WENZEL MRACEK
Haus aus Versprechungen – Ein G’stett’n-Theater
Am 2. und 3. Oktober 2003 erfolgte der Abbruch des damals „noch immer“ unter Denkmalschutz stehenden Hauses (www.denkmalschutz.at, Netzwerk Denkmalschutz, 03.10.2003) in der Grazer Burggasse 15. Das so genannte Kommod-Haus, erbaut zu Anfang des 19. Jhs. von Georg Hauberrisser d. Ä., befand bzw. befindet sich zum großen Teil im Besitz der Firma WEGRAZ (Reinhard Hohenberg). Derzeit sind Verfahren anhängig, die die tatsächlichen Besitzverhältnisse klären sollen. Zu einem, nach Gerichtsbeschluss von Rechtsanwälten so interpretierten Auftrag an die Stadt Graz, das Haus in seiner ursprünglichen Form wieder zu errichten, wollte etwa die vormalige Stadträtin Eva Maria Fluch in einem Gespräch mit GAT keine Auskunft geben („laufendes Verfahren“).
Bürgerproteste und Petitionen gegen den Abbruch blieben seinerzeit wirkungslos, ebenso Einwände der Altstadtsachverständigen-Kommission und seitens ICOMOS betreffend das Weltkulturerbe. „Das Haus wurde von seinem Besitzer, der Grazer Firma Wegraz solange nicht saniert, bis es laut Gutachten "wirtschaftlich nicht mehr zumutbar war", es herzurichten“ (ORF Steiermark, 10.04.2005). In der heißen Phase während des Abbruches war Bürgermeister Nagl urlaubsbedingt für keine Stellungnahme zu erreichen. Schon längere Zeit zuvor hatte er sich aber für den Abbruch dieses „Schandflecks“ ausgesprochen. Schließlich hatte WEGRAZ, wie aus der folgenden Abschrift zu entnehmen ist, offenbar koordiniert mit der Stadt Graz einen geladenen Architektur-Wettbewerb für einen Neubau am bis heute brachliegenden Ort ausgelobt. Das Sieger-Projekt von Zaha Hadid wurde am 11.02.2005 im Haus der Architektur vorgestellt.
Die nachfolgende wörtliche Abschrift einer Audioaufnahme dieser Präsentation (Archiv WM) gleicht aus gegenwärtiger Sicht einer Realsatire und könnte vielleicht als G’stett’n-Theater vor dem noch bestehenden Umriss am ehemals anliegenden Gebäude in der Burggasse 15 aufgeführt werden.
Moderator:
Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, einen so breit gefächerten Wettbewerb zu veranstalten für dieses Projekt?
Reinhard Hohenberg:
Wie Sie richtig gesagt haben, hat das Haus Staub aufgewirbelt im wahrsten Sinn des Wortes. Es war uns ein gemeinsames Anliegen eine Lösung zu finden, die beispielhaft sein können soll, aus einer solchen Situation noch etwas Gutes werden zu lassen. Die Stadt Graz, Bürgermeister Nagl, haben also die Vorgabe gehabt, dass wenn etwas Neues kommen soll, dann möge es ein Wettbewerb sein im Vorangehen; da haben wir es für sehr sinnvoll gehalten, weil einfach die Qualität, die man sucht, am besten werden sollte … Wir haben es nicht bereut, Sie werden’s dann sehen. Es war leider sehr aufwändig und teils mühsamer Weg, aber das war unser Problem. …
Moderator:
Dann darf ich Ihnen jetzt das Mikrofon übergeben für die Begrüßung.
