PROTOKOLL
Jurysitzung des Wettbewerbs Kastner & Öhler, Graz, am Mittwoch, den 19.10.2005
Beginn der Sitzung: 12:15 Uhr.
Der Juryvorsitzende Delugan begrüßt alle Anwesenden:
Thomas Böck, Mag. (Sachpreisrichter, Schriftführer)
Anna Haindl (Sekretärin des Schriftführers)
Gerhard Eder, Arch. DI (Vorprüfer)
Gertrude Celedin, Dr. (Fachpreisrichterin, ASVK)
Michael Kastner, Mag. (Ersatzsachpreisrichter)
Peter Böck, Dr. (Ersatzsachpreisrichter)
Bernd Priesching, DI (Vorprüfer)
Klemens Klinar, DI (Ersatzfachpreisrichter, Stadtplanung)
Michael Redik, DI (Fachpreisrichter, Vorstand Stadtplanung)
Volker Giencke, Univ. Prof. Arch. DI (Ersatzpreisrichter, ASVK)
Hans Schullin, Dr. (Sachpreisrichter Grazer Wirtschaft)
Daniele Marques, Univ. Prof. Dipl. Arch. ETH SIA BSA (Fachpreisrichter)
Martin Wäg, Mag. (Sachpreisrichter)
Friedrich Mascher, Arch. DI (Fachpreisrichter als Ersatz für Arch. DI Erich Steinmayr, AIK)
Roman Delugan, Arch. Mag. arch. (Fachpreisrichter, Juryvorsitzender)
Folgende beratende Mitglieder der Jury bzw. deren Ersatzvertreter sind nicht erschienen:
Friedrich Bouvier, HR Dr. DI ( Landeskonservator Steiermark)
Wilfried Lipp, HR Univ.Doz.a.o.HProf. Dr.phil. (Präsident ICOMOS Österreich)
Nach Rückfrage an die Juryteilnehmer stellt der Vorsitzende die Vollzähligkeit des Gremiums und die Unbefangenheit der Juroren fest.
Der Vorsitzende weist noch einmal eindringlich auf die Verschwiegenheitspflicht aller Anwesenden hin und betont ausdrücklich, dass während der Sitzung keine Informationen nach außen dringen dürfen.
Der Bauherr legt die Ziele von Kastner & Öhler dar:
die Erweiterung der Verkaufsfläche, die Optimierung der inneren Erschließung, die Verlegung des Gastronomiebereiches vom Haus auf das Dach und folglich einer Gesamtverbesserung der bestehenden Dachsituation.
Der Vorsitzende ersucht den Vorprüfer die Projekte vorzustellen.
Der Vorprüfer erklärt, dass 17 Teilnehmer eingeladen wurden, davon 14 Projekte rechtzeitig eingelangt sind. 3 Teilnehmer haben abgesagt:
Bei Projekt 9 wurde eine CD mit animiertem Film verspätet nachgereicht, was als nicht ausschreibungskonform gewertet wird - die Jury schließt diese Beilage vom weiteren Verfahren aus.
Anschließend werden die Projekte vom Vorprüfer in einem Rundgang vorgestellt.
Pause
Klinar (Ersatzpreisrichter), verlässt die Sitzung um 14.35 Uhr
Erneuter Beginn der Sitzung: 14:45 Uhr
Anhand der Einsatz-Modelle werden allgemeine städtebauliche Kriterien (u.a. Details wie Profilüberschreitung bzw. die Notwendigkeit von Adaptierungen) diskutiert. Bedenken der ASVK und der Stadtplanung werden allgemein besprochen.
Zwischen 14:50 Uhr und 15:55 Uhr ist Dr. Georg Eisenberger (Ersatzpreisrichter) anwesend.
Um 16:00 Uhr bittet der Vorsitzende zum 2. Rundgang mit einer vertieften Diskussion über städtebauliche, dachgestalterische und funktionelle Aspekte der Projekte. Anschließend erfolgt die erste Abstimmung, wobei nur eine Stimme für den Verbleib des Projektes ausreicht.
