Preisverleihung und Buchpräsentation

Ein Bericht von der Präsentation des druckfrischen jahrbuch.architektur.HDA.graz und von der Verleihung des Architekturpreises des Landes Steiermark 2004 in der Aula der

22/09/2005

Am Samstag, den 17.09.2005 wurde in der Aula der Alten Universität in Graz das druckfrische jahrbuch.architektur.HDA.graz präsentiert und von Frau LH Klasnic der Architekturpreis des Landes Steiermark 2004 überreicht.

Der Architekturpreis wird seit 1980 im Zwei-Jahres-Rhythmus vergeben. Die Steiermärkische Landesregierung wählte die Preisträger-Projekte 2004 auf Vorschlag einer siebenköpfigen Jury - Frau Landeshauptmann Klasnic, vertreten durch Hofrat Dr. Josef Marko, Chefredakteur Dr. Matthias Boeckl, Arch. DI Elke Delugan-Meissl, Arch. DI Gerald Deutschmann, Arch. DI Hermann Eisenköck, Arch. DI Heinz Wondra und Arch. DI Peter Riepl, Linz - aus 59 eingereichten Arbeiten aus. (GAT berichtete).

Für die Wahl des Kunsthauses (Peter Cook/Colin Fournier) waren die ambitionierten und unkonventionellen künstlerischen und technischen Lösungen ausschlaggebend. Die Entscheidung für das Kindermuseum (fasch&fuchs.) erfolgte auf Grund der besonderen funktionalen und kindergerechten Anlage des Gebäudes. Mit seiner Erfüllung extrem hoher Funktionsanforderungen und seiner städtebaulichen Wirkung fand das Justizzentrum in Leoben (Arch. DI Josef Hihensinn) große Anerkennung.

Lesen Sie nachfolgend die Dankesworte von Arch. DI Hemma Fasch (fasch&fuchs.), die sie im Anschluss an die Preisverleihung im Namen aller Preisträger aussprach:Sehr geehrte Frau Landeshauptmann!

Verehrte Anwesende!

Liebe persönlich Beteiligte!

Ein Gebäude, kann nur so gut werden, wie es der Bauherr zulässt.

Zweifelsohne ist das Ergebnis der prämierten Projekte nur in engem Zusammenhang mit der Rolle und dem Engagement des Bauherrn bzw. deren Vertreter und auch der einbezogenen Nutzer zu sehen.

Die Notwendigkeit, Raum zu schaffen, der mehr als nur pragmatische Erfüllung von Funktion ist, kann nur mit der entsprechenden geistigen Haltung von verantwortungsvollen Bauherrn und Planern umgesetzt werden (was nicht den Regelfall prägt).

Die Dankesworte richten sich also an unsere Bauherrn und insbesondere deren Vertreter, die diese Haltung bei Vorbereitung und Abwicklung der Projekte gezeigt haben.

Es braucht den Geist, der erkennt, dass Architektur die Herausforderung unserer Gesellschaft ist, und nicht die Befolgung ihrer Zwänge. Architektur ist nicht das, was Raum ausfüllt, sondern das, was Raum erzeugt (Baudrillard).

Raum, Orte müssen ihre Bedeutung finden abseits des direkt Sichtbaren. Im Bauwerk muss das Wagnis, das Vermögen, Illusionen herzustellen, der Wirklichkeit einen übergeordneten Spiegel vorzuhalten, ablesbar sein. Mit diesem Anspruch muss das Bauwerk dennoch für das täglichen Leben brauchbar sein.

Es ist evident, aber nicht verständlich, dass der öffentliche Bauherr die Absicht der Auslagerung und Verneinung seiner Bauverantwortung hegt und bereits umsetzt, sowohl im Grundsätzlichen – der Formulierung von Visionen für den Stadtraum, für Lebensformen, als auch in seiner Aufgabe der Baubegleitung. Unter dem Motto der Einsparungen/des Personalabbaus werden strategisch wichtige Bauherrnfunktionen aufgegeben, Qualitätsbetreuung gegen wirtschaftliche Optimierung getauscht.

Ohne baukulturelle Verantwortung verspüren wir verstärkt die Kälte und Trostlosigkeit des Bauens. Stadtteile, die nicht dem Anspruch einer lebenswerten, entwicklungsfähigen Stadt gerecht werden, Landschaften, die zersiedelt, verbaut und damit für sensibilisierte Menschen immer unerträglicher werden. Einrichtungen für Verlierer und Randgruppen der Gesellschaft, die abgebaut und wegrationalisiert werden – kein künftiges Schreckensszenario, sondern bereits Realität.

Gelungene Bauprojekte werden auch von privaten Bauherrn errichtet. Die Qualitätssicherung im Sinne einer kulturellen Aufgabe wird aber nicht die Regel und oberste Prämisse privater Bauherrn darstellen. Der Zwang zur pragmatischen Ökonomie wird das Bauen beherrschen und Städte zu Agglomeraten, Gebäude zu Zweckerfüllungen mutieren lassen, wenn von Seiten der Politik/des öffentlichen Bauherrn keine Analysen, Visionen und Qualitätssicherungen (z.B. in Form von Gestaltungsbeiräten) mehr gefordert oder geplant werden.

Die Gesellschaft hat die Verantwortung wahrzunehmen, entsprechenden menschlichen Lebensraum sowohl für das Individuum als auch für die Gemeinschaft und deren Randgruppen zu schaffen.

Im Namen von Josef Hohensinn, Colin Fournier, Peter Cook und unserem Büro darf ich dank für die Zuerkennung des Landesarchitekturpreises 2004 aussprechen.

Hemma Fasch, 17.09.2005> > PRÄSENTATION jahrbuch.architektur.HDA.graz

Neben der Verleihung des Architekturpreise 2004 wurde die neue Publikation des HDA Haus der Architektur präsentiert.

Das „jahrbuch.architektur.HDA.graz“ soll ein Mal jährlich erscheinen und eine permanente Übersicht über die qualitätvolle steirische Architektur bieten, den Diskussionsprozess anregen und zugleich Leitfaden für private und öffentliche Bauherrn sein. Es präsentiert neben den Trägern des Geramb-Dankzeichens für Gutes Bauen und des Architekturpreises des Landes Steiermark ausgewählte Beispiele steirischen Architekturschaffens, wobei man sich bei der Auswahl nicht nur auf Projekte, die in der Steiermark errichtet wurden, beschränkt.

jahrbuch.architektur.HDA.graz 04/05

Haus der Architektur Graz (Herausgeber, Verlag und Vertrieb)

Konzeption: Ernst Giselbrecht

Redaktion: Heinz Rosmann

Texte von Peter Blundell Jones, Matthias Boeckl, Andrej Hrausky, Otto Kapfinger, Georg Kanhäuser, Heinz Rosmann, Patricia Zacek.

Verfasser/in:
Land Steiermark und Redaktion GAT

Weiterführende Links

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v. li.: Josef Hohensinn, Jakob Fuchs und Hemma Fasch, LH Waltraud Klasnic, Gabriele Kolleritsch und Peter Löcker (i. V. von Peter Cook/Colin Fournier
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Heinz Rosmann (Grazer Stadtplanungschef i. R. und leitende Redaktion) präsentiert sehr ausführlich das jahrbuch.architektur.HDA.graz 04/05
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Matthias Boeckl, Juror beim Architekturpreis des Landes Steiermark 2004
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Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic definierte die Intentionen des Steirischen Architekturpreises und des Architekturjahrbuches so: "Wir wollen steirische Architektur als wichtigen Exportartikel begreifen und international als Botschafter einsetzen, um
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