Solare Architektur beflügelt die Fassaden

Bericht von der Tagung der Gleisdorfer AEE INTEC – in Kooperation mit der Kammer der Architekten und Zivilingenieure für Steiermark und Kärnten – „Architektonische Integr

05/05/2009

Die Nutzung der Solarthermie hat sich seit einiger Zeit als Standard für den Wohnhausbau etabliert. Im Rahmen der EU-Ziele zur Anhebung der erneuerbaren Energien auf 34 % kommt in Zukunft der Raumheizung bzw. -kühlung und Warmwasserbereitung eine zentrale Rolle zu. Vernachlässigt wurde bislang nicht selten die architektonische Integration der Solarzellen – die unübersehbare Folge waren auf die Dächer geklotzte Konstruktionen oder die berüchtigte „Briefmarkenarchitektur“.

Die Tagung der Gleisdorfer AEE INTEC – in Kooperation mit der Kammer der Architekten und Zivilingenieure für Steiermark und Kärnten – „Architektonische Integration von thermischen Solaranlagen“ wollte am 24. April im Hotel Europa Graz aufzeigen, dass es heute bereits bessere und ästhetisch hochwertigere Lösungen geben kann.

Die energetische Seite fasste Ing. Werner Weiss von der AEE INTEC zusammen: „Heizen und Kühlen machen zusammen 50 % des Energieverbrauchs aus –daraus wird das enorme Potenzial für Solarthermie ersichtlich.“ Das hat zur Folge, dass in Zukunft statt wenigen Prozent mehr als ein Drittel der Dachflächen für thermische Solaranlagen genützt werden müssen. Eine wichtige Ergänzung bilden daher vermehrt in die Fassade integrierte Elemente, v.a. dort wo keine Steildächer vorhanden sind oder Grundflächen im urbanen Bereich aus Kostengründen nicht in Frage kommen.

Ein enormes Potenzial liegt in der Verwendung multifunktioneller, vorgefertigter Fassadenteile, führte Dr. Wolfgang Streicher von der TU Graz aus: „Die bei Hochbauten immer beliebteren Module können nahezu beliebig um Funktionen wie Heizung, Klima und Elektroinstallationen erweitert werden.“ Diese vollintegrierten Energiefassaden erlauben außerdem eine intelligente Taglichtnutzung, die weiteres Sparpotenzial birgt.

Der architektonischen und bauphysikalisch sinnvollen Integration der Kollektorflächen in die Gebäudehülle kommt eine zentrale Rolle zu, wie Juliane Metzger (Czech Technical University) erklärte: „Zusätzlich zu den ästhetischen Werten kommen Synergieeffekte wie Wärmedämmung und Verwitterungsschutz durch direkte Integration.“ Oft befürchtete Erhitzungseffekte in den Räumen sind nach Durchführung von Testläufen nicht zu befürchten. Architektonische Qualität bildete das Thema von Dr. Maria Cristina Munari-Probst (École Polytechnique Lausanne): „Die Entwicklung von neuartigen Fassadenelementen aus farbigem Glas wird die Akzeptanz für ambitionierte Projekte deutlich erhöhen.“ Mit der Rasterung der Gläser, Material (Metall, Holz) sowie Farbe der Abdeckleisten und Kollektoren lassen sich die unterschiedlichsten Effekte und Gestaltungsmöglichkeiten erzielen. Die Glaselemente seien zwar noch relativ teuer, aber der Preis dürfte bei Fertigung größerer Serien schnell sinken, ist Munari-Probst zuversichtlich.

Eine breite Palette an farbigen Fassadenlösungen bietet die Tiroler Firma SIKO SOLAR an, deren Gründer Ing. Arthur Sief schon vor rund zwanzig Jahren deutliche Signale auf dem Feld der architektonischen Integration von thermischen Solaranlagen gesetzt hat: „Hinter optisch ansprechenden Lösungen verbergen sich eine optimierte Leistungsausbeute sowie leicht zugängliche Wartungsbereiche, die dazu beitragen, die Lebensdauer der Anlagen zu erhöhen.“ Die Fassadenkollektoren gibt es neben Blau mittlerweile auch in Gold und Rot, weitere Farben sollen folgen; eine Minderung der Absorptionsleistung ist nicht zu erwarten.

Ein zunehmend wichtiger Bereich ist die nachhaltige Sanierung von Gebäudebeständen – vor allem Wohnbauten der sechziger und siebziger Jahre, als die Dämmstandards weitgehend vernachlässigt wurden. Mittels modularer Renovierungskonzepte, so Dr. Karl Höfler (AEE INTEC), werden auch in diesem Feld Vorteile lukriert: „Zum einen müssen die Bewohner während der Renovierung nicht ausziehen, andererseits werden Heizkosten und CO2-Emissionen um über 80 % gesenkt.“ Durch die Verbindung von Solarsystemen mit Passivhausstandards werden somit gewaltige Steigerungen in der Wohnqualität umgesetzt.

Verfasser/in:
Josef Schiffer, Bericht

Weiterführende Links

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Trend zu hochwertigem Beitrag für die Architektur: Auf der Tagung referierten (von li.) Arthur Sief, Maria Cristina Munari-Probst, Juliane Metzger, Wolfgang Streicher und Erwin Kaltenegger.
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Einige Beispiele für kreative Fassadengestaltung mit Solarthermie-Elementen. Fotos 2-4: Firma Siko, Jenbach
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Einige Beispiele für kreative Fassadengestaltung mit Solarthermie-Elementen. Fotos 2-4: Firma Siko, Jenbach
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Einige Beispiele für kreative Fassadengestaltung mit Solarthermie-Elementen. Fotos 2-4: Firma Siko, Jenbach

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