarage, welche die Kinder sichtlich mindestens so beeindruckte wie die besondere Baugeschichte der Garage unter dem Admonterhof.

Abschließend führte die Tour noch höher über die Dächer der Stadt: Durch den Schlossberg ging es mit dem gläsernen Aufzug in luftige Höhen, denn die meisten „neuen“ Eingriffe in das Stadtbild von Graz werden erst aus der erhabenen Perspektive einsehbar. So entdeckten und erkannten die Kinder auch gleich, welche der Gebäude und Dachaufbauten in der historischen Stadt neueren Datums sind. Dass eine Stadt durch ihre ständigen Veränderungen lebendig, wandelbar und pulsierend bleibt, stand am Ende für alle TeilnehmerInnen - Kinder und Erwachsene ebenso fest wie die Tatsache, dass gute, qualitätvolle Architektur keine Frage des Alters ist …

Verfasser/in:
Petra Kickenweitz, kinderGAT, Nachlese

Weiterführende Links

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Start der Architekturführung mit der Architekturvermittlerin Karin Tschavgova am Karmeliterplatz, Graz.
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Die Kindergruppe beim Spielen in der LandesLudothek "Ludovico" im Karmeliterhof, Graz
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Rechts im Bild die Fassade des Herrenmodengeschäfts Johan in der Hofgasse, Graz (Planung: Architekt Claudio Silvestrin)
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Neben dem Herrenmodengeschäft Johan befindet sich die k. u. k. Hofbäckerei Edegger-Tax.
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Mittels Quizfragen wurden die Kinder dazu angeregt, aktiv an der Führung teilzunehmen und ihren Teil beizutragen. Hier im Innenhof des Deutschritterordenshauses in der Sporgasse.
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Murnockerlbelag im Haus des Deutschritterordens, Sporgasse, Graz
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Offene, gedeckte Arkadengänge mit Säulen aus Naturstein im Haus des Deutschritterordens, Sporgasse, Graz
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Grazer Hauptplatz
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Grazer Hauptplatz
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Abschluss der Architekturführung auf dem Grazer Schlossberg. Fotos: P. Kickenweitz
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... und von Architektouren-Graz (www.architektouren-graz.at) gesponsert und durchgeführt.
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Die Veranstaltung wurde vom Kinderbüro Steiermark organisiert und ...

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