Sanierung des Palais Thienfeld

Die Grazer Bau und Grünlandsicherungsges.m.b.H. wird das Palais Thienfeld in der Mariahilferstraße 2 in Graz um rund 2,3 Mio Euro sanieren und dafür voraussichtlich im Ju

15/04/2005

Die Grazer Bau und Grünlandsicherungsges.m.b.H. wird das Palais Thienfeld in der Mariahilferstraße 2 in Graz um rund 2,3 Mio Euro sanieren und dafür voraussichtlich im Juli 2005 einen Architektenwettbewerb ausschreiben.

Lesen Sie den folgenden Bericht von Elisabeth Krammer.

Es clustert!

Ähnlich dem „Löwenbräu“ in Zürich, der Auguststraße in Berlin oder dem Museumsquartier (MQ) in Wien soll in Graz ein Kunstcluster entstehen. Vor etwa zweieinhalb Jahren, im Sommer 2002 also, wurde das erste Mal das Ziel formuliert, einen so genannten Kunstcluster in direkter räumlicher Verbindung mit dem Kunsthaus Graz zu entwickeln. Die Idee entstand aus dem Streben, kulturelle Nutzer im und um das Kunsthaus anzusiedeln, um „365 Tage im Jahr aktuelle, zeitgenössische Kunst“ anzubieten. „Camera Austria und das Medienkunstlabor sind bereits ein Teil des „Kunstclusters“. Andere kulturelle Institutionen sollen folgen.“ So wird die Idee auf der Website des Grazer Kunsthauses artikuliert, denn „Gemeinsam ist man stark“.

Das Palais Thienfeld in der Mariahilferstraße 2 und das Haus Mariahilferstraße 4 wurden, auf Grund direkter Nachbarschaft zum Kunsthaus, sehr bald als mögliche Räumlichkeiten zur Realisierung dieser Idee herangezogen. Seither wurde sehr viel diskutiert, formuliert und angedacht, mögliche Kulturträger, mögliche Investoren wurden genannt.

Nun ist man der Realisierung des „Kunstclusters“ tatsächlich ein ganzes Stück näher gekommen. Die Kunsthaus Gmbh hat als Eigentümerin des Objektes Palais Thienfeld, der Grazer Bau und Grünlandsicherungsges.m.b.H., kurz GBG, ein Baurecht über die Laufzeit von 60 Jahren eingeräumt. Die GBG wiederum wird als Immobilien – und Bauherrengesellschaft im Auftrag der Stadt Graz die Revitalisierung des Palais Thienfeld übernehmen. So weit, so kompliziert.

Die zukünftigen Mieter sollen das Haus der Architektur Graz, der Grazer Kunstverein und das Landesmuseum Joanneum sein. Das Haus der Architektur (HDA) Graz und der Grazer Kunstverein würden damit aus ihrer peripheren bzw. versteckten Lage in das Zentrum kulturellen Geschehens rücken.

„Das Projekt ist eine positive Entwicklung für das gesamte Gebiet rund um den Südtirolerplatz und der Annenstraße. Nach dem Bau des Kunsthauses erfährt dieser Teil der Stadt durch die Revitalisierung des Thienfeld, wenn es auch ein kleines Projekt ist, weiter an Aufwertung“, so Bernd Weiss, Geschäftsführer der Grazer Bau – und Grünlandssicherungsgesellschaft m. b. H.

Zur Sicherung der baulichen und architektonischen Qualität sind von Seiten der GBG „die Tendenzen für eine Art von Wettbewerbsverfahren schon lange klar formuliert“, denn „man befindet sich mit dem Haus Mariahilferstraße 2 an einer spannenden Stelle. Das HDA Graz soll hier einziehen und zusammen mit den anderen Kulturinstitutionen der „Kunstcluster“ entstehen“, so formuliert Bernd Weiss die Besonderheit dieser Bauaufgabe in einem Gespräch mit GAT.Die Revitalisierung des Palais Thienfeld birgt noch eine weitere Besonderheit in sich, denn “es steht zur Gänze unter Denkmalschutz, von den Kellergemäuern bis zur Dachdeckung“, erklärt Friedrich Bouvier, Landeskonservator für Steiermark. Das Palais Thienfeld wurde 1741/1742 nach Plänen von Anton Martinelli für den Eisengewerken Anton Thien von Thienfeld errichtet und 1848/1850 durch den Anbau des sogenannten „Eisernen Hauses“ entscheidend verändert, die spätbarocke Fassade nur im Erdgeschoss umgestaltet. Im Obergeschoss des Palais befinden sich vier bemerkenswerte Stuckplafonds, im Ecksaal ein „prächtiger Kachelofen“ (Dehio Graz) und in fast allen Räumen Holzvertäfelungen und Schnitzsupraporte.