Hohenberg:
Meine Damen und Herren, es freut mich schlicht, wie großes Interesse diese Präsentation gefunden hat, es freut mich schlicht, dass so viele gekommen sind, sich anzusehen und anzuhören, was es vor den Kulissen und hinter den Kulissen gegeben hat im Rahmen dieser Bemühungen. Der Herr Moderator hat gemeint, die Aufregungen waren nicht umsonst. Ich möcht’s noch schärfer formulieren: Die Aufregungen haben sich gelohnt. Und erst für diese Aufregungen ist der Gedanke geboren worden, daraus einen solchen hochkarätigen Wettbewerb zu machen. In diesem Sinne also mein Danke für den heutigen Gastgeber, an Herrn Irmfried Windbichler, für die Beherbergung unserer Präsentation. Ich werde versuchen das Ganze also wirklich in dem Sinne mit Freude auszustatten; und vielleicht als erstes dazu noch dann meine Begrüßung und zugleich mein Dank an den Stadtrat Rüsch. Die Stadt war von Anfang an eingebunden in einer konstruktiven Form. Die Stadt hat also von sich aus mit die Weichen gestellt, die Stadt hat von sich aus mit Gestaltungsvorgaben erarbeitet und es war eigentlich wirklich eine Freude, … friktionslos gemeinsam ein Projekt zu realisieren. Wir haben es also in der Vorbereitungsphase geschafft und heute ist der erste Meilenstein. Es ist dieser – dieser Weg zu einer Zwischenetappe gekommen: Wir haben das Wettbewerbsergebnis. Im selben Sinne, meine Damen und Herren, … Patrik [Schumacher], auch er war es, der in Sitzungen, teilweise wirklich langwierig, da auch eingebracht hat die Stadt in sich, seine Bedenken auch, was daraus werden könnte, und daraus die Überzeugung, dass da was Gutes werden kann – damit danke. Nun, was wäre das Ganze gewesen ohne die Teilnehmer? Es war wirklich erfreu-, es war wirklich erstaunlich, mit welcher Ambition hier Arbeiten gewidmet worden sind, die als solche es der Jury schwer gemacht haben, sich zu entscheiden. Es waren lange, es waren qualitativ hoch stehende, es waren teilweise durchaus auch kontroversielle Diskussionen, aber immer waren sie konstruktiv. Und dadurch waren sie gleichsam als, als, als – Referenz … In diesem Sinne, als stellvertretend für unsere Teilnehmer Klaus Thaler und Ernst Giselbrecht, beide sind hier, beide haben ein gleichermaßen gereiftes Projekt, äh (bewertet?) bekommen; es war wirklich ein hartes Diskutieren in welche Richtung sich die Vorlieben, die Überzeugungen neigen werden. Wir haben schlussendlich dann Hadid, also dieses Projekt, wovon wir dann später wussten, dass es Hadid ist, als solches prämiert, was aber nichts daran ändert am Respekt [lautes Auflachen im Publikum] vor den beiden anderen. Weil bitte wie gesagt, es waren wirklich … (bis ins hoch …?) Diskussionen. Die Jurymitgliedern [sic.] waren schlussendlich, einige sind hier, eine Art von intellektueller Familie geworden. Wir haben gemeinsam – es war erstaunlich nämlich, wie man langsam, in immer engeren Kreisen zueinander findet. Am Anfang driften die Meinungen auseinander, dann werden sie immer enger, die Kreise, schlussendlich ist es ein konzentrierter Punkt, wo man … findet. Also in diesem Sinne meine Begrüßung und meinen Dank. [Einsetzender Applaus] Und – im wahrsten Sinne des Wortes … Und, last not least, mein herzliches Danke für Ihr kommen als interessiertes Fachpublikum; ohne Ihr Interesse gäbe es in diesem Sinne in dieser Stimmigkeit keinen Fortschritt, denn es wird immer eine Art von Trägerrakete geben, die das Ganze durchbricht um daraus dann aus zwei plus zwei fünf zu machen … diese Weise, darum danke für Ihr Kommen. Und jetzt würd’ ich sagen, wir sollten uns eigentlich das Projekt erklären lassen von – ach ha, vergessen, Vergebung, Vergebung: Patrik Schumacher, Patrik Schumacher, wo issern? – Also, meine Vergebung: Er ist stellvertretend für äh Zaha Hadid gekommen, er wird uns das Projekt erläutern, er ist mit Verantwortung (sic.) so zusagen des Kindes, der Mehrfachzeugung gewesen, also offensichtlich …, er wird uns das erläutern und ich darf dann gleich übergeben.
Patrik Schumacher [unter Applaus]:
Herzlichen Dank.
[einsetzendes Lachen im Publikum]
Moderator:
´tschuldigung, das war jetzt ein kleines Ablaufproblem, ein Kurzauftritt, der dann anschließend von einem langen Support übertroffen werden wird. Ähm – Herr Doktor Hohenberg, Sie haben von einer Trägerrakete gesprochen; seitens der Stadt Graz gab es mehrere Trägerraketen für dieses Projekt und eine wichtige Trägerrakete dabei war Stadtrat Gerhard Rüsch, den ich hiermit auf die Bühne bitten möchte – herzlich willkommen [neuerlich Applaus]. Es hat also viele, viele Diskussionen gegeben, wir haben’s alle auch vorhin schon erwähnt, wird die Stadt künftig solche Wettbewerbe, so zusagen zur Sicherung der architektonischen Qualität gerade im Innenstadtbereich, auf diese Wiese durchführen, ist das etwas, was Sie auch für die Zukunft so haben wollen?