Projekt Nr. 1 = scheidet aus
Projekt Nr. 2 = bleibt
Projekt Nr. 3 = bleibt
Projekt Nr. 4 = bleibt
Projekt Nr. 5 = bleibt
Projekt Nr. 6 = scheidet aus
Projekt Nr. 7 = bleibt
Projekt Nr. 8 = bleibt
Projekt Nr. 9 = scheidet aus
Projekt Nr. 10 = bleibt
Projekt Nr. 11 = bleibt
Projekt Nr. 12 = bleibt
Projekt Nr. 13 = bleibt
Projekt Nr. 14 = bleibt
Für eine weitere Bewertungsrunde macht der Vorsitzende den Vorschlag, die Projekte mit nur einer Stimme zu diskutieren. Nur wenn sich eine weitere Stimme findet, verbleibt das Projekt und wird ansonsten ausgeschieden. Dieser Vorschlag wird angenommen.
Die zweite Abstimmung beginnt mit
Projekt Nr. 12 = scheidet aus
Projekt Nr. 10 = scheidet aus
Projekt Nr. 6 = scheidet aus
Projekt Nr. 5 = scheidet aus
Projekt Nr. 3 = bleibt
Projekt Nr. 8 = bleibt
Folgende Projekte bleiben im Bewerb:
Projekt Nr. 2
Projekt Nr. 3
Projekt Nr. 4
Projekt Nr. 7
Projekt Nr. 8
Projekt Nr. 11
Projekt Nr. 13
Projekt Nr. 14
Nach Umbau der Ausstellung - neuerlicher Beginn der Jurysitzung um 17:10 Uhr.
Da keines der Projekte im vorliegenden Bearbeitungsgrad eine in allen Punkten zufriedenstellende Lösung anbietet, wird vom Vorsitzenden eine Diskussion über ein anschließendes, zweites Verfahren eröffnet.
Folgende Punkte werden erörtert:
• Die Zusammensetzung der Jury bleibt bestehen.
• Nach einem Hearing / Briefing werden 3 – 5 Projekte zur weiteren Überarbeitung gebeten.
• Die Anonymität wird in diesem zweiten Verfahren aufgehoben.
Der Auslober möchte zunächst rechtliche Fragen im Zusammenhang mit der WOA, den Verfahrenskosten, der Verschwiegenheitspflicht geklärt wissen, bevor er diesem Vorgehen endgültig zustimmen kann.
Der Fachjuror der Kammer und der Vorprüfer werden beauftragt, diese Fragen mit der AIK vor dem neuerlichen Beginn der Sitzung am nächsten Tag zu klären.
Die verbliebenen Projekte werden erneut aus der Sicht von Stadtplanung und ASVK diskutiert. Dabei wird auf die Hauptkriterien der Stadtplanung – städtebauliche Tunlichkeit, Einfügung ins Ortsbild und Untersuchung des Raumprogramms auf Reduktion – eingegangen.
Die vorwiegenden Kriterien der ASVK – die festgelegten Bearbeitungsgrenzen, die Gliederung des Baukörpers/Daches und die Eigenständigkeit der Lösung werden ebenfalls eingehend diskutiert.
Besonderer Schwerpunkt dieser zweiten Runde ist die intensive Auseinandersetzung der Jury mit der von den Projektant/innen vorgeschlagenen inneren Funktionalität des Kaufhauses und der Blick auf die Gesamtlösung dieses höchst heterogenen Gebäudes.
Diskutiert wurden daher die Projekte 2, 3, 4, 7, 8, 11, 13 und 14.
Um 19:10 Uhr verlässt Marques die Jury
Nach dieser Diskussion bedankt sich der Vorsitzende bei allen Teilnehmern, fixiert die Fortsetzung für den nächsten Tag um 10:00 Uhr und schließt die Sitzung um 19:30 Uhr.
Fortsetzung der Jurysitzung am Donnerstag, den 20.10.2005:
Beginn des Sitzung: 10:10 Uhr.
Der Vorsitzende begrüßt alle Anwesenden und erbittet einen Bericht über das Gespräch mit der AIK.
Der Fachjuror der AIK erläutert, dass eine rechtlich abgesicherte Vorgehensweise nur darin bestehen kann, ein eindeutiges Ergebnis beim laufenden Verfahrens zu erzielen.
Der Auslober erklärt sich zu einem weiteren Verfahren bereit, wenn von Seiten der Stadt Graz eine politische Zustimmung gegeben ist.
Weiters erklärt sich der Auslober bereit, auch das kommende Verfahren mit gleicher Jurybesetzung durchzuführen.
Ein Ergebnis ist bis Mitte Dezember anzustreben.
Für die Überarbeitung soll den entsprechenden Projektant/innen eine finanzielle Entschädigung ausgehändigt werden.
