Kinder wollen im Freien spielen und toben, Erwachsene sehnen sich nach Ruhe: Im Frühling schaukeln sich in Wohnsiedlungen verstärkt Konflikte zwischen Jung und Alt hoch. Das Kinderbüro Steiermark hilft mit Rat und Tat und zeigt Lösungen auf.
Der Schokohase ist gegessen, was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack. Denn mit dem Frühling und den Osterferien wird nicht nur die Freiluftspielsaison so richtig eröffnet, zeitgleich treten wieder verstärkt Konflikte zwischen Kindern und Erwachsenen in ihrem Wohnumfeld auf. Kaum lädt das Wetter zum Spiel unter freiem Himmel ein, mehren sich Anrufe im Kinderbüro Steiermark.
5 m2 Spielplatz, 25 m2 Autoabstellplatz pro Wohnung
Zu viel Lärm für die Großen, zu wenig Platz für die Kleinen – das ist der Nenner, auf den sich viele Probleme bringen lassen. „Je nach Alter sind die Bedürfnisse der Kinder unterschiedlich. Mit Sandkiste, Rutsche und Schaukel ist es in vielen Wohnsiedlungen getan. Vor allem für Schulkinder sieht das Angebot mager aus“, sagt Monika Zachhuber vom Kinderbüro Steiermark, „die Kinder erobern sich dann Räume wie das Stiegenhaus oder die Tiefgarage“. Konflikte sind vorprogrammiert.
Fehlt der Spielplatz überhaupt, etwa in 70er-Jahre-Bauten, so dürfen die Allgemeinflächen zum Spiel genutzt werden, betont Zachhuber. Nach wie vor werden die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen bei der Planung von Wohnsiedlungen zu wenig berücksichtigt. Wohnbauträger sollten bei der Gestaltung der Außenanlagen daher ExpertInnen für kinderfreundliches Planen und Bauen mit einbeziehen, fordert das Kinderbüro. Laut Steiermärkischem Baugesetz muss die Fläche für den Spielplatz mind. 5 m2 pro Wohnung (gesamt mind. 150 m2 je Bauprojekt) betragen, für einen Autoabstellplatz werden rund 25 m2 (inkl. aller Erschließung) kalkuliert. „Am Land sehen wir zwei oberirdische Autoabstellplätze je Wohnung vor. Wir dimensionieren auch die Kinderspielflächen großzügiger“, betont Dieter Salzmann, Leiter ÖWG-Wohnbau-Planung. Konflikte gibt es es da wie dort.
Kummernummer Kinderbüro
Im Kinderbüro Steiermark erhalten Kinder und Eltern Unterstützung, damit ein friedliches Miteinander möglich wird. Auf Basis der UN-Kinderrechtekonvention wurde eine kinderfreundliche Hausordnung erstellt. Sie kann kostenlos beim Kinderbüro Steiermark bezogen werden. „Wir überarbeiten die Hausordnungen in Wohnsiedlungen gerne zusammen mit den Hausverwaltungen“, sagt Zachhuber. So entstehe auch ein Bewusstsein für die Bedürfnisse, eine neue Gesprächsgrundlage.
Um Kinder in der Bewältigung von Konflikten in ihrem Wohnumfeld zu unterstützen, arbeitet das Kinderbüro Steiermark zudem mit MediatorInnen zusammen. In Graz wurde dieses Angebot in Kooperation mit dem Amt für Jugend und Familie, dem Wohnungsamt und den Wirtschaftsbetrieben sowie Mediatorin Dagmar Tranninger installiert. Dieses institutionalisierte Angebot der Mediation soll sukzessive auf die gesamte Steiermark ausgeweitet werden, fordert das Kinderbüro. „Wir rufen Kinder und Erwachsene in der ganzen Steiermark auf, zu berichten, wie es ihnen in ihrem Wohnumfeld geht“, sagt Monika Zachhuber.
Mediation, wie funktioniert das?
Die MediatorInnen nehmen mit den Betroffenen Kontakt auf. Alle Konfliktparteien werden gleichermaßen in die Erarbeitung einer Lösung mit eingebunden. „Je früher dieser Weg der Unterstützung gewählt wird, desto besser – je emotional aufgeladener das Problem, je verhärteter die Fronten sind, desto schwieriger wird es“, sagt Tranninger, die sich als Vermittlerin zwischen Generationen und Kulturen sieht. Mögliche Lösungen liegen in der Regelung von Spielzeiten, dem Umstellen von Spielgeräten, „in Toleranz und Respekt, im Achten der Würde des anderen“, so Tranninger. Diese Arbeit trägt Früchte, wie auch ein Fall in Graz zeigt. „Im Zuge der Ummöblierung wird zudem ein Lümmelbord zur Kommunikation aufgestellt werden“, berichtet Dieter Salzmann von der ÖWG. „Wir haben festgestellt, dass die Mediation eine gute Möglichkeit zur sozialen Akzeptanz darstellt.“ Aus planerischer Sicht sieht Salzmann nicht in kleinen, verstreuten Einheiten, sondern im Kinderspielbereich als einem größeren, zusammenhängenden Areal den richtigen Weg, „dies gibt die Möglichkeit der offenen Nutzung und der Veränderungsmöglichkeit der Nutzung über die Zeit viel besser“.
Rückfragen:
Mag.a Monika Zachhuber
Kinderbüro Steiermark
Nikolaiplatz 4a, 8020 Graz
T 0316/833 666 23, M 0650/83 36 66 2
monika.zachhuber@kinderbuero.at
- Verfasser/in:
- Kinderbüro Steiermark, kinderGAT
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