Gerhard Rüsch:
Ja zunächst ein Wort an Patrik Schumacher: Es ist natürlich immer so im Leben, Schönheit geht ´tschuldigung – Alter geht vor Schönheit. [Lachen] Aus diesem Grunde befinde ich mich jetzt vor Ihnen, zeitlich vor Ihnen hier auf der Bühne. [An Frischenschlager] Ihre Frage war, ob die Stadt Graz derartige Wettbewerbe forcieren möchte in Hinkunft. Ich hätte ein paar grundlegende Sätze dazu: Wir haben in Graz äh seit einiger Zeit eine intensiver werdende Diskussion über Qualitätssicherung im Städtebau, Qualitätssicherung in der Architektur, sicherlich nicht zuletzt dadurch ausgelöst, dass der Nachfolger von unserem langjährigen Leiter des Stadtplanungsamtes, Heinz Rossmann, wahrscheinlich, so jedenfalls der Vorschlag an den Gemeinderat, ein Raumplaner sein wird: Michael Redik. Das hat die Diskussion sehr stark intensiviert und ich möchte ´mal von meiner Seite sagen, dass ich mir sehr, sehr wohl bewusst bin, in welcher Tradition die Stadt Graz, die Architektur in Graz steht und dass es das oberste Anliegen sein wird, auch von meiner Seite, diese Gestaltungsqualität so gut als möglich zu sichern. Wie das gemacht werden soll, da warte ich noch auf sehr, sehr viele Vorschläge auch von Ihnen, von den Architektinnen und Architekten. Ich denke mir, dass die ersten Überlegungen noch nichts [sic.] wirklich der Endpunkt dieser äh, äh Gedanken sein kann. Ich selbst bin sicherlich ein großer Verfechter von Wettbewerben, ich hab’ das gelernt von meinem Vorgänger, Helmut Strobl ist hier, der das eingeführt hat im Hochbau und ich weiß inzwischen aus persönlicher Erfahrung von vielen, vielen Projekten, dass letztlich der Wettbewerb ein ganz entscheidendes äh Merkmal und auch ein entscheidendes Instrument zur Steigerung der Qualität ist. Ich weiß, dass es in sehr vielen Städten Gestaltungsbeiräte gibt. Ich bin mir selbst aber beileibe [sic.] noch nicht sicher, ob nicht durch die Vielfalt an Meinungen, durch die Vielfalt auch an ästhetischen Vorschlägen, die es mit Wettbewerben viel leichter zu sichern möglich ist, ob das nicht jedenfalls ein sehr, sehr geeignetes und auch sehr, sehr kompetitives Instrument ist im Vergleich zu einem Beirat. Ich will damit durchaus einen kleinen Beitrag zu einer Diskussion leisten, die begonnen hat und die wir sicherlich weiterführen werden. – Zum heutigen äh Abend zunächst äh ein, ein Grußwort vom [sic.] äh Bürgermeister Magister Siegfried Nagl. Er hat mich gebeten, ihn hier zu vertreten weil er verhindert ist, das mach’ ich sehr gerne und geb’ die Grüße sehr, sehr gerne weiter. Jeder Verlust ist schmerzlich, das gilt auch für die Altstadt und wir haben erinnerungs … äh, Sie haben Erinnerung werden [sic.] an eine sehr intensive Diskussion über das Kommodhaus, es ist ein Haus ah, das die Gründerzei [sic.], aus der Biedermeierzeit, das die Gründerzeit hier ohne Überbauung überstanden hat wenn man so will, also davon nicht betroffen war, das auch im Zweiten Weltkrieg äh da nicht allzu viel [sic.] Schäden davongetragen hat und das auch von der Nutzung und vom Standort her einen ganz, ganz attraktiven, sogar einen hervorragenden Standort in der Altstadt hat. – Umso mehr freut es mich, dass es gelungen ist, nachdem dieses Haus tatsächlich abgerissen wurde, hier mit einem sehr, sehr hochqualifizierten Wettbewerb eine neue Architekturqualität auch für die Stadt Graz hier an diesem Standort zu bringen. Ich finde das deshalb beachtlich, weil ich, wenn ich auch für die Altstadt, für das Weltkulturerbe verantwortlich bin, ganz exakte Begründung der UNESCO für die Altstadt im Kopf habe [sic.]. Nämlich das Integrative und auch das Nebeneinanderstehen von hervorragenden Architekturmerm, Architekturmerkmalen aus einer sehr, sehr langen Epoche [sic.], über sehr, sehr viele Architekturepochen hinweg, beginnend von der italienischen Renaissance [sic.]