Gedanken zum reduzierten Kastner & Öhler Projekt in Graz.
Von Arch. DI Ulrike Bogensberger, Vorsitzende der Sektion der ArchitektInnen Stmk/Ktn.
Wie den Medien zu entnehmen war, hat Kastner & Öhler ein neues Projekt der Architekten Nieto - Sobejano vorgelegt, welches eine Reduktion des Dachvolumens, der Höhe und Uniformität vorsieht. Aus den Pressemeldungen weiters erkennbar, von der Grazer Altstadtkommission bereits positiv bewilligt, spitzt sich nun alles auf die Auseinandersetzung mit den Experten der UNESCO Welterbe Kommission zu.
Kann es sein, dass ein Kommunikationsproblem zwischen Welterbekomitee und der Stadt Graz besteht? Das traditionelle Kaufhaus wird nämlich keinesfalls ersetzt, sondern eine das Stadtbild störende Dachlandschaft wird neu gestaltet! Es gibt auch keine nennenswerte Kritik von außerhalb am Projekt. Eigentlich herrscht breite Zustimmung! Vorbehalte von ICOMOS sollten eigentlich fachlich begründet und nicht nur in den Raum gestellt werden!
Das Wiener Memorandum zum Welterbe der UNESCO spricht von einer Architekturfindung auf höchstem Niveau und einer Einfügung ohne Kompromittierung der historischen Stadtlandschaft.
Der internationale geladene Wettbewerb, beurteilt von einer qualifizierten Jury unter Einbeziehung von Altstadtexperten, garantierte dieses Niveau.
Die bestehende Dachlandschaft kompromittiert den Stadtraum und nicht das neue Projekt.
Das Welterbe wurde uns von der UNESCO und nicht von ICOMOS zuerkannt. Entscheidend waren die bajuwarischen Hofstätten und die herausragenden Bauwerke aus unterschiedlichen Epochen. Dazu zählt auch die Neuzeit. Die Stadt Graz sollte auf hohem fachlichen Niveau direkt mit der UNESCO diskutieren und belegen, dass Altstadtschutz, der in Graz eine starke Tradition aufweist, hier gelebt wird.
Mehrheitliche Entschließungen des Stadtsenates bezüglich der Novellierung des GAEG wie
• Plätze außerhalb der Kernzone sollen nicht zur Altstadt gehören
• Einspruchsmöglichkeiten bei bescheidmäßigen Verstößen gegen den Altstadtschutz sollen gering gehalten werden
• Baukünstlerische Qualität soll nicht besonders wichtig sein
sind hier natürlich nicht förderlich!
Als Architektenschaft halten wir fest, dass baukünstlerische Qualität, Architektur, Vergabekultur immer noch den besten Weg für die Sicherung eines vitalen Welterbes darstellen. Wir wünschen uns ein „Grazer Memorandum“, welches das Welterbe in Stadtgefügen beispielgebend neu definiert.
- Verfasser/in:
- Arch. DI Ulrike Bogensberger, Vorsitzende der Sektion der ArchitektInnen Stmk/Ktn
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