PROJEKT MARIENMÜHLE

Eineinhalb Jahre Projektplanung und ein halbes Jahr Planungsphase gingen der Pressekonferenz von Arch. Pernthaler, Baumeister Ortis und den Geschäftsführern Krainer und K

09/03/2005

Eineinhalb Jahre Projektplanung und ein halbes Jahr Planungsphase gingen der Pressekonferenz von Arch. Pernthaler, Baumeister Ortis und den Geschäftsführern Krainer und Königsberger von der ÖWGES voraus, die am Montag im Baucontainer am Standort Marienmühle stattfand.

Nach 15-jährigem Dornröschenschlaf wird das 8000 m2 große, städtebaulich äußerst interessante Gebiet der Marienmühle zwischen Keplerstraße, Idlhof-, Mühl, und Hans-Resel-Gasse durch ein für Graz und den städtischen Wohnbau insgesamt äußerst innovatives Projekt aufgeweckt.

Der Mühlenstandort am rechtsseitigen Mühlgang ist seit dem 15. Jahrhundert nachweisbar, und wurde 1898 vom 1848 gegründeten Jüngeren Bäckermühl-Consortium erworben. Aus dieser Zeit stammen auch die ältesten der nun abgerissenen Industriegebäude, die übrigen Teile der Anlage wurden in den 1950er, 60er und 70er Jahren errichtet. Anfang des 20. Jahrhunderts wechselte die Marienmühle in den Besitz der Grazer Familie Sorger, die die Marienmühle bis 1989 betrieb.

Nach jahrelangen Gesprächen mit Interessenten, die aber zu keinem konkreten Ergebnis führten, wurde der Grazer Architekt Markus Pernthaler von der Familie Sorger mit der Ausarbeitung einer Projektstudie für die Marienmühle beauftragt.

Baumeister Albert Ortis beschreibt die Anforderungen einer solchen Aufgabe: Es bedarf eines offenen Zugangs, um eine Aufgabe dieser Komplexität zu behandeln, und das Ziel größtmöglich offen zu halten; man benötigt verantwortungsvolle Begeisterung für die Entwicklung eines Stadtteils, und es bedarf der Einbindung aller rechtlichen und verwaltungstechnischen Träger bereits im Vorfeld, um schlussendlich Investoren einbinden zu können.

In der ÖWGES fand sich schließlich ein solcher Investor, der sein Engagement für dieses Projekt einerseits in der Imagebildung der Firma begründet (mit Projekten wie der Geriatrie, dem Umbau Bad zur Sonne, der Pflanzenphysiologie oder des BORG Dreierschützengasse will sich die ÖWGES als Spezialist für Pflege- und Studentenheime, Bauten des Gesundheitswesens sowie die Verbindung von Wohnen und Gewerbe positionieren), in der Etablierung als Stadtentwickler und in der Konnotation von Gemeinnützigkeit als innovativ, stadtplanerisch mutig und vielfältig, wie Mag. Christian Krainer darlegte.

Architekt Markus Pernthaler entwickelte für die Marienmühle ein Projekt, das sowohl den Anforderungen städtischen Wohnens als auch einer Dienstleistungsgesellschaft gerecht wird. Darüber hinaus ist es ihm gelungen, eine ökonomisch und eine ökologisch orientierte Werthaltung zu verbinden, die sich nicht nur in der Einbindung der Parkanlage mit dem Eichholzer-Pavillon manifestiert. Dem Aufkommen von Lärm und Staub, wesentliche Probleme heutigen städtischen Wohnens, begegnet Pernthaler mit der straßenseitigen Ausbildung einer Zwischenzone, einer Frequenz von dicht begrünten Innenhöfen und der Erschließung, die durch eine schalldämmende Membran gefasst wird (neben der Abschirmung von Staub kann aufgrund der schallmindernden Wirkung von 20 dB auf Schallschutzfenster verzichtet werden). In der Verbindung von modernster Technologie und der Nachnutzung von Teilen des Mühlkomplexes stehen den Benutzern des Gebäudes drei Energiequellen zur Verfügung, die sich wechselseitig sinnvoll ergänzen:

Zum einen ist dies die Abwärme aus dem weiterhin betriebenen Kleinwasserkraftwerk von 1928 (Marienmühle BetriebsGmbH.), ein neun Meter tiefes Erdregister dient zur Lufterwärmung bzw. Luftkühlung durch die Nutzung des ehemaligen Mühl-Speichers. Zum anderen sind dies 250 m2 installierte Hochleistungsvakuumkollektoren, die 100% des Warmwasserbedarfs abdecken sowie Teile des Heizungsbedarfs. Darüber hinaus ist es durch diese Vakuumtechnik möglich, für solare Kühlung und damit vor allem für Teilklimatisierung im Gewerbe zu sorgen. Durch den Einsatz eines Belüftungssystems und eines zentralen Schichtspeichers werden diese drei Energiequellen gekoppelt, ständige Frischluftzufuhr ohne Energieverlust gewährleistet, Betriebskosten und Umweltbelastung minimiert.