. Und ich glaube es sollte unser aller Aufgabe sein, dass wenn wir in zweihundert Jahren vielleicht wieder einmal vor dem mh, mh vor dem Prüfstand auch der UNESCO stehen und wir gefragt werden, was haben wir mit den freien Bauplätzen im beginnenden 21. Jahrhunderts [sic.] gemacht, ich hoffe, dass dann das Urteil aus, so ausfallen wird, wenn nicht, dass damals in jenen Bereichen, die frei werden in seinen Baulücken herausragende Architekturen geschaffen wurde [sic.]. Ich glaube, dass die Altstadt in dieser Hinsicht sehr wohl lebt und äh das ist auch der Grund, weshalb sie ausgezeichnet wurde. Ich möchte an dieser Stelle Herrn Doktor Hohenberg danken, er hat ziemlich gleich nachdem klar war, dass hier etwas Neues geschaffen wird an dieser Stelle, dass das Kommodhaus abgerissen wird, zugesagt, dass er hier einen äh hochkarätigen Wettbewerb äh finanzieren wird, er hat diese nja äh, diese Ankündigung [?] auch gehalten, wir haben von Seiten der Stadt äh das technische Rüstzeug mit beigeliefert – auch der [unverständlich] ist schon erwähnt worden mit seinem Team – und die Stadt Graz hat auch äh den äh, den Vorsitzenden der Kommission, Herrn Massimiliano Fuxas, eingeladen die Kommission zu leiten, wir sind sehr froh, dass das geglückt ist, Herrn Fuxas hier nach Graz zu bekommen, obwohl er im Moment sehr beschäftigt ist, heute Abend ist er leider ebenfalls nicht da, aber äh dass er die Kommission geleitete hat und damit auch äh dem gesamten Verfahren mit seinen Stempel aufgedrückt hat. Das Wettbewerbsergebnis liegt vor, ich äh darf mich auch bei allen bedanken, die mitgemacht haben und selbstverständlich spezielle Gratulation an Zaha Hadid mit ihrem Team für das vorliegende Projekt, ich denke mir, dass es in seiner Darstellung, in seiner Auffälligkeit der Bedeutung des Standortes in jedem Falle gerecht wird und ich würde mir durchaus wünschen, im Sinne einer anregenden Diskussion, dass sehr viel über das Haus diskutiert wird, nichts mehr belebt Architektur als eben auch die Diskussion und ich fr, ich hoffe selbstverständlich, dass es äh gelingen wird, dieses Haus auch umzusetzen. Das ist vielleicht, damit schließt sich für mich der Bogen, wir haben in Graz äh einige Wettbewerbe durchgeführt, im Zusammenhang stei, städtebauliche Wettbewerbe und es ist dann leider nicht gelungen, die prämierten Projekte tatsächlich umzusetzen. Das ist glaube ich ein Ansatzpunkt, an dem wir weiter arbeiten müssen, dass uns das gelingt, äh ich gehe davon aus, dass äh Doktor Hohenberg äh sicherlich Mittel und Wege finden wird, um dieses Haus hier umzusetzen, damit es nicht nur beim Wettbewerbsergebnis bleibt, sondern dann letztlich auch in irgendeiner Zeit, zwei oder drei Jahren vielleicht, hier tatsächlich stehen wird. Ich wünsche Ihnen allen einen schönen Abend und denk’ hier, dass der Herr Patrik Schumacher immer noch ein bisschen äh, äh warten muss, soweit ich über den Ablauf informiert bin, wird der Baudirektor zunächst die technische Seite vom Wettbewerb erläutern und dann aber auch für Sie: Mikrofon frei. [Gelächter, Applaus]
Bertram Werle:
Meine sehr geehrten Damen und Herren ah, ich werde mich sehr kurz fassen damit Sie nicht mehr lange warten …[unverständlich, drüssen Druck nicht, so ähnlich], dass gerade dieser Wettbewerb sehr intensiv im Vorfeld begleitet wurde von städtischer Seite, von den Fachabteilungen und äh ich meine auch, die Vorgeschichte äh sowie auch die Sensibilität des Standortes [sic.] hat sehr für die Abhaltung eines Wettbewerbes gesprochen und das Ergebnis äh wie man’s ja schon äh teilweise an der Wand sieht, zeigt auch äh, dass architektonisch doch eine [unverständlich] Lösung gefunden wurde, die Jury war sich hier sehr klar [sic.], äh diese moderne Interpretation einer [unverst.]