Der Vorsitzende dankt dem Bauherren für seine offene und kooperative Herangehensweise und für die Bereitschaft zur Honorierung der Überarbeitung.
Es erfolgt ein neuerlicher Rundgang mit Bewertung der Projekte.
Um 11:50 Uhr trifft Eisenberger ein.
Projektbeschreibungen:
Die Beurteilung der Jury erfolgt nach zwei wesentlichen Kriterien: Zum einen die Qualität der städtebaulichen Lösung und Einbindung und zum zweiten die funktionelle Schlüssigkeit im Hinblick auf die interne Organisation.
Projekt 2:
Beschreibung: siehe Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Projekt 3:
Beschreibung: siehe Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Projekt 4:
Das Projekt schlägt einen gestaffelten Dachaufbau vor, der die vorgegebenen Grenzen nicht überschreitet. Fraglich bleibt, ob dieser Dachkörper dem Komplex Kastner & Öhler als Gesamtmasse entsprechen kann.
Diskussion der Gesamtlösung:
Das vorgeschlagene Staffelgeschoß bietet eine eher zurückhaltende großstädtische Lösung an, die in der gegebenen Situation als nicht erwünschte „anonyme Architektur“ in Erscheinung treten würde.
Der vorgeschlagene Einschnitt (Atrium) wird als essentieller Bestandteil des Projektes angesehen, allerdings entspricht die Durchwegung des Gebäudes nicht den verkaufsstrategischen Anforderungen. Der Eingriff in die Bausubstanz erscheint zu kostenintensiv, ein etappenweiser Umbau wird als unrealistisch in Frage gestellt.
Projekt 7:
Der hier vorgeschlagene Ansatz einer Einfügung des Körpers in die Stadtlandschaft wird positiv bewertet, zumal diese dezidiert als weitere, für die Bevölkerung bespielbare, zum verweilen einladende „Stadtebene“ verstanden wird.
Die Lösung, an der Nordkante des bestehenden Baus einen eigenständigen Baukörper aufzusetzen bzw. diesen als bewusste Zäsur zum bestehenden Kaufhaus zu formulieren, wird vom Großteil der Jury als einzigartig und sehr positiv bewertet.
Diskussion der Gesamtlösung:
Dieses Projekt weist durchaus typologische Qualitäten auf, denen allerdings funktionelle Mängel entgegenstehen: Die vorgeschlagenen Eingriffe (z.B. „short cut“) werden von der Jury als nicht gerechtfertigter Aufwand beurteilt. Diese stellen keine Optimierung dar, sondern führen vielmehr zu einer Störung des Betriebes und des internen Ablaufs.
Die Entscheidung an dieser Stelle für einen vordergründigen Einsatz von Holz, wird als befremdlich angesehen und wirkt nicht überzeugend.
Projekt 8:
Vorgeschlagen wird eine entwicklungsfähige, mit „Schirmdächern“ gegliederte Dachlandschaft. Diese Gliederung ist überzeugend dargestellt. Allerdings wird bemängelt, dass die Terrassenkonfiguration nicht ausreichend durchdacht wurde und zu wenig auf die städtische Umgebung eingeht. Modelldarstellung und präsentierte Perspektiven gehen nicht schlüssig zusammen.
Diskussion der Gesamtlösung:
Die Erschließung des Dachgeschoßes erscheint einfach und logisch. Die Jury geht allerdings davon aus, dass sich die auf den Plänen vermittelte „Leichtigkeit“, bei einer Realisierung als nicht umsetzbar erweisen würde, da Haustechnische Maßnahmen, Lüftung etc. einer derartigen Anmutung nicht Rechnung tragen können.
Ein wesentlicher Kritikpunkt liegt darin begründet, dass auch unterschiedliche funktionale Nutzungen einer einzigen architektonischen Sprache untergeordnet und daher nicht lesbar sind. Das als positiv bewertete heterogene Erscheinungsbild der „Schirmdächer“ wirft die Frage auf, warum die große Terrasse als undifferenzierte Ebene unangetastet bleibt und nicht durch eine ähnliche Gliederung aufgewertet wird.
Projekt 11:
Beschreibung: siehe Empfehlung zur Weiterbearbeitung.
Projekt 13:
Das Projekt sieht einen großflächigen Aufbau vor, der ein einheitliches, jedoch durch Einschnitte strukturiertes Dach über dem Gesamtkomplex vorschlägt.
