Water for Life - Eine Annäherung durch Sport, Wissenschaft und Kunst - Weltwassertag 2005
Anlässlich des 1. Wasser- und Kanal-Laufs am Weltwassertag 22.03.2005, der die LäuferInnen entlang der Mur im Stadtgebiet von Graz zu zahlreichen „Wassersehenswürdigkeiten“ und in die Kanalisation der Stadt führte.
"WASSERLAUF" 2. Teil
mit der "WASSERMUSIK" von T.C. Boyle
25. Hotel Mariahilf: Rechts des Einganges befindet sich eine Hochwassermarke aus dem Jahr 1827. Diese „Außerordentliche Überschwemmung“ setzte weite Teile der Murvorstadt bis zu einem Meter unter Wasser. Auch östlich der Mur kam es zu Überflutungen in der Stadt, die Hauptbrücke und die „Untere Murbrücke“ (Radetzkybrücke) wurden zerstört.
26. Kotmur/Werdbach: Als „Chotmur“ wurde Mitte des 14. Jhdts. ein Seitenarm der Mur bezeichnet, der im Bereich der heutigen Volksschule der Schulschwestern abzweigte und durch Bad- und Raubergasse floss. Wie der Name andeutet, wurde er unter anderem zur Entsorgung der Abwässer vor allem des ansässigen lederverarbeitenden Gewerbes genutzt. Im Bereich der Badgasse befand sich im Mittelalter an der Kotmur ein Bad. Sie mündete in den sogenannten Werdbach, einen weiteren Seitenarm der Mur im Bereich der heutigen Neutorgasse.
27. Hauptbrücke: Wahrscheinlich bereits um 1200 an Stelle einer Furt errichtet und 1361 erstmals erwähnt, war sie über 400 Jahre lang die einzige Brücke im Stadtgebiet. Nach zahlreichen Um- bzw. Neubauten wurde sie 1843 als Franz-Karl-Kettenbrücke neu errichtet. Es folgte 1892 eine Neukonstruktion aus Eisen. 1918 in Hauptbrücke umbenannt; wurde auch diese 1964 abgetragen und durch die heutige Brücke ersetzt. Teile der alten Brücke sind heute noch als Ufersicherung zu sehen.
[------Hinter ihm, bis zu den Knien im Wasser, standen die Frau und die zwergenhaften Kinder des kleinen Mannes, alle mit bekümmerter Miene. „Komm lieber raus“, sagte der Mann. „Hier kannst du ohnehin nichts ausrichten – höchstens lockst du noch ein Krokodil an.“ (S225)------]
28. „Kajak-Walze“ bei der Hauptbrücke: 2003 wurde erstmals eine Kajak-Rodeo-WM im Zentrum einer Stadt abgehalten. Die Schwelle wurde im Zuge einer Mur-Sanierung künstlich eingebaut.
29. Murpromenade: Um den Murfluss als Lebens- und Erlebnisraum für die Bevölkerung zugänglich zu machen, wurde im Zuge der Murufersanierung in den Jahren 2001/2002 die Errichtung des Uferweges sowie die Strukturierung des Flussbettes auf einer Länge von ca. 500 m realisiert.
[------Als die Strömung das lange Boot erfasst und herumwirft, hüpft Red Nise behände an Bord, nur Mango wartet noch, übertreibt ein wenig, das Wasser steht ihm schon bis zur Brust, und er schiebt unnützerweise immer noch an. (S503)------]
30. Murschifffahrt: Schiffsverkehr wurde auf der Mur erstmals 1380 urkundlich erwähnt. Auf Flößen und Plätten wurden bis ins 20. Jhdt. Hinein unterschiedlichste Waren sowohl flussauf- als auch flussabwärts transportiert, wobei Graz aber nie zu einem Hauptort des Wassertransportes wurde. 1887 wurde der Versuch gestartet, eine Personenschifffahrt in Graz einzurichten. Zwei Dampfschiffe für 40 Personen wurden angeschafft. Das Unternehmen fand ein unrühmliches Ende und kostete sechs Menschenleben, da ein Schiff an der Radetzkybrücke zerschellte.
31. Tegetthoffbrücke: 1843 erstmals als hölzerne Albrechtsbrücke errichtet, wurde sie 1883 durch eine Eisenkonstruktion ersetzt. 1975 erfolgte der Neubau der Brücke, die nach dem aus Marburg stammenden K&K. Marine-Admiral Wilhelm Freiherr von Tegetthoff benannt ist.