-fassade hier als vielleicht exemplarisches Beispiel für diese doch auch, als Antwort für diese Gründerzeitbebauung äh städtebaulich pragmatischer Lückenschluss hier an der Ecke, äh eine Ergänzung, eine kleine Anregung der Jury war denn auch noch im obersten Geschoß etwas entsprechend zurückzutreten, um hier auch auf diese Traufenkante zu reagieren. Äh. Alles in allem ist hier der Wettbewerb sicher äh sehr gut geglückt und auch mit dem Ergebnis können wir aus fachlicher Sicht sehr zufrieden sein und ja äh selbstverständlich ist es natürlich nicht, dass Wettbewerbe abgehalten werden, wir begrüßen diese sehr und bieten auch als Planungsservice jederzeit Unterstützung an, um abgestimmten [?] die Rahmenbedingungen für diesen Wettbewerb eben städtebaulich, verkehrlich, auch von der Wohnraumplanung her zu binden und das ist auch in diesem Falle erfolgt und das Ergebnis, meinen wir, kann sich sehen lassen [Zwischenruf aus dem Publikum: Lauter!] und wird jetzt von Herrn Schumacher, meine ich, gleich präsentiert werden. [Applaus]
Patrik Schumacher:
[Versucht im ersten Satz witzig steirischen Dialekt nachzuahmen:] Das geht in Oartnung. – Zunächst einmal, wir sind sehr stolz hier, [sic. Verschleift die Betonung] in Graz dieses Projekt gewonn’ zu hab’n und ich bedanke mich bei Volker Gienke, dass er uns den Tipp gegeben hat, dass dieser Wettbewerb hier ansteht, ähm sehr generös, und ich glaube, es ist uns was gelungen, ich wird’s in ´n paar Minuten dann im Detail beschreiben, aber ich find, wir sind sehr stolz hier in Graz mit dabei zu sein, wir haben im Kunsthaus ja auch schon ´mal versucht, reinzuschneien in ein’ Wettbewerb und das Ergebnis ist phantastisch. Das mhm Gesicht [?] von Peter Cook und Fournier und auch die Stadthalle von Kada oder Gienkes äh botanischer Garten, das sind einfach Sachen, die Graz in die äh Architektur der Gegenwart hineinstellt. Es macht Spaß hier dabei zu sein und ich find auch sehr mutig, dass hier äh im innerstädtischen Bereich eine moderne Interpretation zuzulassen und wenn ich die Arbeiten anschau’, die ausgestellt sind, muss ich sagen, das Niveau ist sehr hoch, umso mehr sind wir ähm sozusagen froh, dass wir hier äh die Kurve gekriegt haben und dass wir gewinn’. – Ich hoffe dass das Projekt mehr oder weniger für sich selbst spricht und wir haben eigentlich immer den Anspruch, dass das ikonische Landmarkartige, das Figurale, Skulpturale aus der Essenz des Programms und der Situation entwickelt sind [sic.] und dann nach und nach Sinn macht – [beginnt über Projektionen an der wand zu sprechen] hier nur recht kurz das, das Hauptthema zum Einen, ja es ist eine Blockrandschließung, es ist so eine schwebende Figur im Hintergrund, s’ is’ ein’ Textur, hat eine Assoziation von Erker et cetera, aber in der Hauptsache is’ eigentlich, drückt es eigentlich das aus, diese ein bis drei Monate Boarding House, die vielleicht hier ein’ Begierde wecken und Lust einfach wecken, da hinein zu gehen und da wohn’ zu woll’n und das sozusagen kontemporär interpretiert im Sinne eben von Iteration, Variation und nicht Repetition von Wohnräum’. Ähm das macht die Hauptfigur aus und dann im unteren Bereich eben [längere Pause, Bildwechsel, Murmeln und Husten im Publikum] – einfach das hochzunehm’ und hier sehr, sehr stark zu öffnen in die Straße hinein mit dem großzügigen Restaurant und dann auch ein’ Abstieg über diese äh Stütze, die ausgehöhlt ist in ein’ Nightclub runter, also eine Belebung auch bei Nacht und diese zwei Elemente komponieren eigentlich äh dieses Stück Stadt für uns. [längere Pause] Dieses Bild zeigt hier noch mal diese Dreidimensionalität, die wir versucht haben zu erreichen, eben indem wir die Variation der Zelle darauf [sic.] zu benutzen, um äh