Diskussion der Gesamtlösung:
Die Dachhülle ist sorgsam konzipiert und überzeugt in gestalterischer Hinsicht. Das Projekt verliert jedoch an Qualität in der Bewertung der vorgeschlagenen Grundriss-Lösung: Dies bezieht sich sowohl auf die Konfiguration des Regelgeschosses, als auch auf die Positionierung der langen Rampenerschließung. Hier entstehen extreme Verkehrswege, die eine optimale Funktionalität nicht gewährleisten. Da das Element der Rampe als wesentliches architektonisches Parameter des Entwurfs angesehen wird, erscheint eine Überarbeitung als nicht sinnvoll.
Projekt 14:
Beschreibung: siehe Empfehlung zur Weiterbearbeitung
Danach wird eine Diskussion über die weitere Vorgehensweise, insbesondere aus Sicht der Stadtplanung eröffnet, da zu dem Zeitpunkt der Sitzung von der Stadt noch in keinem Fall eine positive Zustimmung erteilt wurde.
Die Stadtplanung bittet um fachliche Unterstützung bei der Einschätzung der verbliebenen Projekte. Von Seiten der Fachjuroren wird auf die städtebauliche Integration und die architektonischen Qualitäten der Projekte ausführlich eingegangen.
Nach einem neuerlichen Wertungsdurchgang ergibt sich folgendes Ergebnis (Ausscheiden durch Mehrheitsabstimmung):
Projekt 4 (5:3) ausgeschieden
Projekt 13 (7:1) ausgeschieden
Projekt 7 (7:1) ausgeschieden
Projekt 8 (5:3) ausgeschieden
Projekt 3 (5:3) ausgeschieden
Projekt 2 (1:7) bleibt
Projekt 14 (1:7) bleibt
Projekt 11 (3:5) bleibt
Um 13:30 Uhr verlässt Klinar die Sitzung
Um 14:10 Uhr Fortsetzung der Sitzung. Der Vorsitzende bedauert, dass die Stadtplanung in vielen Punkten dagegen gestimmt hat und gibt der Hoffnung Ausdruck dennoch einen Konsens zu erzielen. Er verweist auf die Tatsache, dass es keinen Erstgereihten gibt und betont die architektonischen Qualitäten der ausgewählten Projekte, deren Mängel im Hinblick auf Funktionalität, stadtgestalterische Aspekte und Oberfläche aber zu berücksichtigen sind. Das Potential für eine Überarbeitung ist jedoch bei allen Projekten gegeben.
Die Juroren stimmen ab:
7 Prostimmen, 1 Stimmenthaltung für die endgültige Auswahl der 3 Projekte zur Überarbeitung.
Für das Projekt 3 wird ein Rückholantrag gestellt.
Der Vorsitzende lässt über diesen Antrag auf Rückholung abstimmen: (5:3) für die Aufnahme zur Weiterbearbeitung
Der Vorsitzende schlägt vor, die ausgezeichneten Teilnehmer zu informieren und zur Überarbeitung einzuladen, mit der Bedingung mit den jeweiligen Projekten in keiner Weise an die Öffentlichkeit zu treten, da ansonsten ein Ausschluss vom anschließenden Verfahren erfolgen muss.
Es wird festgelegt, dass alle 14 Teilnehmer vereinbarungsgemäß je € 7.500,00 netto als Aufwandsentschädigung zugewiesen bekommen.
Auf Beschluss wird das Preisgeld auf die vier Ausgezeichneten aufgeteilt. Diese erhalten jeweils € 6.250,00 Preisgeld.
Als Bearbeitungsgebühr für das anschließende Verfahren werden bei vollständig vorliegendem Projekt € 10.000,00 netto pro Teilnehmer ausbezahlt.
14:55 Uhr verlässt Schullin die Sitzung
Delugan öffnet die Kuverts und verkündet die Teilnehmer.
Die Preisträger:
Projekt 2 Wiel Arets
Projekt 3 Saiko – Gangoly
Projekt 11 Dietger Wissounig
Projekt 14 Fuensanta Nieto / Enrique Sobejano
Die weiteren Teilnehmer:
Projekt 1 Dominique Perrault
Projekt 4 Paul Katzberger
Projekt 5 Rolf Seifert
Projekt 6 Leitner / Pretterhofer / Simbeni
Projekt 7 Alfred Bramberger
Projekt 8 Riegler – Riewe
Projekt 9 Idris / Leb / Tatjana Bilbao
Projekt 10 Dietrich / Untertrifaller
Projekt 12 Szyszkowitz-Kowalski
Projekt 13 Markus Pernthaler
Um 15:15 Uhr verlässt Dr. Peter Böck die Sitzung.
