Seit 1987 prämiert der internationale IOC/IAKS AWARD alle zwei Jahre beispielhaft gut gestaltete und gleichzeitig funktional gelungene Sportanlagen. Bei den ausgezeichneten Anlagen kann es sich sowohl um Neubauten als auch um die Erweiterung oder Modernisierung vorhandener Anlagen handeln. Auslober des Wettbewerbs sind das Internationale Olympische Komitee (IOC), Lausanne, und die Internationale Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtungen (IAKS), Köln. Gemeinsam mit dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC), Bonn, vergibt die IAKS außerdem den IPC SONDERPREIS für behindertengerechte Sportanlagen. Der IPC SONDERPREIS will die Zugänglichkeit von Sportanlagen und allen anderen Bauten fördern, um auch Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit zu geben, Sport uneingeschränkt und barrierefrei auszuüben oder dabei zuzuschauen.
Teilnahmeberechtigt sind Bauherren/Betreiber ("Träger") und Architekten/Ingenieure ("Planer"). Die Bewerbung muss von Trägern und Planern gemeinsam eingereicht werden. Die Sportanlagen (Neubauten, Erweiterungen oder Modernisierungen) müssen sich mindestens ein Jahr lang im Betrieb bewährt haben. In Abhängigkeit von Nutzung und Standort werden sie unterschiedlichen Anlagenkategorien zugeordnet und nach bestimmten Auswahlkriterien bewertet. Die von der Jury ausgewählten Bauten werden mit dem IOC/IAKS AWARD für beispielhafte Sport- und Freizeitbauten bedacht. Die Auszeichnung wird in Gold, Silber und Bronze verliehen. Darüber hinaus kann die Jury bei Anlagen, die sich durch interessante Teillösungen hervorheben, "Lobende Erwähnungen" aussprechen.
Vom 29. Juni bis 01. Juli 2005 trat in Köln die Jury des diesjährigen IOC/IAKS AWARD zusammen.
93 Teams von Betreibern und Planern aus 25 Ländern bewarben sich um den Preis. Die Teilnahme war auf Anlagen beschränkt, die zwischen 1997 und 2003 errichtet wurden. Die Jury prämierte acht Arbeiten mit Gold, sieben mit Silber, sieben mit Bronze und sprach elf lobende Erwähnungen aus. Erstmals konnten die eingereichten Arbeiten zudem mit dem von der IAKS und dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) gemeinsam vergebenen „IPC/IAKS SONDERPREIS für behindertengerechte Sportanlagen“ ausgezeichnet werden. Alle Preise werden am 26. Oktober 2005 im Rahmen des 19. IAKS-Kongresses und der Fachmesse FSB – Freiraum, Sport- und Bäderanlagen – in Köln vergeben (zu den ausgezeichneten Projekten gelangen Sie über unten angeführten Link).
Die Sport- und Freizeitanlage Stattegg von Hohensinn Architektur wurde beim IOC/IAKS AWARD 2005 mit Silber bedacht und erhielt zudem den „IPC/IAKS Sonderpreis für behindertengerechte Sportanlagen“.
PROJEKTBESCHREIBUNG:
Sport- und Freizeitanlage in Stattegg von Hohensinn Architektur ZT GmbH, Graz
Das Sportstadion von Stattegg ist ein Musterbau, der im Rahmen einer Studie über flexible Freizeit- und Sportstättenanlagen mit integriertem Energiekonzept errichtet wurde. Ergebnis der Entwicklungsarbeit ist die Kombination einer Holzmodulbauweise mit einem optimierten, effizienten, multifunktional nutzbaren Raumprogramm, das auch das vertikale Stapeln von Funktionen beinhaltet.
Am konkreten Standort musste aufgrund einer schwierigen topografischen Situation, schlechter Erschließung und Ausrichtung des bestehenden Sportplatzes sowie falscher Positionierung des Clubhauses eine grundlegende Umstrukturierung vorgenommen werden. Das neue, zweigeschossige Stadion mit Solaranlage am Dach befindet sich nun an der südwestlichen Längsseite des Spielfelds. Dem sich keilförmig verjüngenden Bauplatz wurde insofern Rechnung getragen, als die Tribüne dreieckig angelegt ist: Breit im Eingangsbereich, den alle Besucher passieren müssen, nach hinten schmäler werdend. Die dem Spielfeld abgewandte Fassade pai?sst sich durch ihren Wohnhauscharakter der umgebenden Bebauungsstruktur an.
Während im Untergeschoss die Umkleide- und Sanitärräume für die Spieler untergebracht sind, ist das Obergeschoss so angelegt, dass fast alle funktionalen Einheiten mindestens doppelt nutzbar sind. Zentrum ist der Gastronomiebereich, der als freistehender, roter Würfel unter das große Stadiondach geschoben wurde. Küche, Ausschank und Sanitärblock können auch den Spielbetrieb mitversorgen, der Clubraum des Fußballvereins steht überdies dem Restaurant als Erweiterungsmöglichkeit zur Verfügung. Den daran anschließenden Bereich und die dazu gehörende Infrastruktur teilen sich mehrere verschiedene Vereine.
Einfache, beiläufig eingesetzte, zum Teil bunte Materialien machen das Gebäude zu einem einladenden, neuen Ortszentrum, das von den Bewohnern Statteggs gut angenommen wird und nicht nur formal, sondern auch wirtschaftlich überzeugend ist.
(Text: Eva Guttmann)PROJEKTDATEN:
Standort: A-8046 Stattegg
Bauherr: Gemeinde Stattegg KEG – Orts- und Infrastrukturentwicklungs-Kommanditerwerbsgesellschaft
Planung: Hohensinn Architektur
Projektleitung u. ÖBA: Wolfgang Frischenschlager / Mitarbeiter: Eva Grubbauer, Robert Plösch, Christine Demander
Tragwerksplanung: Lorenz Consult, Graz
Solartechnik: Fa. Arge Erneuerbare Energie, Gleisdorf
Generalunternehmer: Fa. Kulmer Bau, Hart bei Pischelsdorf
Nutzfläche: 498 m² (379 m² beheizt, 119 m² unbeheizte Nebenflächen)
Planungsbeginn: 04/2001
Baubeginn: 10/2002
Fertigstellung: 05/2003
Baukosten netto: EUR 625.000,– Bildnachweis: Walter Luttenberger
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
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