Plüschzotteleisberg + Medienlounge, Pappfigur und 1970er Jahre Tapete

Da tut sich so einiges in der dicht gepackten Ausstellung "EUROPAN 678. Europäischer Wettbewerb zu Urbanismus und Wohnbau", die derzeit in der Planungswerkstatt in Wien z

22/02/2005

EUROPAN wurde 1988 gegründet. Die Wohn- und Städtebau-Wettbewerbsinitiative wird von 19 europäischen Nationen, darunter auch Österreich, getragen. EUROPAN Österreich hat seinen Sitz im HDA Haus der Architektur in Graz.

Seit der Gründung von EUROPAN haben sieben Wettbewerbsrunden zu einem jeweils spezifischen Thema in einem Rhythmus von meist zweieinhalb Jahren stattgefunden. In jedem Mitgliedsland bringen engagierte Partner - Städte, Grundstücksbesitzer und Bauträger - ein Wettbewerbsgebiet zum gestellten Thema ein. In Europa lebende ArchitektInnen unter 40 Jahren wird damit die Möglichkeit zur Wettbewerbsteilnahme geboten. Sie können sich hierbei frei entscheiden, welches Gebiet sie innerhalb des eingebrachten Standortangebots (z. B. 68 Standorte bei Europan 7) bearbeiten. Für die Beurteilung der Arbeiten setzt jede Nation ein eigenes international besetztes Expertengremium ein, welches in einem europaweit synchronisierten, anonymen Jurierungsverfahren die PreisträgerInnen auswählt. Die Bekanntgabe der Ergebnisse erfolgt europaweit synchron und wird von nationalen Ausstellungen, Publikationen und medialer Berichterstattung begleitet.

In der Planungswerkstatt in Wien findet derzeit die Ausstellung EUROPAN 678 statt. Sie zeigt einen breiten Querschnitt der bisherigen EUROPAN-Projekte in Österreich und seiner betroffenen Akteure. Neben den Preisträgerprojekten und ausgewählten Arbeiten von EUROPAN 7 sind die aktuellen Entwicklungsstände früherer EUROPAN-Runden dokumentiert. Lesen Sie nachfolgend Elisabeth Krammers Bericht über die Ausstellung:

„Plüschzotteleisberg + Medienlounge, Pappfigur und 1970er Jahre Tapete“

Da tut sich so einiges in der dicht gepackten Ausstellung EUROPAN 678 - Europäischer Wettbewerb zu Urbanismus und Wohnbau, die derzeit in der Planungswerkstatt in Wien zu sehen ist.

Ein Anlass über die positive Entwicklung der Wohn- und Städtebau-Wettbewerbsinitiative EUROPAN zu rekapitulieren und von der Ausstellung zu berichten.

EUROPAN wurde 1988 mit der Ambition gegründet, Ideenwettbewerbe mit anschließender Realisierung zu implementieren. Die experimentellen Tendenzen, welche die prämierten Arbeiten aufweisen, sollen also „zu intelligenterer und komplexerer Pragmatik führen“, sollen in der Realisierung genauso Bestand haben wie in der Theorie. Diese sehr schöne und ambitionierte Idee stieß jedoch immer wieder an ihre Grenzen, sei es in pragmatischer oder auch theoretischer Hinsicht.

Junge Büros, vor allen jene aus dem Ausland, hatten Schwierigkeiten, bei nationalen Berufsverbänden und Kammern die Befugnis zur Ausführung ihrer Entwürfe zu erwirken. So mancher Wohnbauträger fühlte sich durch Juryentscheidungen oder komplexe Projekte überrollt bzw. überfordert. Zur Verfügung gestellte Grundstücke waren von seiten der Stadt zum Teil nicht genügend für eine Realisierung vorbereitet. Aus diesen Gründen kamen viele prämierte Projekte entweder gar nicht oder nur nach langwierigen Verhandlungen und jahrelangen Projektüberarbeitungen zur Ausführung.

Zudem war dem jeweiligen Bauträger oder der Stadt die Wettbewerbsperiode von zweieinhalb Jahren meist zu lang, wodurch attraktive Grundstücke erst gar nicht für den Wettbewerb zur Verfügung gestellt wurden. Die Frustration bei allen Beteiligten stieg. Die Teilnehmerzahl an den Wettbewerben sank.

Dies führte 1999 zu einigen Erneuerungen in Struktur und Ablauf von EUROPAN:

Durch ein zweistufiges Wettbewerbsverfahren, das bei EUROPAN 5 erstmals zur Anwendung kam, werden die Wettbewerbsbeiträge nicht nur ausschließlich Themen orientiert diskutiert, sondern in ihren verschieden gelagerten Entwurfs- und Realisierungsphasen begleitet. Nicht mehr das fertige Produkt, sondern der Prozess des Projektes soll im Vordergrund stehen.

Das zweistufige Wettbewerbsverfahren und die damit zusammenhängende Schwerpunktsetzung auf Projektentwicklung macht es nun möglich, Städte bzw. Bauträger intensiver in die Jurierung einzubeziehen. Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit den technischen Universitäten und Hochschulen und der Aufbau einer „Realisierungs-Infrastruktur“ sollen die einerseits theoretische und andererseits pragmatische Basis für diese Neuorientierung bilden. 2002 wurde dazu das von EUROPAN Österreich initiierte Forschungsprojekt „Im Boot – Wettbewerbsverfahren / Wohnbau -habitat 2000 plus“, das in Zusammenarbeit mit der TU Wien, Akademie der Bildenden Künste in Wien und anderer Forschungseinrichtungen entstand, veröffentlicht. Untersucht wurde das Zusammenwirken aller Akteure, die für die Planung und Realisierung eines Wohnbauprojekts verantwortlich sind.

Auf Basis dieser Studie und begleitet von außergewöhnlichem Engagement aller Beteiligter finden seither Workshops statt, in welchen Veranstalter von EUROPAN Österreich zwischen den meist jungen Siegerteams, den Vertretern der Stadt und den Wohnbauträgern vermitteln. Ziel ist eine schnelle und zufriedenstellende Realisierung der prämierten Projekte.Diese Bemühungen haben zum Erfolg geführt, zu sehen in der von Barbara Holub, Paul Rajakovic und Bernd Vlay gestalteten Ausstellung EUROPAN 678.

Gezeigt werden hier alle Preisträger von EUROPAN 7, die einen der österreichischen Standorte - Graz, Innsbruck, Krems, Salzburg, oder Wien - zum Thema hatten. Fünf erste Preise wurden im November 2003 vergeben, weiters zwei Ankäufe und vier lobende Erwähnungen. Präsentiert werden die Arbeiten mittels originaler Wettbewerbstafel montiert auf einem Plüschzotteleisberg – eine Art Eisberg aus Plüsch.

Über den aktuellen Entwicklungsstand der prämierten Projekte und deren Umsetzungsprozesse informiert eine Zeitung, die in der Medienlounge der Planungswerkstatt Wien aufliegt. Hier läuft auch das von Sonia Leiner, Thomas Proksch und Bernd Vlay gestaltete Video zum Thema „ Freiraum und Innovation“, das ein aktuelles Statement zur Freiraumästhetik jenseits der üblichen Gestaltungselemente abgibt.

Außerdem wurden zwei Siegerteams vergangener EUROPAN-Runden eingeladen, in der Ausstellung den Realisierungsstand ihrer Projekte zu beschreiben.

Das Team PPAG popelka poduschka (Wien) - EUROPAN 6 Gewinner - präsentiert sein Wiener Wohnbauprojekt „stadt_land_schafft“, das sich derzeit in der dritten Phase eines dreistufigen Widmungsverfahren befindet, mittels Perspektiven, welche die räumlichen Qualitäten der sozusagen „Straßenraum-Landschaft“ und der „Innenraum-Landschaft“ ihres Entwurfs darstellen. Zusätzlich wird eine Videoanimation gezeigt, die das Durchfliegen des Gebäudes suggeriert.

Frötscher und Lichtenwagner (Wien), EUROPAN 4 Gewinner, stellen ihr Wohnprojekt „centrum odorf“ - ein Stadtteilzentrum im Olympischen Dorf in Innsbruck - rein visuell dar. Eine Fotografie, die eines der 4,2 x 2,1 Meter großen Fenster des bereits bis zum Rohbau realisierten Projektes als Detailausschnitt zeigt, wird 1:1 auf einen Vorhang projiziert. Man blickt über dieses große Fenster durch weitere Fenster auf Innsbruck. Postkarten, die für jeden Ausstellungsbesucher gratis aufliegen, machen den sehr großen Gebäudekomplex in seiner Gesamtheit und seiner städtebaulichen Einbindung deutlich.Neben der Präsentation der Siegerprojekte sind auf, im 1970er Jahre Design, tapezierten Wände der Planungswerkstatt Figuren zu sehen, die verschiedene Akteure der Baubranche mit ihren Attributen darstellen. Sie umgeben und bilden gleichzeitig nicht ohne Grund den Rahmen dieser Ausstellung. Eine große Pappfigur trägt einen Bildschirm – Symbol für Medien und Öffentlichkeit im Planungsprozess.

Die Dichte des in der Ausstellung EUROPAN 678 gezeigten Programms spiegelt auf sehr gekonnte Weise die Komplexität eines Realisierungsprozesses wieder, der die Entwicklung von ideellen Wohnbauentwürfen bis zu deren realen Entstehung generiert.

Bei der Finissage von EUROPAN 678 am 18. März 2005 mit Beginn 19:00 Uhr, die sich auch als Eröffnungsveranstaltung von Europan 8 versteht, werden die neuen österreichischen Wettbewerbsstandorte, die in Zusammenhang mit dem Thema „städtische urbanität“ gedacht werden sollen, präsentiert. Es sind dies Wien, Amstetten, Schwechat, Waidhofen an der Ybbs und Lauterach in Vorarlberg.

Spannend wird sicherlich das im Rahmen der Finissage stattfindende Tischfußballturnier, bei dem geschickte ArchitektenInnen unter 40 die Möglichkeit haben eine von drei Gratiseinschreibungen zu gewinnen.

Also nichts wie hin. "EUROPAN 678 - Europäischer Wettbewerb zu Urbanismus und Wohnbau"

Die Ausstellung läuft noch bis 18. März 2005 in der Planungswerkstatt, Friedrich-Schmidt-Platz 9, Wien I

Öffnungszeiten: täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr

DIE THEMEN DER BISHERIGEN EUROPAN-WETBEWERBE IM ÜBERBLICK:

Europan 1 > Entwicklung der Lebensweisen und Architektur des Wohnens

Europan 2 > Die Stadt bewohnbar machen - Wiedergewinnung urbaner Räume

Europan 3 > Zuhause in der Stadt - Urbanisierung städtische Quartiere

Europan 4 > Die Stadt über die Stadt bauen - Umwandlung zeitgenössischer Gebiete

Europan 5 > Mobilität und Nähe - Neue Landschaften urbanen Wohnens

Europan 6 > Zwischenorte - Architektur im Prozess zur urbanen Erneuerung

Europan 7 > suburban challenge - Urbane Intensität und Vielfalt des Wohnens

BILDNACHWEIS (von oben):

Lydia Wissa, Bild 2-9

ppag Popelka Poduschka, Bild 10

Frötscher und Lichtenwagner, Bild 11, 12

Verfasser/in:
Elisabeth Krammer "freie Meinung"

Weiterführende Links

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Plakat zur Ausstellung EUROPAN 678, die bis 18. März 2005 in der Planungswerkstatt in Wien läuft
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"Medienakteur" bei der Eröffnung der Ausstellung EUROPAN 678 am 21.02.2005 in der Planungswerkstatt Wien.
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Eröffnung der Ausstellung EUROPAN 678 durch Bernd Vlay, Herbert Binder (Stadtplanungsleiter MA 21b/Wien) und Arnold Klotz (Bereichsdirektor für Stadtplanung), (v. li)
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Besucherstrom anlässlich der Ausstellungseröffnung EUROPAN 678 am 21.02.2005 in der Planungswerkstatt Wien
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Der "Plüschzotteleisberg" mit der Präsentation der Europan 7 Preisträgerprojekte
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Der "Plüschzotteleisberg" mit der Präsentation der Europan 7 Preisträgerprojekte
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v.l.n.r. : Binder, Vlay, Poduschka und Popelka. Die Architekten Frötscher und Lichtenwagner waren bei der Austellungseröffnung leider nicht anwesend.
europan678_pk_von_fr_tsche_lichtenwagner_s_wohnbauprojekt_in_innsbruck02.jpg
"centrum odorf" in Innsbruck von Frötscher und Lichtenwagner, abgebildet auf Postkarten, die in der Ausstellung zur freien Entnahme aufliegen.
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EUROPAN 4 Gewinner Frötscher und Lichtenwagner mit dem Projekt „centrum odorf“ in Innsbruck Die Fotografie zeigt eines der 4,2 x 2,1 Meter großen Fenster des bereits bis zum Rohbau realisierten Projektes. Man blickt über dieses große Fenster durch weitere
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Die EUROPAN 6 Gewinner, PPAG popelka poduschka, präsentieren ihr Wiener Wohnbauprojekt „stadt_land_schafft“
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Medienlounge in der Planungswerkstatt in Wien

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