Abschließende Besprechung der Projekte mit Beurteilung der jeweils positiven und negativen Aspekte des eingereichten Entwurfs und Überarbeitungsempfehlung:
Bei allen Projekten wird in der weiteren Bearbeitungsphase, eine schlüssige Argumentation im Hinblick auf die „städtebauliche Tunlichkeit“ lt. Forderung der Preisrichter der Stadtplanung gewünscht.
Die Stellungnahme der Preisrichter ASVK ist bei den jeweiligen Projekten angemerkt.
Für die Überarbeitung werden drei verschiedene Perspektiven mit festgelegten Standorten gefordert: Blick vom Mariahilferplatz, außerdem vom Schlossbergsteig in Höhe der Dächer und die jetzt bereits nachzuweisende Sichtbeziehung vom Schlossberg.
Projekt 2:
Ein wesentlicher und positiv bewerteter Aspekt dieses Projekts ist die schlüssige Vermittlung einer „großen Einheit“, die sowohl städtebaulich als auch inhaltlich gut funktioniert.
Der Beitrag greift die Eleganz eines klassischen großstädtischen Warenhauses auf, das in einer zeitgenössischen Interpretation zitiert wird und als tragender Entwurfsparameter gewertet wird.
Die Transparenz der Hülle ist zwingend und deren dargestellte pulsierende Leichtigkeit ist unbedingt anzustreben. Den Projektant/innen wird die Professionalität und Erfahrung in der Umsetzung zuerkannt.
Für die Stadtplanung erscheint dieses Projekt als nicht vorstellbar, da sie nicht von einer Anhebung des gesamten Daches ausgegangen ist.
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Diskussion der Gesamtlösung:
Die Dachhaut wird kontrovers diskutiert, da deren Anmutung sowohl als sich leicht bewegende dreidimensionale Hülle gelesen werden kann, als auch als „Kiste“, die ohne Faltung, lediglich mit zwei Gefällen die Dachlandschaft besetzt.
Die Jury kommt überein, dass eine endgültige Beurteilung im gewählten Modellmaßstab nicht schlüssig zu klären ist.
Hervorzuheben ist jedoch die angestrebte Qualität der räumlichen Atmosphäre und die Eigenständigkeit der vorgelegten Lösung. Die Grundrisse weisen eine höchste Flexibilität auf, sind jedoch im Hinblick auf eine einfachere Umsetzung der Terrassen bzw. Wintergärten zu überprüfen.
Überarbeitungsempfehlung:
Das große Potential dieses Projekts besteht hier in der Annahme, dass die historische Bedeutung der Markthalle in einer zeitgemäßen Neuinterpretierung charakteristisch Position beziehen kann. Die Durchdringung des Daches mit der innenräumlichen Erschließung und deren behutsame Aufweitung nach oben betonen das Erscheinungsbild des Gesamtkomplexes.
Die Jury sieht allerdings in der Ausbildung des Netzwerkes Überarbeitungspotential und schlägt vor, dieses weitergehend dreidimensional zu entwickeln. So könnte dessen Anmutung differenzierter erscheinen, unterschiedliche Verdichtungen aufweisen bzw. von verschiedenen Öffnungen, in Form von Freiräumen und Terrassen durchdrungen werden, die nicht nur Einfluss auf das äußere Erscheinungsbild haben, sondern auch auf die gezielte Wahrnehmung von innen nach außen. Die Jury erwartet sich in der weiteren Überarbeitung konkrete Aussagen zur Pflege und Wartung, als auch zur thermischen Kontrolle des Raumklimas. Im Hinblick auf eine interne funktionale Logik, sind die Kreuzungspunkte von Personal- und Kundenverkehr im Restaurant zu überarbeiten. Die vorgeschlagene Drehung der Rolltreppenpositionierung im ursprünglichen Haupthaus wird zwar als wohldurchdachter Vorschlag einer räumlich inszenierten Wegführung anerkannt und als besonders attraktiv im Erdgeschoss angesehen, sollte jedoch aufgrund der gegebenen Statik hinterfragt werden.
