Eine Stahlplastik von Hartmut Skerbisch mit dem Titel Sphäre weist bereits im Außenbereich des Schlosses Kalsdorf bei Ilz auf die Thematik der Ausstellung hin, die in weit gefasstem Sinn Fragen um Konstruktion und Übertragung von wirklichen und imaginären Räumen in der zeitgenössischen bildenden Kunst behandelt. Sphäre, eine durchlässige Profilstahl-Konstruktion mit Durchmesser von 1274 cm, wurde als work in progress von 2006 bis 2008 entwickelt und entspricht der Erdproportion im Verhältnis 1:1 000 000.
Raum ist in der bildenden Kunst zunächst mit plastischer Form respektive mit Skulptur assoziiert. Über Entwicklungen der Moderne, der Avantgarden bis in die Postmoderne und angesichts des Einsatzes der Neuen Medien verlagert sich allein schon der Begriff zur so genannten erweiterten Skulptur, die die Kunstgeschichte inzwischen als vielfältige Äußerungen unter Voraussetzungen der Abstraktion, der Übertragung und Übersetzung eines ursprünglichen Raumaspektes in Bereiche des Virtuellen, Imaginären oder des medienunterstützten Konzeptkunstwerkes führt.
OPEN SKY wird vom Team des Grazer Kunstvereins Medienturm unter Leitung von Sandro Droschl realisiert. Auf drei Etagen des Schlosses Kalsdorf, auf 1500 Quadratmetern in 30 Räumen und dazu im Außenraum um das Schloss, sind zwanzig durchwegs jüngere Künstlerinnen und Künstler mit Positionen vertreten, die in letzter Zeit auf internationalen Ausstellungen präsentiert wurden und außerdem mit neuen Arbeiten, die zum Thema der Ausstellung auf Schloss Kalsdorf entwickelt werden. In Anlehnung an den Philosophen und Raumsoziologen Henri Lefebvre (La production de l’espace, Paris 1974), der über die „Wieder-Aneignung“ sozialer wie architektonischer Räume arbeitete, wird nach symbolischen Räumen beziehungsweise „emotionalen Architekturen“ gesucht, die über Vermittlung von Bildern, Klängen, Zitaten und Interventionen „distinkte“ räumliche Formulierungen eröffnen.
Entsprechend dem Leitmotiv der regionale08, Grenzen und Kongruenzen, werden mit OPEN SKY Übersetzungsphänomene eines interkulturellen Austausches über das Bezugssystem bildende Kunst gesucht und veranschaulicht. Vor allem sollen kulturhistorisch relevante Einflüsse zwischen Bildern des Nahen und Mittleren Ostens mit solchen des europäischen Raumes am nämlichen Ort der Ausstellung zur Basis von Rezeption und Diskussion werden. Dafür stehen KünstlerInnen wie die aus Kabul (Afghanistan) stammende Lida Abdul, Calin Dan aus Rumänien, die in Dhaka (Bangladesh) geborene Runa Islam, die in Los Angeles lebenden Julia Meltzer und David Thorne, der Schweizer Yves Mettler oder die Österreicher Skerbisch, Bernhard Frühwirth und der 1971 in Fürstenfeld geborene Franz Kapfer. Letzterer etwa beschäftigt sich seit einigen Jahren in dem Projekt Zur Errettung des Christentums mit Problemen um die Relevanz historischer Denkmäler. In seinen Performances, Videos und Fotoinstallationen de- und rekonstruiert Kapfer die Symbole und Monumente herrschaftlicher Macht vergangener Jahrhunderte und ironisert damit tradierte, politisch besetzte Ikonografien. Bernhard Frühwirth wurde 1968 in Bad Radkersburg geboren. Er geht in seinen zumeist zeichnerischen Arbeiten häufig von biografischen Momenten und alltäglichen Beobachtungen aus, die er mittels unterschiedlicher Verfahren in modellhafte Situationen übersetzt. Damit erzeugt er Spannungsverhältnisse zwischen Idee und Bild und schafft „die Wandlung zwischen vorstellbaren Räumen ins Unfassbare“ wie es in der Jury-Begründung zur Verleihung des Otto Mauer Preises 2006 heißt.
Open Sky - Räume jenseits ihrer Praxis
Ausstellung zeitgenössischer Kunst
Ort: Schloss Kalsdorf, Ilz
Dauer: Bis 13.9.2008
Öffnungszeiten: Sa und So, 11 - 18 Uhr
Führung (ab 6.7.2008): Sa - So 10 - 18 Uhr, alle zwei Stunden
Anmeldung zur Führung:
Festivalhotline 0800 36 20 36
festivalzentrum@regionale08.at
Formatleitung: Sandro Droschl
Assistenz: Helga Droschl & Team Kunstverein Medienturm, Graz
Zugänglichkeit: Für mobilitätseingeschränkte Personen ist der Zugang ins Schloss nicht möglich. Der Ort bietet die Möglichkeit, einige Kunstwerke im Außenraum zu besichtigen.
Eintritt frei.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Empfehlung
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