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kapital: lesson 2 – "il conto bomba"

19/10/2008

kapital

lesson 2 – "il conto bomba"

© 2008 by Albert Pall

Frühpension also. Mindestens. Mindestpension halt. Und weil sich das nicht ausgeht, Ausgleichszulage. Weil von keinem Einkommen kein Auskommen sein kann. Da kann keiner davon leben. Deswegen wird das ausgeglichen. Von der Pensionsversicherung. Vom Staat. Also wir. Obwohl ich ja noch was tun kann. Könnte. Aber arbeiten nicht.

Arbeiten könnte ich natürlich schon was. Aber das ziehen sie von der Pension ab. Wenn sie es wissen. Wenn sie es nicht wissen, heißt arbeiten tun. Also sag ich nichts und tu was. Dann wissen sie es nicht und ziehen nichts ab. Dafür krieg ich weniger Geld für das Tun und habe Angst vor dem Finanzamt. Und der Versicherung.

Weil ich jetzt weniger kriege, muss ich mehr tun. Damit es sich ausgeht. Weil die Preise nicht ausgeglichen sind. Dafür bin ich billiger. Wenn ich arbeiten täte, wär ich sowieso zu teuer. Trotz der Erfahrung. Aber billiger nehmen sie mich schon. Wenn ich billiger bin. Wenn ich was tu. Mit der Erfahrung.

So spart sich dann der eine was, und der andere hat was. Da bleibt was in den Händen. Für den einen. Für mich auch. Nur der Staat schaut durch die Finger. Sagen sie. Und dass das nicht gerecht ist. Weil der Staat wir sind. Aber ich weiß, dass das nicht stimmt. Das stimmt nur in der Rezession. Wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Dann ist der Staat wir.

Wenn es der Wirtschaft nämlich gut geht, geht es der Wirtschaft gut. Dann ist Gewinn. Gewinn wird privatisiert. Weil es Geld ist. Und weil es Privatwirtschaft ist. Wenn dann kein Geld mehr ist, weil es privat ist, geht es der Wirtschaft wieder schlecht.

Geht es der Wirtschaft schlecht, geht es uns schlecht. Das ist so. Eigentlich ist ein Verlust, wenn es der Wirtschaft schlecht geht. Aber die Wirtschaft kann den Verlust nicht zahlen, weil sie kein Geld hat, weil es privat ist. Wenn Verlust ist, ist sowieso kein Geld. Da braucht die Wirtschaft gar nicht rechnen. Also zahlen die Privaten den Verlust. Der Verlust wird sozialisiert, sagt man. Und so hat jeder was.

Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht sie zur Bank und nimmt Kredit, weil sie ja kein Geld hat. Dann macht sie was. Sie unternimmt was, das sagt man auch. Die Bank hat aber kein Geld, weil sie auch Wirtschaft ist. Die Bank ist sowieso was eigenes. Da muss das Geld arbeiten, obwohl sie keines haben. Sie gibt der Wirtschaft aber trotzdem Geld, weil die Privaten eins hingetragen haben. Damit das Geld arbeitet. Jetzt macht die Wirtschaft was. Zum Beispiel einen Kasten.

Wenn ich jetzt einen Kasten brauche, geh ich zur Bank und nehm Kredit. Weil ich keinen Gewinn habe. Und privat auch kein Geld. Dann gehe ich zur Wirtschaft und kauf den Kasten. Und zahl der Wirtschaft den Kredit und den Gewinn. Dann geht’s der Wirtschaft gut. Und ich habe einen Kasten.

Wenn ich dann privat wieder ein Geld hab, zahl ich der Bank den Kredit und den Gewinn. Dann geht’s der Bank gut. Weil die Bank auch Wirtschaft ist, geht’s jetzt der ganzen Wirtschaft gut. Und wenn es der Wirtschaft gut geht, geht’s der Wirtschaft gut. Dann ist Gewinn. Und der Gewinn wird privatisiert, weil es Geld ist.

Geht es der Wirtschaft schlecht, geht sie auch zur Bank und nimmt Kredit. Und ich zahl den Verlust und den Kredit und den Gewinn. Ohne Kasten. Und so geht das bis in die Puppen, egal, ob gut oder schlecht.

Für mich ist es aber blöd. Geht’s der Wirtschaft gut, hab ich einen Kasten. Geht’s der Wirtschaft schlecht, hab ich keinen Kasten. Mein Geld ist aber trotzdem weg. Und ich hab Verlust, weil ich den Kredit und den Gewinn von der Wirtschaft hab zahlen müssen. Und den Kredit und den Gewinn von der Bank. Schulden hab ich. Das ist, weil ich keine Wirtschaft bin. Keine Wirtschaft, kein Gewinn. Kein Gewinn, kein Geld. Nichts privat. Und sozialisieren hab ich auch nichts können.

Wenn der Gewinn jetzt kein Geld ist, ist es viel besser. So wie beim Presshaus. Zum Beispiel.

ALBERT PALL, geboren 1959 in Zell am See, lebt und arbeitet in Graz.

KONTAKT: lekes@mur.at

Verfasser/in:
Albert Pall

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