Projekt 3:
Das Projekt überschreitet in der Ausdehnung die vorgegebenen Bearbeitungsgrenzen, die Höhenentwicklung bleibt zwar im Rahmen lässt aber den Eindruck eines lediglich aufgesetzten Geschosses entstehen, dessen Verbindung nach unten nicht gegeben ist.
Diskussion der Gesamtlösung:
Die vorgeschlagene Dachlösung erscheint ortsfremd und weist städtebauliche Mängel auf. Die Jury befürchtet, dass eine derartige Dachkonfiguration lediglich als zwei Flachdächer mit vereinzelt heraustretenden Kuben in Erscheinung tritt. Der Formenkanon der Umgebung wird aufgenommen, scheint aber in der Ausformulierung zu angepasst. Die Grundidee der Querbeziehung kann im Dachgeschoss nicht konsequent umgesetzt werden.
Die internen Bezüge der Kaufhausebenen werden von der Jury positiv hervorgehoben, sollten jedoch auch eine höhere funktionale Durchlässigkeit aufweisen. Die einseitige Orientierung des Restaurants zum Schlossberg hin, wird kritisch beurteilt.
Überarbeitungsempfehlung:
Das Projekt thematisiert das Warenhaus im Sinne des „grand magazin“ mit einer sich differenziert durchziehenden Offenheit und räumlichen Bezügen in allen Geschossen und erzielt damit eine gute Orientierung für den Kunden beim Weg hinauf. Die Jury ist der Meinung, dass eine konsequente Weiterführung dieser Verschränkung auch im Dachbereich weiterentwickelt werden und der Aspekt der inneren Transparenz bis hinauf zum Dach zum Tragen kommen müsste.
Des Weiteren sollte sowohl die Orientierung der Terrassen, als auch die Materialwahl überarbeitet werden und im weiteren Verlauf Aussagen zur Wartungsfähigkeit getroffen werden.
Aus Sicht der ASVK ist das Projekt wie vorgelegt nicht konsensfähig, da es die von dieser Seite vorgegebenen Grenzlinien überschreitet und nicht dem Einfügegebot entspricht.
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Projekt 11:
Die Abstände im Hinblick auf die vorgeschriebenen Grenzlinien werden nicht eingehalten, dadurch erscheint der Dachaufbau besonders massiv vom Mariahilferplatz aus gesehen, da im Norden der Körper sehr deutlich die gedachte Grenzlinie überschreitet. Die vorgeschlagene Aufstockung mit 3000m2 Dachfläche wird ausführlich diskutiert, insbesondere da dieses Projekt als einziges zum Dachrand hin ansteigende Flächen aufweist. Die „Durchlöcherung“ des Daches erscheint fraglich, wenn diese lediglich als „Anhäufung“ von Dachflächenfenstern umgesetzt wird. Zweifelhaft ist auch, ob eine derartige Perforierung tagsüber ein wirksames Mittel der Strukturierung darstellt.
Diskussion der Gesamtlösung:
Im vorliegenden Beitrag wird das oberste Geschoss als Terrassengeschoss ausgebildet, das prägnante Öffnungen mit introvertierten inneren Zonen verbindet. Gerade diese Innenhöfe setzen die Dachkonfiguration in eine spannungsvolle Beziehung nach unten und können den Warenhauscharakter betonen. Allerdings wird die Frage aufgeworfen, ob derartig viele Öffnungen tatsächlich notwendig sind. Der Grundriss überzeugt durch eine gute Funktionalität, durch angemessen strukturierte Bereiche und eine optimale Orientierung im Erschließungsfoyer für den Besucher.
Die gefaltete Dachfläche, lässt vielfältige Schattierungen und Gliederungen zu, wobei deren unterschiedlich angelegte Farbigkeit jedoch auch als oberflächliche Applikation gelesen werden kann. Der Körper kann, zu dessen Nachteil, in seiner Anmutung auch aufgesetzt wirken, ähnlich dem „centre court in Flushing Meadows“. Überzeugend sind aber zweifellos die Ausrichtungen der Terrassen und die konsequente Aufnahme der entscheidenden Sichtachsen.
Überarbeitungsempfehlung:
Als positiv wird die Bespielung des ganzen Gebäudes bewertet, die einem schlüssigen Entwurfsgedanken folgt: Dies äußert sich vor allem in den lichtgeführten Rolltreppenanlagen bis hin zur übergreifenden Geste der verschieden geneigten Pultdächer. Der Gedanke dieses in die Gebäudestruktur eingreifenden Lichtflusses ist richtig, könnte jedoch konsequenter und stärker ausgebildet werden, da dessen Funktionieren zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht wirklich gesichert erscheint.