Die architektonische Lösung , die sowohl mit diesem Reichtum vergangener Zeiten umzugehen versteht, als auch die Idee des Kunstclusters zu formulieren sucht, soll nun über einen geladenen Wettbewerb gefunden werden.

„Prinzipiell ist in diesem Fall nichts gegen einen geladenen Wettbewerb zu sagen“, meint dazu Wolfgang Feyferlik, Architekt und Bundeswettbewerbsausschussvorsitzender der BAIK. Er sei jedoch dagegen, dass „da ein Wettbewerb stattfindet, bei dem gerade noch sechs Architekten teilnehmen. Da verliert der Auslober einfach an Projektvielfalt, anhand der man wirklich auswählen kann“, erklärt Feyferlik. In erster Linie sei er ja für offene Wettbewerbe, aber “bei kleineren Projekten kann man einen geladenen Wettbewerb machen und wenigstens 15 besser 20 Planer dazu einladen. Nicht jeder bekommt dann eine Aufwandsentschädigung, sondern beispielsweise nur die besten 10 Projekte. Da bleibt der finanzielle Aufwand für den Auslober gleich, wenn das Preisgeld zusammen mit der Aufwandsentschädigung anders aufgeteilt wird. Für die Teilnehmer stiege damit die Wahrscheinlichkeit, einen Preis zu gewinnen, in diesem Fall auf 1:2. Da ist die Motivation, wirklich etwas Gutes zu machen, einfach höher und davon profitiert dann wieder der Auslober“, so Feyferlik.

Irmfried Windbichler, Architekt und Vorstand HDA Graz, bezeichnet einen geladenen Wettbewerb prinzipiell als fairer gegenüber einem offenen, weil zumindest die Aufwandsentschädigung für Büro und Mitarbeiter gegeben ist, auch wenn diese den tatsächlichen Aufwand meist nicht deckt.

Vergessen werden sollte jedoch nicht, dass es viele junge Büros gibt, die in einem offenen Wettbewerb eine Möglichkeit sehen, zu ihren ersten größeren Aufträgen zu kommen. Weiters bietet ein offener Wettbewerb dem Auslober ein breiteres Spektrum an Lösungsansätzen.

In welcher Weise der geladene Wettbewerb durchgeführt wird, wie viele und welche Architekturbüros tatsächlich geladen werden, steht von Seiten der GBG noch nicht fest.

Sicher ist jedoch, dass der Wettbewerb bis Anfang Juli ausgeschrieben werden soll. Bis dahin wird gemeinsam mit den künftigen Mietern, ein Raum – und Nutzungskonzept für die rund 1000 m² Nutzfläche im Thienfeld erstellt. Die geplanten Sanierungsarbeiten sollen bis Anfang 2007 abgeschlossen sein.

Bis die Arbeiten aber tatsächlich beginnen, wird das Thienfeld in der bisherigen Form weiter betrieben und während des diesjährigen steirischen herbst zur „Herbstbar“. Der Verein Vipers (Verein zur Förderung der Popkultur), der seit 2003 im Erdgeschoss des Thienfeld ein Kaffeehaus, DJ- und Designkultur pflegt, wird also bis November 2005 bleiben können und benötigt ab dann neue Räumlichkeiten für seine kulturellen Aktivitäten.

Verfasser/in:
Elisabeth Krammer, Bericht
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Palais Thienfeld und das "Eiserne Haus" (re)
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Palais Thienfeld in der Mariahilferstraße 2 in Graz. IM EG befindet sich derzeit noch die vom Verein Vipers betriebene Bar Thienfeld mit Ausstellungsräumlichkeiten.

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