„Versteckte Öffentlichkeiten / Hidden Publics“ zeigt der Kunstverein < rotor > in fotografischen und Video-Arbeiten von dreizehn KünstlerInnen in einer Ausstellung, die von Andrea Domesle und Walter Seidl kuratiert wurde.
Es sind internationale Schauplätze, an denen über Foto- oder Videomotive das Thema Öffentlichkeit und ihre Grenzen behandelt wird. Je nach Zugang und Konzept rückt der teils dokumentarische, dann wieder konstruktive Charakter der Bildarbeiten in den Vordergrund. Fotografien, die wie Dokumente akribischer Recherche anmuten, erweisen sich als zufällig, während beispielsweise „Das 4. Land“, eine Serie von Esther Hiepler und Max Philipp Schmid, tatsächlich auf einer Expedition beruht. Einer Expedition allerdings, die in die unmittelbare Nähe der Wohnung der Künstler in Basel führte, unter der Voraussetzung, eine Reise in fremdes Gebiet zu unternehmen. Die Aufnahmen gleichen einer Erzählung, einem „Krimi ohne Handlung“ von „Industriearealen, Schrebergärten und zwielichtigen Hotelzimmern“.
Zwei augenscheinlich gleiche Fotografien von Tanja Lažetič dagegen (Berlin Zoo, 1965 – 2006) zeigen jeweils einen Löwen. Dass zwischen beiden Aufnahmen 41 Jahre vergangen sind, geht aus den Bildern allein nicht hervor. Jérôme Leuba betitelt seine durchnummerierten Arbeiten immer als „battlefield“. Wie im gezeigten Video handeln sie von Konfliktzonen beziehungsweise von latenter Gefahr. Im Kamerablick auf die verglaste Fassade eines Hochhauses werden Fenster geöffnet und undeutlich sind Personen zu sehen. Die sofort erwartete der Katastrophe bleibt aus, wenngleich die Situation an die bekannten Bilder des World Trade Centers erinnert. Ein rezentes Grenzproblem, wenn nicht den Konflikt in einer deutlich statisch wirkenden Serie, behandelt der Grazer Emil Gruber in „Do not come close and take photos“. Die Aufnahmen entstanden 2007 entlang eines 250 Kilometer langen Grenzstreifens zwischen Nord- und Südkorea, der damals nur für Ausländer im Rahmen einer geführten Tour zugänglich war – in militärisch organisiertem und nur als solches ausgewiesenen Niemandsland. Fast noch trister erscheinen im Vergleich Markus Dorfmüllers „Lager“, Außenaufnahmen deutscher Anhalte- und Abschiebestationen für Flüchtlinge und Asylwerber. Ein ästhetisches Programm dagegen ist aus den Sofortbildfotos von Walter Derungs zu lesen, der über Unschärfen und spezifische Lichtsetzungen den an sich unspezifischen Orten seiner Bilder einen beunruhigenden Gehalt von Tiefgaragen aufsetzt. Die errichtete Traumwelt einer Wohnidylle behandelt schließlich Laurence Bonvin, die in einer Gatet Comunity am Stadtrand von Istanbul „On the Edges of Paradise“ fotografierte.
„Versteckte Öffentlichkeiten“ wurde von der Kunsthalle Palazzo (Liestal, CH) initiiert und ist bis zum 19. Februar 2011 Kunstverein < rotor > in Graz zu sehen, danach in der Galerija Skuc (Lubljana, SLO) und 2011/2012 in Tschechien.
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Empfehlung
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