Zu präzisieren ist demgemäß auch die Lichtführung- und Stimmung im Restaurantbereich. Hier entstehen durch die Lage der Oberlichter und die unterschiedliche Größe der Leuchtkörper „Mischlichtsituationen“. Eine Überarbeitung der vorgeschlagenen Oberlichter ist aufgrund der Projektqualität vorstellbar. Allerdings ist eine effizienter wirkende Gliederung der Dachfläche bis hin zur Materialität anzustreben, bei gleichzeitiger Gewährleistung einer einheitlichen Erscheinung.
Die besondere Qualität der mehrseitigen Ausrichtung auf die wesentlichen Blickpunkte Rathaus, Schlossberg und Kunsthaus wird von der Jury positiv hervorgehoben.
Aus Sicht der ASVK ist das Projekt wie vorgelegt nicht konsensfähig, da es die von dieser Seite vorgegebenen Grenzlinien überschreitet.
Projekt 14:
Das Projekt überschreitet die Grenze zur Sackstraße und erscheint partiell zu hoch. Eine Überschreitung der Höhe im Bebauungsplan bedarf aus Sicht des Genehmigungsverfahrens einer 2/3 Mehrheit im Grazer Gemeinderat, heißt einer Zustimmung auf politischer Ebene. Ob eine solche zu erwirken ist, ist zum jetzigen Zeitung nicht abzuschätzen.
Diskussion der Gesamtlösung:
Die große Qualität des Projekts besteht in den nach Norden orientierten Abtreppungen, die mehrere Geschossen einbeziehen und zwischen diesen räumliche Bezüge schaffen. Hier wird eine überzeugende Figur im Einklang mit dem gewachsenen Bestand erzeugt, die mit der Heterogenität der Stadtstruktur korrespondiert.
Die Öffnungen werden so gewählt, dass indirektes Licht ohne Sonnenschutzmaßnahmen eindringen kann. Die tiefer liegenden Terrassen spiegeln die Zwischenräume und Gassen der gegebenen Stadtsituation wieder. Fraglich bleibt allerdings, ob die Terrassen nicht zu sehr als Restflächen in Erscheinung treten und ein zu großes Gefühl der Enge erzeugen, die entgegen der großzügigen Wirkung der Gesamtanmutung, die Aufenthaltsqualität mindert.
Überarbeitungsempfehlung:
Der wesentliche Zugang dieses Projekts ist es die gesamte Markthalle als architektonischen Ausdruck zu etablieren, der auf der Ortsbezogenheit und Maßstäblichkeit der mittelalterlichen Stadtstruktur von Graz basiert. Der gesamte Baukörper kann bereits als historisches Monument verstanden werden, wird von dem vorliegenden Beitrag in der Entwicklung weitergeführt und ist in der präsentierten Figur kongruent. Diese wirkt als signifikantes Zeichen und stadträumlich gesehen als Solitär.
Eine Überarbeitung unter Berücksichtigung der spezifischen klimatischen Bedingungen von Graz und einer damit verbundenen sommerlichen Nutzung bei hiesigen kühleren Temperaturen wird angeraten. Bezugnehmend auf die entsprechenden Kundenwünsche wird empfohlen, die Terrassen und Ausblicke zu optimieren. Die großzügige Geste des Innenraums muss auch mit den Außenräumen als Orte der Begegnung transportiert werden.
Die Innenraumkonzeption ist überzeugend und gut gelöst, erscheint teilweise jedoch recht sakral und könnte vermehrt Außenbezüge aufweisen.
Aus Sicht der ASVK ist die Dachform selbst konsensfähig, nicht jedoch im Hinblick auf die vorgeschriebenen Grenzen und deren Überschreitung.
Der Vorsitzende informiert die Gewinner und teilt Ihnen mit, dass in etwa zwei Wochen ein Hearing/Briefing stattfinden und zudem die Überarbeitung honoriert wird. Ein Ergebnis wird für Mitte Dezember angestrebt. Auf die Verschwiegenheitspflicht bezüglich der Projekte wurde explizit hingewiesen.
Die Termine für das Hearing werden vom Vorprüfer koordiniert.
Um 16:45 Uhr wird die Sitzung vom Vorsitzenden geschlossen.
Der Schriftführer
Mag. Thomas Böck