In diesem Sinne kann auch die öffentliche Parkgarage beschrieben werden: Zwei viergeschossige Staplergaragen mit elektronischer Regelung aus der Hochregallogistik schaffen Platz sparend 204 Stellplätze. Neben den Vorteilen bezüglich Sicherheit (jeder Parkplatz ist ein „Frauenparkplatz“, Einbruchsicherheit) entfallen eine ständigen Be- und Entlüftung sowie ständige Beleuchtung und, verglichen mit konventionellen Garagen, bis zu 70.000 km an Park – und Suchverkehr pro Jahr.

Städtebaulich folgt der Bau leicht versetzt dem Verlauf von Mühl- und Hans-Resel-Gasse und bildet in einer dynamischen Kurvenform eine Art Blockrandbebauung, am Marienplatz als Akzent auf das orthogonale System der Straßen reagierend, im Süden als offenes Ende in den Park überleitend. Der Park, der vom Mühlgang durchflossen wird, bildet als Grünbereich eine Ruhezone in der Stadt. Zu dieser Parkanlage öffnen sich die Wohnungen und Büros mit großzügigen Verglasungen, Balkonen und Loggien, wobei der Eichholzer-Pavillon - eines der wenigen erhaltenen Werke des 1943 hingerichteten Grazer Architekten - der in Zusammenarbeit mit dem Denkmalamt renoviert werden wird, als Kinder- und Spielbereich sowie als integriertes Angebot für alle Bewohner nutzbar sein wird.

Der vier- bis siebengeschossig getreppte Bau umfasst ein Angebot von 42 Wohnungen drei verschiedener Typen zu jeweils drei, vier bzw. fünf Zimmern, vierzehn Wohnungen des Maisonette-Typs, drei Studentengroßwohnungen sowie vier Penthäusern mit bis zu 177m2.

Die zur gewerblichen Nutzung bestimmten Flächen, ca. 5000m2, 40 % der Gesamtnutzfläche, sollen das Gebäude auf dem kreativen Dienstleistungssektor positionieren und in der Synergie mit einem hochqualitativen Gastronomiebetrieb Agenturbüros, Creative Industries, Architekturbüros und Künstler (Möglichkeit von Künstlerateliers) anziehen. Für Wirtschaftsunternehmen mit temporär begrenzten Projekten wird eine spezielle Einheit mit hotelähnlicher Situierung der Zimmer und darüber gelegenem Bürobereich angeboten werden.

In seiner Verbindung von Funktion und Ästhetik, in einem intelligenten Zugang, der ökonomische, ökologische, sowie gesellschaftliche Parameter seiner Zeit berücksichtigt und verhandelt, wird dieses Bauwerk wohl einen wegweisenden Beitrag zu einer städtischen Positionierung von Architektur leisten können. Das Projekt wird voraussichtlich Ende 2006 realisiert sein.

Verfasser/in:
Jörg Kindermann, Kommentar
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Ansicht Marienplatz, Rendering, (c) Arch. Markus Pernthaler
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Innenhof, Rendering, (c) Arch. Markus Pernthaler
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Erschließung, Rendering, (c) Arch. Markus Pernthaler
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Erschließung, Rendering, (c) Arch. Markus Pernthaler
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Nachtansicht, Rendering, (c) Arch. Markus Pernthaler
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Pressekonferenz, v.l.: Mag. Christian Krainer und Gerhard Königsberger, Geschäftsführer ÖWGES, Arch. Markus Pernthaler, Baumeister Albert Ortis, Foto: (c) J. Kindermann
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Baustelle Marienmühle, Foto: (c) J. Kindermann
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Baustelle Marienmühle, Foto: (c) J. Kindermann
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Baustelle Marienmühle, Foto: (c) J. Kindermann
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Baustelle Marienmühle, Foto: (c) J. Kindermann
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Baustelle Marienmühle, Foto: (c) J. Kindermann

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