einen voluminösen Körper zu modellieren im Sinne von äh dieser Inszenierung einer, einer dreidimensionalen Oberfläche. Und eben dieses Heraustretenlassen der einzelnen, des einzelnen äh Zimmers oder Raumes, den ich dann hier die Begierde wecke [sic.] um dort hinein zu gehen und natürlich auch das weckt, was man später sieht, dass es vielleicht innen drin auch noch etwas anders aussehen könnte. [Pause] Hier noch mal in der Zusammenschau also die Situation des Restaurants im Erdgeschoss, derartig voll verglast, und dann darüber gelegt die, diese Zellenschtruktur, die zum Teil auch noch variiert wird, wo zum Teil Zellen zusammengeschlossen sind zu größeren Einheiten. [Pause] Jetzt ganz kurz mal auf den Plan geschaut: Äh das Restaurant, die Vollverglasung, die zwei Treppen als Verglasung wie so zusagen Schnitte eingesetzt, die das Gebäude etwas absetzen als Körper, als Volumen, dann hier [unverst.] der Eingang in das Boarding House mit Rezeption, Elevaters und so weiter, und hier die Vollfront mit Restaurant mit einem Mezzanin [Betonung auf der ersten Silbe, die zwei z werden fasst wie s in Messer ausgesprochen] eingelegt, also groß, großräumig, hoch angelegt äh und hier sieht man dann, das tritt auch nach außen sehr deutlich, dieser hohe Raum mit dem Mezzanin [s. o.] äh folgt hin zur Straße [unverst.]. Hier sieht man auch wieder, hier werden die, diese Treppenhäuser so zusagen wie Schnitte, die das Gebäude noch mal leicht absetzen. Aber ansonsten haben wir schon up [ein Missgeschick? Längere Pause, lautes Gemurmel im Publikum]. Hier noch mal dann die Öffnung äh zur Straße, das Absetzen durch die Treppen und die Vairiierung der Zellen, manchmal quer gelegt, zwei zusammenbinden [sic.], manchmal auch, und man hat den Plan geseheh’n, dass drei dieser Räume umeckt [sic.] werden zu einer Einheit verbunden. Das ist [sic.] also zum Teil sehr kleine Zimmer oder eben, für drei Monate, Suiten, die entstehen und die wir hoffen eben, die die Lust weckt, hier einzusteigen, hier leben zu wollen, hier, direkt in der Innenstadt ähm zu wohn’. Darunter noch mal ein Blick [unverst., vielleicht: unter’s Restaurant], ein tiefgelegter Nightclub und hier gibt es eigentlich die Idee, über diese Stütze im Außentrakt, dass die als Hohlkörper hinunter führt. Eventuell noch ein Fitnesscenter [-center als zenter gesprochen] darunter gelegen – so hier [unverst.] Schnitt, dass da auch eine Unterwelt existiert, die aber mit einem, mit einer Öffnung auch sich verdrückt in den Straßenraum und eben für die Nachbelebung [sic.] wichtig ist. Die Höhe des Ganzen ist so zusagen bezogen auf die Umbauung mit den dreinzwanzichmeterneunzich. Man sieht ja auch auf’m Modell, glaub ich, dass es so zusagen gut d’rin sitzen wird in der Schtruktur, auch in der [???] und [Apellation ???] der Fassaden et cetera ähm mal, mal noch stimmig ist und wie gesagt, ich finde es ähm sehr mutig und auch richtig, dass man hier äh dieses Ensemble der Innenstadt auf, erlaubt aufzu, äh abzudecken und mit, mit neuen Dingen zu, aufzumachen im Grunde. Ich hab’ das, man kann das auch vergleichen vielleicht mit, mit alten, verstaubten Museumskisten, die eigentlich immer Intervention’ wie’n Louvre oder Britisch Museum [deutsch ausgespr.] brauchen um fort zu existieren äh, äh überzeugende Art und Weise [sic.]