In loser Folge werden in der Rubrik „Raum und Zeit“ Bauten und ihre Entwicklung vorgestellt, die das Grazer Stadtbild wesentlich prägen.
Raum und Zeit 01
Das Rondo am ehemaligen Platz der Marienmühle im Bezirk Lend
Mit dem Abriss der Bauten der ehemaligen Marienmühle 2005 fand ein langes Kapitel Grazer Industriegeschichte sein Ende. Vom darunter liegenden Mühlgang gespeist, wurde hier nachweislich seit dem Mittelalter Energie erzeugt. Ende des 19. Jahrhunderts erwarb das „Jüngere Bäckermühl Konsortium“ die Mühle, bis sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts von der Bäckereidynastie Sorger übernommen wurde. Mit weiteren Zubauten zwischen 1950 und 1980 entstand nach und nach die größte Mühle in der Steiermark. 1989 wurde jedoch der Betrieb der Marienmühle wegen Unwirtschaftlichkeit eingestellt.
Nach wie vor existent und in Verwendung ist das ehemalige Kleinwasserkraftwerk der Mühle, dessen Abwärme genauso für die Energieversorgung des aktuellen Bauwerks genutzt wird wie das Erdregister des ehemaligen Mühlspeichers.
Seit 2007 steht auf diesem Platz nun das Rondo, entworfen von Architekt Markus Pernthaler, der mit der Neugestaltung des Hauptplatzes, der Helmut-List-Halle oder dem Tower am Flughafen Graz-Thalerhof schon eine Reihe markanter Bauspuren in Graz hinterlassen hat.
Das bumerangförmige Objekt zeigt sich straßenseitig mit einer spektakulären Fassade aus Polykarbonatplatten. Die Wohn- und Büroeinheiten – die Integration von Arbeit und Wohnen war ein Hauptthema bei der Gestaltung des Rondos – sind dagegen durchgehend auf den großzügigen grünen Innenhofbereich ausgerichtet. Auf Zeit an Künstler vergebene, mietfreie Ateliers runden die Nutzungsvielfalt des Gebäudes ab. Das Rondo wurde 2009 mit dem Österreichischen Bauherrenpreis ausgezeichnet und 2008 für den Architekturpreis des Landes Steiermark nominiert.
LEGENDE ZU DEN FOTOS.
1a: Rondo im Bau, Marienplatz, 2006
1b: Rondo, von Keplerstraße aus gesehen, 2010
2a: Marienmühle im Abriss, von Doblergasse aus, 2005
2b: Rondo, von Doblergasse aus ,2010
3a: Der zwischendurch stillgelegte und entleerte Mühlgang unter der Mühle, 2006
3b: Ein Innengang des Rondos oberhalb des Mühlgangs, 2009
4a: Blick in einen Schacht des ehemaligen Mühlspeichers
4b: Das heutige Kleinwasserwerk im Innenhof des Rondos, 2009
5a: Marienmühle im Abriss, von Hans-Resel-Gasse aus, 2005
5b: Detail Rondo, hinter den Polycarbonatplatten, Hans-Resel-Gasse 2009
6a: Sturmschäden an der Hülle des Rondos, Hans-Resel-Gasse, 2008
6b: Sturmschäden an der Hülle des Rondos, Mühlgasse, 2008
7a: Blick in den Hof des Rondos, Weißeneggergasse, 2006
7b: Blick in den Hof des Rondos, Weißeneggergasse, 2010
8: Pavillon im Innenhof
Das versteckte Kleinod ist eine Erinnerung an den Grazer Architekten Herbert Eichholzer. Der Lebensweg von Eichholzer war ein schillernder. Praktikant bei Le Corbusier in Paris, Mitarbeiter bei Clemens Holzmeister in der Türkei, eigene Bauten in Österreich und Deutschland genauso wie in Russland. Aktiver Kommunist, Soldat und Widerstandskämpfer, 1943 in Wien hingerichtet.
- Verfasser/in:
- Emil Gruber, Fotoessay
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