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„Sally“ into – Adele out the house! Ein (genialer) Spin? Eine sonnTAGsgeschichte von Heinz Peter Wassermann

25/03/2006

„Sally“ into – Adele out the house! Ein (genialer) Spin?

Von Heinz Peter Wassermann

Sitze ich doch neulich in meinem zweiten Wohnzimmer und räsoniere so im ersten Stock in Richtung ebene Erd´. Wenn man Verschwörungstheorien zuneigt oder die Beschäftigung mit polischer Kommunikation eine persönliche Obsession ist, dann steht derzeit eine Frage an: Die „Rückkehr“ der Saliera – ein (genialer) Spin oder spinn´i?

Zur Rekapitulation: Vor kurzem fällte ein Schiedsgericht den Spruch, fünf Klimt-Gemälde aus den Beständen der Österreichischen Galerie im Oberen Belvedere sind an Maria Altmann zurück zu geben.

Um das auf den Punkt zu bringen: Was einst die (zumeist österreichischen) Nazis raubten, riss sich die Zweite Republik alles in allem unverfroren unter den Nagel, legalisierte durch Quasi-Erpressung eine zweite Beraubung. Die Infamie aus geerbter Beraubung und fortgesetzter Erpressung geht mittlerweile weiter: Jetzt versucht man die Rückgabe als Akt der Großzügigkeit zu „spinnen“, was beim österreichischen Durchschnittsantisemiten vermuten lässt: Ja, ja, die Juden richten´s sich wieder einmal. Das wiederum passt haargenau zum durchschnittsösterreichischen Geschichtsbild, nämlich im 20. Jahrhundert mehr Opfer- als Österreich gewesen zu sein. Zuerst von den Feinden als „Rest“ hilflos übrig gelassen, dann von den Nazis gefressen, später zehn Jahre lang besetzt (befreit sagen eh nur die politisch Korrekten) und jetzt nehmen uns diese Juden ihr Eigentum weg – irgendwie ändern sich die Zeiten ja doch nicht.

Nach dem Schiedsspruch ist einmal mehr Feuer am Dach. Die Restitution der Bilder: ein (angebliches) Debakel für die (noch angeblichere) Kulturnation Österreich. Komitees werden gebildet, die Politik gerät unter Druck, die üblichen Verdächtigen gehen entweder auf (notorische) Tauchstation oder gefallen sich mit ihren veröffentlichten Narreteien wie Sponsoring, Steuererleichterungen und hundertjährige (Gott lob nicht tausendjährige) Kredite, um nur die besten zu nennen.

Schnitt

Die Headlines einige Tage später: Saliera-Übergabe gescheitert. Am Sonntag: Sie ist wieder da. Liest man flüchtig über die Artikel, man würde glauben, es handle sich um aktuell(st)e Ereignisse. Doch welch Wunder! Die geplante Übergabe datiert vom November letzten Jahres. Dann gibt es – zufällig? – irgendwo eine undichte Stelle, die einer Zeitschrift das Nichtereignis vom November, die Nicht-Rückgabe, zuspielt, denn die würde das doch nie und nimmer veröffentlichen.

Stefan Winkler hat in der „Kleinen Zeitung“ vom 24. Jänner mit dem Begriff peinliche Inszenierung alles gesagt was zu „Sallys“ Rückkehr zu sagen ist. Die Frau Bundesminister ist fein raus und der Herr Generaldirektor darf sich öffentlich freuen (und muss nicht mehr weinen), einige lästige Medien werden noch eine Zeit lang gegen das „Schwamm drüber“ anschreiben, ansonsten bleiben politische und persönliche Verantwortlichkeiten außen vor. Der Herr über das KHM wird weiterhin den schönsten Tag seines Lebens wortreich der Öffentlichkeit mitteilen und die Frau Ministerin wird uns erklären, dass eh alles weltklassemäßig laufe wie wir das ja von den Universitäten, den Schulen wissen (soll(t)en).

Und: Die Klimt-Bilder verschwinden vorerst einmal von der Agenda. Als nächsten Schmäh – diese Chuzpe muss man sich ja wirklich auf der Zunge zergehen lassen – schwadronieren die einschlägig damit befassten Verzögerer und Verhinderer über einen „Museumspreis“, über den man verhandeln könne.

Bleibt gerade deshalb die Frage: ein genialer Spin oder spinn´ i?

KURZBIOGRAFIE:

Mag. Dr. Heinz P. Wassermann, geb. 1964, Studium an der Karl-Franzens-Universität Graz. Historiker mit den Forschungsschwerpunkten Zeitgeschichte, historische Kommunikationsforschung und Politische Kommunikation.

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