. Das glaub’ ich gilt vielleicht, gilt auch für Altstädte im Grunde. Beim Schnitt sieht man eigentlich von der Schtruktur her ein’ sehr einfache [sic.] Betong-Scheibenbau, in dem eigentlich diese Erkerelemente nur eingeschoben werden und eben, unabhängig das Sonderelement hier, in dem auch so zusagen kontemporäre Tech, Bautechniken zum Einsatz gebracht werden, um diese Variation eben äh ausgestalten zu können oder an sich eben einfach in einem sehr Standardgerüst [sic.] hineingeschoben werden sollen. [Pause] Jetzt zu den Raumsituation’ selber: Hier ham’ Sie im Hintergrund die Erschließung selba und dann eine Serie von, von ähm Zimmern, hotelraumartig, aber auch solche Suiten wie hier, die eigentlich sehr schön sind, wo man hier eine Küchensituation hat, Esssituation hat, eine Schlafsituation, eine Schtudiosituation, jeweils artikuliert mit einem dieser Erker. Wenn jemand nun hinaustritt [sehr undeutlich] auch in die Stadt direkt, manchmal auch mit nach unten oder nach oben gekippter Fassade. Hier sieht man, wie dann auch zusammengebunden sind und dieses Spiel bildet sich eben in der Fassade ab – zu Suiten. [Pause] Oder auch hier wieder eine andere Situation – zur großzügigen Einheit zusammengebunden. Im oberen Bereich dann kommt noch hinzu, dass Oberlichter gesetzt sind, um den hinteren Bereich dieser größeren Suiten auszuleuchten. Wie gesagt, wir haben an dem Umleben auch gearbeitet, ich zeig’ gleich mal auch ´n paar Bilder dazu, man imaginiert also ganz gerne glaub ich, wenn man diese Situation von außen sieht, eine etwas anderswärtige [sic.] Innen, Innenleben und ich hoffe, dass wir da auch Chancen haben äh zumindest anzubieten, wenn wir da imaginieren können. Hier sieht man’s noch mal oben, noch mal Oberlichte für besondere Qualität der obersten Geschoßzon’. [Pause] Und hier eben das Thema wie außer diesen so’n Schtandardbetong äh Situation äh diesen hier so’n Domino so zusagen diese Sonderelemente, wir haben insgesamt sechsunddreißich äh Zellen hier oder, oder Kapseln, wenn man so will, und eine, variieren das oder interpretieren das in sieben Typen! [Pause] Hier auch jeweils der Innenraum mit eingreifend, so ´ne Art äh, ähm hochgelegte Balkonsituation fast oder eben Erkersituation artikulieren [sic.]. [Pause] Das is’n Bild von innen heraus, das is´ noch sehr unfertig und deshalb hab ich hier einfach noch mal in Erinnerung zu bringen versucht äh, wir ham hier elegante [genannte ?] Utopien zum Beispiel äh, diese ausgerollte Wohnungssituation artikuliert, wo die Dinge ineinander fließen anstatt zu segmentieren, das ist vor allem wichtig bei eim sehr kompakten Raumgefüge, das so zusagen sich als Wohnung darstellt möchte, aber trotzdem fast wieder wie eine Einraum funktioniert, ein also so zusagen [sszusgn!] durchartikulierter Einraum der verschied’n’ Funktion’ nischenartig anbietet; das war [unverständlich] Latente Utopien, das haben wir im Museum für Angewandte Kunst in Wien aus-gearbeitet mit verschied’n’ Möbeln, wo Dinge in Bereichen ineinander fließen und wo ähnliche Herstellungstechnologien, wie Computerfräsen et cetera zu einer Formenwelt führ’n, die äh, mit der wir glauben, dass wir diese strukturenartige Situation anreichern könn’. – Wir haben dann in Peking das House of the Future als Ausstellung durchformuliert mit Badezimmersituation’, Schlafzimmersituation’ und haben im Moment ein Hotel in Madrid, wo wir auch mit dreidimensional gefrästen [irdischen? Unverständlich] Oberflächen in thermo[gekochten? Weiter unverständlich] Räume darstellen, Möbel darstellen et cetera. [Pause] Das ist nur ein kleiner Ausblick, das deduziert gar nichts, das kann auch völlig anders dann aussehen oder in jedem [sic.] dieser Zellen anders; ich wollte da nur zeigen, dass ich vermute, dass die, dass der Ausdruck der Außenfassade auch so etwas s’sz’sagen auf so etwas Lust macht und vielleicht so etwas erwarten lässt [leiser] und damit äh in Kongruenz von innen und außen auch dafür steht. Besonders wichtig auch an der Außengestaltung auch der, des Restaurants und des Nightclubs [für steht oder unverständlich]. [Pause] Ja, ich glaub’ das war’s schon, danke. [Magerer Applaus]
Moderator [an Hohenberg]:
Eine kleine Frage, so zusagen an Sie auch persönlich: Wie gefällt’s Ihnen denn?
