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"Bank-Maezenas". Die RAIBA und RAIKA als Maezenas-Preisträger 2006. Eine Glosse von Willi Hengstler

29/01/2006

"Bank-Maezenas"

Die RAIBA und RAIKA als Maezenas-Preisträger 2006

Eine Glosse von Willi Hengstler

Der Ritter Maecenas aus Arretium hat bekanntlich Vorbildwirkung bis in unsere Gegenwart. Nach diesem Freund Kaiser Augustus wird heutzutage in Österreich ein Preis für Unternehmen benannt, die Begeisterungsfähigkeit für außergewöhnliche Projekte gezeigt und sich damit um Kultur verdient gemacht haben. Seit sich zeigt, dass die unsichtbare Hand des Marktes vielleicht doch nicht unbedingt den größten Nutzen für die größte Anzahl von gelegentlich unfreiwilligen Mitspielern garantiert, scheint die Begeisterung über diesen schönen Preis ein klein wenig abgenommen zu haben.

Aber ich würde es außerordentlich bedauern, wenn dieser Preis seinen Glanz völlig verlöre, ehe er ex aequo meinen Favoriten verliehen wird: Den Steiermärkischen Sparkassen und der RAIBA, vormals Raiffeisenkasse.

Bisher wurde der Preis beispielsweise für schwimmende Geräteträger im Rahmen einer Theaterproduktion auf der Donau verliehen. Oder für Klangevents der Firma List. Die titanischen Leistungen der beiden volkstümlichen Geldinstitute sind dagegen mehr, als Schall und Rauch. Sie zielen auf Dauer, gerade im architektonischen Bereich. Man nenne mir einen Steirer, der nicht wenigstens einmal in seinem Leben der ästhetischen Wirkung einer ihrer Geldfilialen ausgesetzt war! Dabei geht die geschmacksbildende Basisarbeit auf höchstem Niveau mit ungewöhnlicher gestalterischer Zurückhaltung Hand in Hand. Man stelle sich vor, Steiermärkische Sparkasse oder RAIBA hätten ihre kulturpolitischen Möglichkeiten anders wahrgenommen, ihre architektonische Macht ausgelebt und etwa einen dieser hervorragenden Architekten damit beauftragt, ihren Niederlassungen einen einheitlichen, architektonischen Gestus zu verpassen. Oder sie hätten, an Stelle der praktizierten, ästhetischen Behutsamkeit, durch Ausschreibungen von Wettbewerben ephemeren, architektonischen Moden womöglich Raum auf dem flachen Land gegeben! Wo sich jetzt avancierte Gestaltungselemente mit traditioneller Bausubstanz in schöner Geschmacklichkeit verbinden, hätten dann futuristisch-vergängliche Protzbauten das sanfte Grün unseres Landes verunstaltet. Selbst die wenigen Kassen-Neubauten nehmen die eintretenden Kreditwerber stets ein Stück mit sich, ohne sie dabei jemals zu verlassen. Bis der als volkswirtschaftlicher Faktor immer wichtiger werdende Kulturtourismus die unvergängliche Harmonie steirischer Bankniederlassungen für sich entdeckt ist nur eine Frage der Zeit. Nicht mehr lange und die gewaltigen Tourismusströme wahrer Architekturliebhaber werden, statt die berühmten Villen Palladios aufzusuchen, in die Sparkassenfiliale nach Trieben strömen oder statt Gehrys Museum in Bilbao wird die RAIBA-Niederlassung von Söchau in hellen Scharen gestürmt.. Mag sein, dass der Parteienverkehr durch den Touristenandrang ein wenig behindert wird, aber das muss in Kauf genommen werden für den architektonisch-touristischen Standortvorteil unserer Heimat. Bald sind nicht mehr die Pyramiden die klassische Winterdestination, sondern die unvergänglichen Sparkassen der Weststeiermark; bald werden die RAIBA-Filialen im Murtal das Versaille Ludwig des XIV. oder das Angkor Watt der gemütlichen Khmer aus dem globalen, architektonischen Bewusstsein verdrängt haben. Und das obwohl - oder gerade weil! - die beiden Geldinstitute darauf verzichtet haben als omnipräsente Bauherren ihre Macht zu missbrauchen. Auch im ästhetischen Sinn der gleichen Sparsamkeit verpflichtet, die sie ihren Anlegern erweisen, realisieren sie fort und fort eine gewaltige, zukunftsträchtige Bescheidenheit: Wo sonst auf der Welt finden das sanfte Gesetz Stifters mit der Jahrhunderte überspannenden gestalterischen Geste eines für ausgestorben gehaltenen Gigantengeschlechtes zu derartiger Harmonie? Nur bei uns, vor Ort, ist das Bewusstsein für diese einmalige Qualität möglicherweise noch unterentwickelt. Um dem abzuhelfen werden RAIBA und RAIKA als Maezenas-Preisträger 2006 vorgeschlagen. Mit wie viel lässt sich weniger erzielen?WILHELM HENGSTLER ist Filmregisseur und Autor, ausgezeichnet mit dem Manuskripte-Preis 2004. Er lebt in Judendorf/Strassengel bei Graz.

Verfasser/in:
Willi Hengstler

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