[------Mungo spannt sich mit aller Kraft gegen den Fisch, sein ganzes Ich ist auf dieses Wesen an seinen verlängerten Fingerspitzen konzentriert, das über die Steine im Flussbett flitzt und sich in die tiefsten Tiefen des Grundes flüchtet. Jeden Kiesel erlebt er mit, er kann die ganze Geschichte des Flusses nachfühlen, die feuerspeienden Säulen, die aus der Erde barsten, die flache, scheuernde Hand der Gletscher, das unablässige Anprallen der Wassermassen, ein Strom ohne Ende, der sich ins Meer ergießt und zu den Wolken emporsteigt. (S359)------]
32. Ehemaliger Fischmarkt: Ursprünglich am Hauptplatz abgehalten, wurde der Grazer Fischmarkt mehrere Male verlegt. Der letzte Markt entstand 1870 im Bereich des heutigen Andreas-Hofer Platzes und wurde 1934 noch einmal vergrößert.
33. Altes Bootshaus/Marburger Kai: Die ehemalige Murwärterhütte aus dem Jahr 1889 dient heute als Bootshaus des Grazer Kajak Clubs „Wikinger“. Der 1858 angelegte Kai, ursprünglich nach dem Stadthalter Graf Strassoldo benannt, wird seit 1926 als Marburger-Kai bezeichnet.
34. Grieskai: Hier befand sich der wichtigste Anlegeplatz für Flöße und Plätten in Graz mit Floßmeisterei und Wassermautstelle. Waren verschiedenster Art wurden hier angelandet.
35. Radetzkybrücke: Im Bereich einer alten Überfuhr wurden hier 1728 vorerst eine Schiffsbrücke, 1786/87 schließlich ein hölzerner Flussübergang geschaffen. Nach der Zerstörung durch das Hochwasser erfolgten 1827 ein Neubau der „Unteren Murbrücke“, 1850 die Umbenennung in Radetzkybrücke nach dem Feldmarschall Johann Josef Wenzel Graf Radetzky. 1897/98 wurde sie durch eine Eisenbrücke ersetzt, die unter Verwendung vieler alter Bauteile 1995 erneuert wurde.
36. Holzlendplatz: Im Bereich der Radetzkybrücke bestand einer der drei Anlandebereiche in Graz. Er diente der Holzlandung und Floßzerlegung. Die Straßenbezeichnung Zimmerplatzgasse deutet heute noch auf diese Nutzung hin.
37. Gries: Der Name des 5. Grazer Bezirkes lässt Rückschlüsse auf die enge Verwobenheit der Stadt mit dem Fluß zu, denn er bedeutet feiner Flussschotter, vermischt mit feinstem Sand. Das erst im Spätmittelalter besiedelte Augebiet war Teil der alten, rechts des Fluss gelegenen Murvorstadt, in dem sich im 19. Jhdt. Gewerbliche, mitunter industrielle Einrichtungen konzentrierten.
38. Augartenbrücke/Augarten: Die Augartenbrücke wurde 1977 für den Verkehr freigegeben. Der Name bezieht sich auf den nahe gelegenen Augarten-Park, den Rest einer ehemaligen Auenlandschaft der Mur (Froschau od. Froschenau). Diese war ursprünglich im Besitz der Zimmereisterdynastie Ohmeyer. 1896 beschloss der Gemeinderat, dass die Ohmeyerischen Gründe für alle Zeiten von der Verbauung ausgeschlossen seien. Sie werden zur Anlegung eines Naturparks als allgemeiner Erholungsort in Aussicht genommen. 1899 wird erstmals die Bezeichnung „Städtischer Augarten“ eingeführt.
39. Einmündung Grazbach: Der Grazbachkanal südlich der Augartenbrücke wurde 1880 erbaut und hat eine Länge von 2 km. Sein Gewölbeprofil erreicht eine Höhe von bis zu 7m. Er ist das größte unterirdische Bachprofil in Graz mit 2 seitlichen Abwasserrinnen.
40. Kanalisation: Das Grazer Kanalnetz hat eine Länge von rund 800 km, davon sind 250 km begehbar bzw. beschliefbar. Kleinstes beschliefbares ist das Profil 90/60cm. Der größte Teil der Abwässer der Stadt gelangen im freien Gefälle bis in die Kläranlage nach Gössendorf.
41. Zusammenfluss Kroisbach - Leonhardbach: Diese beiden Grazer Stadtbäche verlaufen bereits längere Strecken überdeckt, bevor sie im Kreuzungsbereich Mandellstrasse-Sparbersbachgasse unterirdisch zusammenfließen und gemeinsam den Grazbach bilden. Dieser folgt heute dem Verlauf der Grazbachgasse und kommt erst bei seiner Einmündung in die Mur ans Tageslicht.
