GAT sprach, anlässlich der bevorstehenden Verleihung des Landesarchitekturpreises Steiermak 2004 in der Alten Universität in Graz, mit den diesjährigen Preisträgern Josef Hohensinn, fasch&fuchs. sowie Colin Fournier/Peter Cook.
Lesen Sie im ersten Teil einen Auszug aus dem Gespräch, das Denise Leising mit dem Grazer Architekten Josef Hohensinn geführt hat.
"Das menschliche Maß oder
Gute Architektur ist nur mit guten Bauherren möglich"
Sein mit dem Architekturpreis des Landes Steiermark 2004 ausgezeichnetes Justizzentrum in Leoben gilt innerhalb der EU als Musterprojekt und als bahnbrechende Neuerung im humanen Strafvollzug. Für das Stadion Stattegg wurde ihm eine Silbermedaille des IAKS Award 2005, des vom IOC ausgelobten, einzigen internationalen Preises für beispielhafte Sport- und Freizeitanlagen, zuerkannt.
Er ist auf einem Bauerhof aufgewachsen, die Landwirtschaft hat ihn aber nie interessiert. Dafür hat er schon als Kind gerne gezeichnet und entworfen. So hat alles begonnen, sagt Josef Hohensinn fast entschuldigend. Bis heute hat er seine Entscheidung nicht bereut. Architekt ist sein Traumberuf. Die Arbeit macht ihm Freude. „Eigentlich ist es keine Arbeit, sondern etwas, was Spass macht“. Und dass er fast nur gute Erfahrungen gemacht hat, dürfte wohl an der Art liegen, wie er mit Menschen umgeht, auf sie eingeht. Er hört zu, er sagt weder „so muss es sein“, noch will er den künftigen Nutzern/Bewohnern etwas einreden. Er geht auch von keiner Form-Idee aus, betont der Absolvent der TU Graz. Ganz wichtig sind dem bekennenden Holzbauer – fünf harte, aber lehrreiche Jahre als Assistent bei Franz Riepl am Institut für regionales Bauen in Graz sowie einige Jahre als Partner von Hubert Rieß waren prägend - die Atmosphäre von Räumen, die Wahl der richtigen Materialien, die funktionale Effektivität und „was eigentlich selbstverständlich sein sollte“, die Wirtschaftlichkeit. Der Mensch als Maßstab für alles Handeln hat für den gebürtigen Oberösterreicher jedoch absolute Priorität.
Hohensinn zählt zu den Leisen, Zurückhaltenden seiner Zunft. Seine Bauten, ob Wohnsiedlungen, Sportstätten, Einfamilienhäuser oder öffentliche Gebäude, entsprechen seinem Wesen. Sie trumpfen nicht auf, sind aber selbstbewusst und von beeindruckender Einfachheit und Klarheit, versehen mit feinen Details, maßvoll formuliert und im Inneren wohlgeordnet. Die Form allein freilich sei es nicht, wesentlich ist auch die Entstehung von Orten, mit denen sich die Nutzer identifizieren können. Geradezu ideal sei es aber, wenn der Bauherr nicht auf Kosteneinhaltung pocht sondern auch an anspruchsvoller Architektur interessiert sei. In dieser Hinsicht war das Justizzentrum Leoben, sein bisher wichtigstes Werk, ein echter Glücksfall: So konstruktive Partner, in der BIG wie auch im Justizministerium, habe ich noch nie gehabt, schwärmt Hohensinn noch heute. Mehr denn je ist er überzeugt, dass „gute Architektur nur mit einem guten Bauherrn möglich ist“. Hohensinn „revanchierte“ sich. Er hat die Baukosten wie auch die Bauzeit unterschritten - ohne Qualitätsabstriche, versteht sich.
Ein Folgeauftrag ließ nicht lange auf sich warten. Im niederösterreichschen Krems wird der 49-Jährige, der seit 1998 ein eigenes Büro in einer ehemaligen Hemdenfabrik am rechten Murufer unterhält, die Justizanstalt nach dem Leobener Vorbild umbauen. Das Projekt ist bereits eingereicht, die Bauverhandlung demnächst anberaumt. Nur der Baubeginn verzögert sich, aus finanztechnischen Gründen wird er erst im Frühjahr 2006 erfolgen. In Linz hingegen wird noch in diesem Herbst ein anderes spannendes Projekt in Angriff genommen. In der Stahlstadt realisiert Hohensinn im Winterhafen ein nicht alltägliches Wohnbauvorhaben zum Thema „Wohnen und Arbeiten am Wasser“. Aus dem 2002 veranstalteten Wettbewerb ging er souverän als Sieger hervor. Auf die benachbarten Industriebauten reagiert Hohensinn mit einer „sehr urbanen Anlage“, durchmischt mit Büros und Geschäften.
Mit Wohnen und Arbeiten hat auch ein aktuelles Projekt in Graz zu tun. Hier tritt Hohensinn in Personalunion als Planer und Bauherr in Erscheinung. Gemeinsam mit zwei Partnern hat er der BIG die Reiterkaserne in der zentrumsnahen Leonhardstraße abgekauft. Kürzlich wurde mit der Revitalisierung des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes, in dem sich 26 Substandardwohnungen befinden, begonnen. Ende 2006 soll der um eine Tiefgarage, einen großzügigen Innenhof erweiterte Bau, der auch Büros und Ordinationen Platz bietet, in neuem Glanz erstrahlen.
Am 17. September nimmt Hohensinn den Landesarchitekturpreis in Graz in Empfang, am 26. Oktober wird ihm in Köln im Rahmen des 19. IAKS-Kongresses die Silbermedaille (GAT berichtete) für das Stadion Stattegg überreicht. Aus einer Rekordteilnahme von 93 Teams aus 25 Ländern ermittelte die Jury jeweils acht Arbeiten zur Verleihung der Medaillen in Gold, Silber und Bronze. Die Freude ist groß: Hohensinn ist neben Zaha Hadid, Mario Botta, Bernard Tschumi (Gold) der einzige Österreicher unter den Preisträgern> > VERANSTALTUNGSHINWEIS:
Verleihung > Architekturpreis des Landes Steiermark 2004
Wann: 17.09.2005, 11.00 Uhr
Wo: Alte Universität, Hofgasse 14, Graz
Mit anschließendem Buffet.
> > Nächste Woche im Gespräch: fasch&fuchs., Wien/Hausmannstätten
- Verfasser/in:
- Denise Leising, Portrait


