"RAUM spüren - (be)greifen - bauen" / Architekturvermittlung an Schulen

Der neue Folder „Raum spüren – (be)greifen – bauen“ zur Architekturvermittlung an Schulen wurde am Mittwoch, den 1. Juni 2005, im Kunsthaus Graz präsentiert.

06/06/2005

Der neue Folder „Raum spüren – (be)greifen – bauen“ zur Architekturvermittlung an Schulen wurde am Mittwoch, den 1. Juni 2005, im Kunsthaus Graz präsentiert.

Seit einigen Jahren fördert die Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten für Steiermark und Kärnten in Kooperation mit KulturKontakt Austria (vormals Österreichischer Kulturservice) Architekturprojekte in Schulen, die von ArchitektInnen und PädagogInnen gemeinsam durchgeführt werden.

Ziel aller noch so unterschiedlicher Projekte war und ist es, das Interesse der SchülerInnen für das Gestalten zu wecken, das Verständnis für Architektur und Baukultur auf breiter Basis zu heben und die eigene Urteilskraft zu schärfen. Dazu gehört auch der Erwerb der Fähigkeit, sich zum Thema Architektur differenzierter zu artikulieren.

Am Mittwoch, den 1. Juni 2005, wurde nun im Beisein von Landesschulratspräsident Horst Lattinger im space03, dem „Kinderbauch“ im Kunsthaus Graz, der Folder mit dem Titel „RAUM spüren - (be)greifen - bauen“ vorgestellt, der detailliert das neue Architekturvermittlungsangebot für Schulen enthält. Angeboten werden 8 Module als Projekte mit differenten Inhalten in Vermittlungseinheiten von unterschiedlicher Dauer. Sie sind das Ergebnis der Evaluierung von individuell erarbeiteten Pilotprojekten der letzten Jahre, die auf ihre altersgerechte didaktische und methodische Eignung zur Unterrichtsgestaltung hin untersucht wurden.

Die am Podium versammelten Repräsentanten aller Projektpartner – neben dem Landesschulratspräsidenten der Steiermark waren dies Barbara Feller von KulturKontakt Austria, Karl-Heinz Winkler als Repräsentant der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, Ossi Weissensteiner von taO! Theater am Ortweinplatz, Jörg Ehtreiber, Geschäftsführer des Grazer Kindermuseums und Margot Maass-Goettsberger vom Kunsthaus Graz – waren sich einig: es geht immer um Sensibilisierung der Wahrnehmung, ob im Theater, in der Wissens- oder in der Kunstvermittlung.

Landesschulratspräsident Horst Lattinger betonte die Wichtigkeit ganzheitlicher Vermittlung auf kognitiver UND sinnlicher Ebene und zeigte sich überzeugt davon, dass es nur durch Aktivieren von Hirn und Herz gelingen kann, Neugierde zu wecken. Wesentlich zum Gelingen solcher Projekte trage bei, dass SchülerInnen aus der Schule rauskommen. Daher begrüßte er ganz besonders die Kooperation mit anderen Orten, im Speziellen mit dem taO!, dem Theater am Ortweinplatz und dem FRrida & freD, dem Grazer Kindermuseum, die ihre Räume für die Abwicklung der Projekte ebenso zur Verfügung stellen wie das Kunsthaus Graz seinen space03. Ossi Weissensteiner vom taO! ortete denn auch Überschneidungen in der Begrifflichkeit bei der Architekturvermittlung an Schulen und dem, was das Jugendheater will und unterstrich Ähnlichkeiten wie das Aufbauen auf Raum- und Lichtwirkung. Ziel sei hier wie da, meinte er, andere Reize zu stimulieren, um den allgemeinen Anreiz des passiven Konsumierens zu durchbrechen. Dem konnte sich Jörg Ehtreiber von FRrida & freD, dem Grazer Kindermuseum, nur anschließen. Auch er sah mögliche Synergien aus der ab sofort beginnenden Kooperation und berichtete von der umfangreichen Zusammenarbeit verschiedenster Organisationen mit dem Kindermuseum.

Barbara Feller, die bei KulturKontakt Austria für die Sparte Architektur in den Schulen verantwortlich ist, räumte mit einem Vorurteil auf. Architekturvermittlung beschränke sich ganz und gar nicht auf den Unterricht in Bildnerischer Erziehung, sondern eigne sich als „Querschnittmaterie“ für beinahe alle Fächer und ganz vorzüglich für fächerübergreifenden Unterricht. Wichtig sei, dass man den LehrerInnen den Zugang zum Thema Architektur, das in den österreichischen Lehrplänen zwar verankert, jedoch aus Unsicherheit und Unwissenheit heraus kaum im regulären Schulbetrieb thematisiert wird, erleichtert, indem man Hilfestellung anbietet und ein Projekt gemeinsam mit einem Architekten erarbeitet und durchgeführt wird. In langjähriger Erfahrung habe sich außerdem herausgestellt, dass Architekturvermittlung nicht erst für SchülerInnen höherer Schulstufen geeignet sei, sondern im Gegenteil schon mit Kindern im frühen Volksschulalter sehr erfolgreich durchgeführt werden könne.

Der nun vorliegende Folder wurde vor rund zwei Wochen an alle Pflicht- und Höheren Schulen ausgesandt. Unter 8 unterschiedlichen Modulen kann ein/e Pädagoge/in das für seine Klasse geeignetste Angebot auswählen und um Vermittlung eines Architekten ansuchen. Das ZIVILTECHNIKER-FORUM für Ausbildung, Berufsförderung und Öffentlichkeitsarbeit sowie KulturKontakt Austria übernehmen nach Maßgabe der finanziellen Möglichkeiten gemeinsam die Hälfte der Kosten für die fachliche Betreuung eines Projektes. Um möglichst viele Klassen an der Aktion teilnehmen lassen zu können, sind von der Schule je nach Dauer des Moduls gestaffelte Kostenbeiträge (pro Schüler ca. 1 Euro pro Stunde) zu leisten. ArchitektInnen, die sich für schulische Projektarbeit zur Architekturvermittlung interessieren, können sich in einen Interessentenpool eintragen lassen. Bei Anfrage und vereinbarter Kooperation mit einer Schule bzw. einem/r Lehrer/in wird der/die vermittelnde ArchitektIn in Ablauf, Dauer und Zielvorgabe des jeweiligen Moduls unterwiesen und muss seine Arbeit mit einem Bericht abschließen.

Auch in anderen Bundesländern wird Architekturvermittlung in Schulen vermehrt angeboten. Gelingt es, diese Aktionen langfristig und flächendeckend zu verankern und jede/n Schüler/in mindestens einmal im schulischen Leben mit Fragen der Gestaltungsqualität zu konfrontieren, so wird damit nicht nur Bewertungskompetenz vermittelt, sondern auch der Grundstein für das baukulturelle Erbe von morgen gelegt.

Für nähere Informationen wenden Sie sich bitte an:

ZIVILTECHNIKER-FORUM, Mag. Pia FRÜHWIRT

Schönaugasse 7, 8010 Graz

T 0316 / 81 18 02 – 28

F 0316 / 81 18 02 - 5 pia.fruehwirt@arching.at

Weiterführende Links

file0109.jpg
Dr. Barbara Feller, KulturKontakt Austria, Hofrat Dr. Horst Lattinger, Landesschulrat für Steiermark und Architekt DI Karl-Heinz Winkler (von links nach rechts)
file0110.jpg
Architekt DI Karl-Heinz Winkler erläutert die 8 neuen Module zur Architekturvermittlung an Schulen.

Artikelempfehlungen der Redaktion