42. Raimundgasse: Der wellige Verlauf der Gasse zeichnet heute noch das ehemalige Talprofil des Leonhardbaches nach. Der überwiegende Teil des Bachlaufes wurde hingegen eingeebnet und ist heute nicht mehr als Geländevertiefung zu erkennen.
43. Herz-Jesu-Kirche: Sowohl an der Außenmauer des Pfarramtes als auch am oberen Rand des Portals der Unterkirche finden sich mit 16. Juli 1913 datierte Hochwassermarken. Damals wurde die Unterkirche massiv in Mitleidenschaft gezogen und erst bei der Renovierung im Jahre 1997 wurden die letzten Reste der Hochwasserschäden entfernt. Auch heute kann man die Höhe des damaligen Wasserstandes erkennen.
44. Burggraben: Er ist der letzte Rest des ehemaligen Stadtgrabens. Dieser war Teil der Befestigungsanlagen und lag vor der Wehrmauer von Graz. Im 19. Jhdt. Wurde darin der „Haupt-Ableitungscanal“ gebaut und die Gräben eingeebnet.
[------„Vielmals um Verzeihung, Käpt’n, Sir, aber ich und die Crew, wir haben uns ein bisschen was überlegt, Sir, und wir haben einstimmig beschlossen, dass wir unsere Matrosenmesser ziehen und Ihnen ein paar Luftlöcher in die Leuteschinder-Haut machen, bis Sie aussehn wie einer von den Springbrunnen zu Hause in Richmond, Sir, wenn Sie nicht Kurs auf Antigua nehmen, und zwar innerhalb von dreißig Sekunden nach meiner Taschenuhr hier, mit Verlaub, Sir.“ (S248)------]
45. Trinkwasserbrunnen: Auf Höhe der Zinzendorfgasse findet sich ein letzter, gut erhaltener, gusseiserner Trinkwasserbrunnen aus dem späten 19. Jhdt.
46. Bronzefiguren Stadtpark: Die beiden, 1970 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der 2. Republik, im Stadtpark aufgestellten Figuren „Austria“ und „Styria“ wurden ursprünglich 1891 von Hans Brandstätter für die Grazer Hauptbrücke erschaffen. Mit dem Neubau der Brücke 1964 wurden auch diese Figuren abgetragen.
47. Stadtparkbrunnen: Für die Wiener Weltausstellung 1873 goss Antoine Durénne nach einem Entwurf von Jean Jules Klagmann in Paris eine dreiteilige Brunnenanlage. 1874 wurde der Mittelteil gekauft, um am Grazer Hauptplatz als „Kaiser-Franz-Josef-Brunnen“ aufgestellt zu werden, was aus Platzgründen nicht möglich war und dann im Stadtpark geschah. Die beiden Seitenteile befinden sich in Paris auf der Place de la Concorde. In Lissabon und Genf finden sich ähnliche Brunnen derselben Gießerei.
[------Erde, Urwald, Himmel, Wasser: im Fluß pocht der Puls des Lebens. Mungo spürt ihn – beständig und durchdringend wie das Ticken einer himmlischen Uhr (S505)------]
48. Sonnenuhr Karmeliterplatz: An der Fassade des ehemaligen Karmeliterklosters (heute Landesarchiv) 1985/86 von Wolfgang Buchner erschaffen. Eine Bedeutungsebene, die im Bild angesprochen wird, ist Wasser in verschiedenen Aggregatzuständen. Das Blau erinnert an das Meer, durch das ein Schiff fährt, in dem ein Fisch ruht. Links neben der Milchstraße, am Ort seines Sternbildes, sitzt ein Wassermann.
[------Nach der Entdeckung jenes vielbesungenen und großartigen Flusses, der nach meinem Dafürhalten in jedem Ausmaße die Themse und selbst den Rhein übertrifft, begaben mein Faktotum und ich uns ohne Verzug zum Palaste des hiesigen Herrschers, des Mansong von Bambarra. Dort wurden wir mit einer Wärme und Höflichkeit empfangen, die uns das Herz so recht wieder froh machte, nachdem wir so lange mit Entkräftung und den gnadenlosen Beraubungen der Mauren der Wüste zu kämpfen gehabt. (S162)------]
Wassersehenswürdigkeiten erarbeitet von
Wasserland Steiermark
8010 Graz, Stempfergasse 5 – 7
www.wasserland.at
- Verfasser/in:
- Jörg Kindermann
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