Endlich Ferien und schon ist es vorbei mit dem Frieden im Hof! Was tun, wenn kindlicher Überschwang und erwachsenes Ruhebedürfnis lautstark aufeinander treffen? Das Kinderbüro Steiermark setzt auf Vermittlung.
"Kaum lädt das Wetter zum Spielen im Freien ein, mehren sich die Anrufe im Kinderbüro, weil es zu Konflikten zwischen Kindern und Erwachsenen in ihrem Wohnumfeld kommt", weiß Monika Zachhuber vom Kinderbüro Steiermark. Was vordergründig nach harmlosem "Erwachsene regen sich über laute Kinder auf" aussieht, birgt bei näherer Betrachtung gesellschaftspolitischen Zündstoff, verweist es doch auf die Befindlichkeit unserer Gesellschaft, die lieber trennt als verbindet: zwischen arm und reich, gesund und krank, Mann und Frau, behindert und nicht behindert, jung und alt. Aus- und einschließendes Schwarzweiß-Denken, das einem friedlichen Miteinander nicht gerade förderlich ist. Es muss nicht ausdrücklich erwähnt werden, wer in diesem Kräftespiel den Kürzeren zieht.
Die Architektur spielt dabei eine tragende Rolle, im Sinne ihrer Wirkkraft als Abbild von Machtverhältnissen: Für die Gestaltung von Spielräumen im Wohnumfeld sind sogenannte "Restflächen" vorgesehen, wo irgendwann Alibisandkiste, -schaukel und -klettergerüst für die Kleinsten abgestellt werden. Insgesamt wird den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen bei der Planung von Wohnsiedlungen - und nicht nur hier - kaum Beachtung geschenkt. Das Kinderbüro hat es sich daher unter anderem zur Aufgabe gemacht, die Anliegen von Kindern und Jugendlichen auf Verwaltungs- und Politikerebene einzubringen, um den Handlungsspielraum für Planer gesetzlich zu erweitern. Ein diesbezüglicher Landtagsbeschluss vom Februar 2006, in dem "Kindergerechtigkeit in allen, das Wohnumfeld betreffende bauliche Maßnahmen, insbesondere im Wohnbau als verbindliches Kriterium einzuführen", gefordert wird, ist bis jetzt noch nicht umgesetzt.
Das Land Vorarlberg setzt mit der Initiative "Kinder in die Mitte" ein Zeichen und möchte sich als besonders kinder-, jugend- und familienfreundliche Region etablieren. Ein neues Spielraumgesetz und die Förderrichtlinien für Spiel- und Freiräume sollen dazu beitragen, dass neue und kindertaugliche Spielflächen entstehen, Kinder- und Jugendfreundlichkeit im öffentlichen Raum Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Über kindergerechte Architektur lässt sich streiten, nicht aber darüber, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die wie alle anderen Bewohner Bedürfnisse haben und ein Recht darauf, diese auch auszuleben: Die UN-Kinderrechtskonvention schreibt in Artikel 31 das Recht des Kindes "auf Beteiligung an Freizeit, kulturellem und künstlerischem Leben" fest. Darin enthalten ist die "altersgemäße, aktive Erholung". Dem natürlichen Spiel- und Bewegungsbedürfnis entspricht eine tägliche "Belastung" von mindestens 2-3 Stunden (!) als Voraussetzung für die positive Entwicklung geistiger und körperlicher Fähigkeiten. Architekt Volker Giencke hält einen unkonventionellen Lösungsansatz für kinderfreundlicheren Wohnbau bereit: "Kinder spielen dort, wo es Erwachsene sich wünschen. Das glauben Erwachsene. Tatsächlich spielen und trainieren Kinder auf Rampen von Tiefgaragen, auf Autoparkplätzen, Podesten und Stiegen usw. - überall dort wo es nicht erlaubt, zumindest nicht geplant ist. Kinder sind Sehnsuchtsbündel, Performance-Artisten, Kreativkapseln und Systemverweigerer. Kinder sind nicht das Abbild ihrer Eltern, nicht die Befolger behördlicher Vorschriften, keine Vernunftbegabten. Das heißt für die Planer von Wohnbauten: baut die schönsten Tiefgaragen der Welt, und Parkplätze primär für Kinder und sekundär für Daihatsus und Maseratis!"
Das Kinderbüro Steiermark vermittelt in Akutfällen, wenn es im Wohnumfeld zu laut wird, egal wer letztendlich wen übertönt, bei Bedarf eine/n Mediator/in. An den Kosten beteiligen sich drei Grazer Ämter (!) - das Amt für Jugend und Familie, das Wohnungsamt und die Wirtschaftsbetriebe - nicht aber die Wohnbauträger.
Kontakt: Kinderbüro Steiermark,
T 0316 833 666 23
monika.zachhuber@kinderbuero.at
Weitere Maßnahmen / Aktivitäten des Kinderbüros für mehr kinderfreundlichen Lebensraum:
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* Stellungnahmen für die Revision des Stadtentwicklungskonzeptes der Stadt Graz, sowohl des Kinderbüros als auch gemeinsam mit dem Steirischen Fachstellennetzwerk für Jugendarbeit und Jugendpolitik
* Einbringen der Anliegen von Kindern und Jugendlichen beim Wohnbautisch des Landes Steiermark
* Verbreitung der Broschüre "Kindergerechter Wohnbau - ein Leitfaden für die Planung“
*Vorträge zum Thema „Kindergerechtes Planen und Bauen“
* Architekturvermittlung für Kinder
Forderungen des Kinderbüros
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* Umsetzung des Landtagsbeschluss zum Kindergerechten Wohnbau vom Februar 2006
* Die Wohnbauträger sollen sich an Kosten für Mediation beteiligen, ohne sie den Bewohnern zu verrechnen.
* Mehr Toleranz von HausverwalterInnen gegenüber dem Spielbedürfnis von Kindern.
- Verfasser/in:
- Ute Angeringer-Mmadu, kinderGAT


