Schloss Eggenberg ist Weltkulturerbe

Am Sonntag, dem 1. August 2010 hat das zuständige UNESCO-Komitee auf seiner 34. Jahrestagung in Brasilia die Erweiterung der Grazer Welterbezone um Schloss Eggenberg besc

01/08/2010

Am Sonntag, dem 1. August 2010 hat das zuständige UNESCO-Komitee auf seiner 34. Jahrestagung in Brasilia die Erweiterung der Grazer Welterbezone um Schloss Eggenberg beschlossen. Die gesamte Zone trägt in Zukunft den Titel "City of Graz – Historic Centre and Schloss Eggenberg".

Bereits im Jahr 2005 war Schloss Eggenberg für die Aufnahme ins Weltkulturerbe der UNESCO eingereicht worden. Die UNESCO erteilte Graz bei ihrer 30. Sitzung des Welterbekomitees (WHC) 2006 in Vilnius (Litauen) jedoch den Auftrag, für ihre gesamte Welterbezone einen Managementplan zu erstellen (GAT berichtete). Nachdem dieser eingereicht und von der UNESCO zur Kenntnis genommen worden war, wurde mit dem Universalmuseum Joanneum des Landes Steiermark gemeinsam die neuerliche Bewerbung vorbereitet. Insbesondere ging es darum, die historische Achse zwischen der bereits 1999 zum Weltkulturerbe ernannten Grazer Altstadt und Schloss Eggenberg im Westen der Stadt darzustellen und eine Pufferzone zum Schutz der historischen Baujuwele einzurichten. Für diese Aufgaben zog die zuständige Grazer Stadtbaudirektion zu Beginn des heurigen Jahres internationale Experten zu Rate, unter ihnen den berühmten englische Landschaftsarchitekten Hal Moggridge sowie den offiziellen österreichischen Welterbe-Beauftragten Ministerialrat Dr. Bruno Maldoner aus dem Kulturministerium und den Präsidenten von ICOMOS Österreich, Dr. Wilfried Lipp. Nach tagelangen intensiven Verhandlungen konnte mit Hilfe dieser Fachleute der Erweiterungsantrag für das Grazer Weltkulturerbe um Schloss Eggenberg ergänzt werden. So schaffte man nicht nur den Sprung auf die Tagesordnung der WHC-Sitzung in Brasilia, sondern auch eine Empfehlung der ICOMOS für die Aufnahme. ICOMOS ist übrigens der Internationale Rat für Denkmalpflege, der die Einreichungen für die Aufnahme ins Weltkulturerbe evaluiert und Beschlussempfehlungen abgibt.

Begründung für die Weltkulturerbe-Erweiterung

Die erweiterte Grazer Welterbestätte wird wie bisher unter den UNESCO-Kriterien (ii) und (iv) gelistet, mit folgender Begründung: "Historischer Stadtkern und Schloss sind das Spiegelbild einer Jahrhunderte langen Verbindung von künstlerischen und architektonischen Bewegungen, die ihren Ursprung im deutschen und mediterranen Raum und am Balkan fanden. Die bedeutendsten Künstler und Architekten haben der Welterbestätte ihren Stempel aufgedrückt und so eine brillante Synthese geschaffen. Die Stadt Graz und Schloss Eggenberg bilden das außergewöhnliche Beispiel einer harmonischen Integration der architektonischen Stile aufeinander folgender Epochen. Erscheinungsbild von Stadt und Schloss lassen deren gemeinsame historische und kulturelle Entwicklung deutlich ablesen."

Geschichte und Bedeutung von Schloss Eggenberg

Nach 1625 vom Norditaliener Pietro de Pomis als Residenz des kaiserlichen Statthalters Hans Ulrich von Eggenberg (1568-1634) errichtet, sollte Schloss Eggenberg ein deutliches Zeichen setzen. Es ist politische Architektur, anspruchsvolle Legitimation für die Herrschaft einer Familie. Das Haus ist als riesiges Gleichnis erbaut, ein symbolisches Abbild des Universums, in dem der gelehrte Bauherr seine Vorstellung einer idealen Welt in einer Epoche von Chaos und Auflösung formuliert. Entscheidend für den Rang von Schloss Eggenberg als Raumkunstwerk ist ein Zyklus von 24 Prunkräumen mit dem großen Planetensaal im Zentrum. In ihnen verbinden sich die Ausstattungsphasen von Barock und Rokoko zu einer aus heutiger Sicht untrennbaren Einheit von höchstem Reiz und selten so ungestörtem Erlebniswert. Vor allem der riesige Zyklus von über 500 Deckengemälden des 17. Jahrhunderts mit seinem überaus anspruchsvollen und komplexen Bildprogramm, ein charakteristisches Zeugnis für frühbarockes Weltverständnis, ist von singulärem Rang. Qualität und Umfang der erhaltenen authentischen Substanz der Eggenberger Beletage stellen einen besonderen Glücksfall dar, der deshalb auch von der Welterbekommission als "excellent" bewertet wurde, führt Dr. Barbara Kaiser, die Leiterin des Schlosses Eggenberg aus.

Die UNESCO-Welterbekonvention ist das bedeutendste völkerrechtlich verbindliche Instrument zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Menschheit, das von bislang 187 Staaten unterzeichnet wurde. Leitidee der Konvention ist es, die herausragenden Kultur- und Naturstätten der Erde nicht als Eigentum eines einzigen Staates anzusehen, sondern als ideellen Besitz der gesamten Menschheit. Für die Welterbeliste ausgewählt werden Stätten ausschließlich auf Basis ihrer Bedeutung als bestmögliche Beispiele für das Kultur- und Naturerbe der Welt.

Weiterführende Links

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Schloss Eggenberg. Foto: Universalmuseum Joanneum/zepp®cam.at 2010/Graz
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Weltkulturerbe-Achse: das historische Zentrum und das Schloss Eggenberg im Westen von Graz. Luftbild: Stadt Graz

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