PROJEKTBESCHREIBUNGEN > Wettbewerb Heilpädagogische Station in Graz-Wetzelsdorf entschieden

Die Jury hat den Wettbewerb für die Heilpädagogische Station in Graz-Wetzelsdorf entschieden; den 1. Preis erhält das Architektenteam Andexer Moosbrugger.

15/03/2006

PROJEKTBESCHREIBUNGEN:

(Auszug aus dem Juryprotokoll)

1. PREIS > Architektenteam Andexer Moosbrugger, Graz

_ Städtebauliche Gesamtlösung:

Die Anordnung der beiden Baukörper in Bezug zur Villa und zum vorhandenen Gelände ist in städtebaulich feinfühliger Form erfolgt. Die Erschließung der einzelnen Funktionen ist übersichtlich und sauber getrennt und ermöglicht dadurch auch einen gut bespielbaren Platz zwischen allen Baukörpern, was als sehr positiv beurteilt wird. Mit dem „Campo“ hat man einen gemeinsamen Platz für soziale Kontakte im Freibereich. Diese gemeinsame Kommunikationsebene bietet eine barrierefreie Erschließung aller Einrichtungsteile.

Der Sportplatz ist erhalten, der Turnsaal wird sensibel in den Hang eingefügt, wobei die Erschließung und Belichtung sehr gut gelöst sind. Die verbleibenden Restflächen sind ausreichend für die Freizeitgestaltung der Kinder dimensioniert.

_ Funktional:

Die entwickelten Baukörper sind maßstäblich für die Nutzung konzipiert, die einzelnen Bereiche (stationäre Gruppen, Tagesklinik, Ambulanz, Therapie) sind gefühlvoll durchgearbeitet. Der Schulbereich und die Verwaltung im Altbau lassen für die bestehende Bausubstanz eine wirtschaftliche Umnutzung erwarten.

Die Wohnungen werden mit guten Grundrissen zum „Durchwohnen“ vorgeschlagen. Raumkonfiguration mit gekonnter Zonierung und als räumliche Filter angedacht, sowie die Nischenbildungen gewähren den Nutzern bestmögliche Bedingungen.

Die Therapie am Dachgeschoss ist sehr prominent positioniert, wobei sie als „abgehobene“ Funktion sehr gut geeignet für den Bereich der Psychotherapie erscheint.

Die Bearbeitung der Baukörperhülle entspricht nicht ganz der konsequenten Bearbeitung im Grundriss. Die Darstellung insgesamt wirkt sperrig. Die Jury ist jedoch von der perfekten und der Aufgabe angemessenen funktionalen Lösung überzeugt.

_ Empfehlungen des Preisgerichtes zur Weiterbearbeitung des Siegerprojektes:

Der entwerferische Ansatz zeugt von Können und bewusstem Umgang mit dem Vorhandenen. Was fehlt ist die architektonische Aussage über den transformatorischen Gehalt zur Vermittlung der Inhalte. In der weiteren Bearbeitungs- und Planungsphase gilt es daher die seitens des Bauherrn und der Nutzer eingeforderte Gebäudehülle auch zu instrumentalisieren.

Die Schule im Bestandsobjekt ist sehr angenehm gelöst. Dennoch bleibt zu berücksichtigen, dass die Belichtungsvoraussetzung in diesem Objekt derzeit noch unbefriedigend ist. Es müssen daher alle maßvoll zu entwickelnden Mittel nicht zu letzt als Botschaft an die kleine, junge Generation eingesetzten werden.

2. PREIS > Architekt DI Adolf Schmölzer, Graz

Durch die Anordnung der Baukörper, orientiert Richtung Bestandsobjekt, wird ein sehr großer Platz freigehalten. Die private Spielbereichssituation wird dadurch sehr qualitativ. Ein aulaartiges Angebot mit Sitzstufen wird mit einer sehr hohen Aufenthaltsqualität bewertet. Dennoch entsteht durch die Baukörperstellung selbst städtebaulich eine sehr enge Lösung. Die Villa wird als solitäres Element nicht zum „Mitspieler“.

Die Aufteilung in halb-öffentlich und intim wird als angenehm beurteilt. Das Grundstück erhält Privatheit, der öffentliche Bereich wird von außen bespielt. Der Zugang zur Ambulanz stellt eine sehr gute Lösung dar.

Die Wahl der Mittel für die Schule ist angemessen.

Nach außen hin wirkt die gesamte Baumassenverteilung reserviert. Problematisch gesehen wird aber grundsätzlich die Massierung der Baukörper. Die Nähe einer Wohngruppe zur Krottendorfstraße, sowie jener Baukörper, der die Therapiebereiche der Stationen beherbergt, werden städtebaulich in Frage gestellt.

Das Gelände wird in seiner Wildnis belassen, was sehr positiv beurteilt wird.

Das Projekt wird als ein sehr sensibles Projekt verstanden – auch in der Darstellung, nachteilig ist und bleibt der Zwangspunkt der Enge.

3. PREIS > Architektenteam dreiplus federspiel, Graz

Der städtebauliche Ansatz wird gut beurteilt, da die Situation des gesperrten Freibereiches hier nicht entsteht. Maßstäblich wurde auch hier sehr feinfühlig gearbeitet. Die Architektursprache ist klar und das Bestandobjekt sehr gut eingebunden.

Fraglich aber ist, ob der Zwischenraum tatsächlich als Spiel- / Freizeitplatz ansprechend genug ist, da aus den Plangrundlagen nicht eindeutig abgelesen werden konnte, wie die Situation in Bezug zur topographischen Voraussetzung funktioniert.

Die Gang / Zimmeranordnung wirkt sehr streng und „schlurfig“. Die Privatheit hätte zwar eine gewisse Qualität, wurde aber nicht zu Ende geführt. Die lange Innengangerschließung wird funktionell daher als Schwachpunkt beurteilt.

Die Privatheit des Schulhofes wird positiv bewertet, der demokratisch gewählte Zugang ist dabei gut gelöst. Allerdings verhindert die Baukörperstellung eine Besonnung von Südwesten.

In der Flächenbilanz ist das vorgelegte Konzept einer kompakten Anlage sehr wirtschaftlich.

Die städtebauliche Struktur ist maßstäblich gedacht und reagiert gut auf das bestehende Gebäude.

Es wird ein an sich schlüssiges Konzept verfolgt, das in klar strukturierter Weise auf das vorgegebene Raumprogramm reagiert, in seiner Ausformulierung letztlich jedoch als etwas zu technokratisch gesehen wird.

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