Hohenberg:
Also ich muss sagen, es is a Herausforderung. [Lachen im Publikum] Ich bin – in der Jury gesessen und im Kreis gelaufen. Und äh `s immer enger geworden, der Kreis nö uuund zum Schluss so zu sågen [ so zusång] war die Fokusierung auf das Projekt gegeben. Und je mehr ich damit beschäftigt war, desto mehr war es ein Anreiz, hier was komplett Neues zu machen. Also ein’ Art von, eher eine Vison nt [nicht], eine städtebauliche, die aus einer anderen Sicht äh wås Ungewöhnliches ist. Ich darf vielleicht das kurz so formulieren [sic.] versuchen: Das, dieses Haus hat ja eine Diskussion ausgelöst, die unterschwellig seit Jahren geführt worden ist, mehr oder minder Fairness [sic.?] [unverständlich] Offenheit aber auch durchaus [in? Unverst.] Daher ist die Frage [nur Frage deutlich], ist es ein Spannungsverhältnis Stadterneuerung zu Altstadterhaltung. Ist es ein Spannungsverhältnis? Und es ist uns was aufgefallen [kursiv undeutlich] und ich hab’s mir herausgeschrieben, wollte es mitbringen: Das Stadterneuerungsgesetz ist in Kråft getreten am neunundzwanzigsten Mai 1974. Das Altstadterhaltungsgesetz wurde erlassen am elften Juni 1974 – Wochen – nebeneinander. Man sieht, es war damals schon, sowohl das eine, als auch das andere ein reserviert’s Anliegen, n’. Wir [verschluckt und vernudelt] beiden Anliegen gleichermaßen respektvoll umgehen. Das wichtigste dabei ist s’zsåg’n dass die Antworten Priorität haben. Da schließt sich der Kreis bevor die Politik d’raufgekommen ist.
Moderator:
Ähm noch eine Frage: Kann sich so was eigentlich auch rechnen oder ist eine Vision immer auch etwas wo man auch so zusagen ein bisschen nicht ganz so klar rechnet?
Hohenberg:
Die Frage ist, was … [undeutlich] [Lachen im Publikum].
Moderator:
Ja.
Hohenberg:
Äh, es kann sich nur dann rechnen, wenn es wirklich gelingt, alles auf eine Reihe zu bringen! Den Konf, die künftige Nutzung, die technische Konzeption, die Umsetzung und vor allem die Disziplin aller Beteiligten, an einem Strang zu ziehen. Dann muss es gehen, sonst wär’s ja un, eine Totgeburt. [Ein Teisatz unverständlich], die wollen wir nicht.
Moderator:
Danke vielmals. – Meine Damen und Herren, … [wird unterbrochen]
Hohenberg:
Darf ich noch etwas zum Stadtrat Rüsch – ein Anliegen? Ein Anliegen? [böses Lachen aus dem Publikum]. Aus der Rechtfertigung für die Eintragung von Graz [ein Wort verschluckt] Weltkulturerbe. Und i bitt’, wir wollen des irgendwo ernst nehmen. Då heißt’s: Jede Epoche ist mit charakteristischen Gruppen von Baudenkmälern vertreten, die einander ergänzend, sich zu einem geschlossenen Gesamtbild einer unversehrt erhaltenen Altstadt zusammenfügen. Eine einzigårtige Mischung mediterran’ und nördlicher Elemente aus dem weit gespånnten Zusammenhang der österreichisch ungarischen Monarchie, die Verwendung von Kultureinflüssen unter anderem [?] Donauraum und Balkan prägt bis heute die Atmosphäre dieser Stådt. Die Stådt hört nicht auf! Sie ist keine perpet, Momentaufnahme! Die Stadt ist sicherlich nicht, also wenn, dann auch ein Museum! Die – Stadt – muss – leben! Und auch das wird weiter [unverst.] dafür, dass das so was passiert. Oder? [folgender Satz völlig unverst.] [Lachen im Publikum] Ich danke recht herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und [geht im Applaus unter].
Länge der Aufnahme: 32 Minuten 26 Sekunden
Transkription: Wenzel Mraček
(1) Iteration ist auch die zwanghafte Wiederholung
Wenzel Mraček, geb. 1962 in Klagenfurt, Kunsthistoriker, Kulturredakteur, Autor, Seefahrer, lebt in Graz.
Literatur: W.M., Simulierte Körper. Vom künstlichen zum virtuellen Menschen. Wien, Köln, Weimar 2004 (Böhlau, www.boehlau.at).
KONTAKT: wenzel.mracek@mur.at
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek



