Plattform Architektur im Gespräch mit dem Grazer Planungsstadtrat Rüsch

Am 16.12.2006 führte die Plattform Architektur mit Stadtrat Rüsch im HDA Graz ein Gespräch über die weitere Vorgehensweise bezüglich der Installierung eines qualitätssich

10/01/2006

Nachdem die Gespräche um einen Fachbeirat für Architektur und Stadtentwicklung in Graz seit dem Frühsommer 2005 nahezu verebbt sind - ein für Graz ausgearbeitetes Modell hätte bereits 2005 in ein Probejahr gehen sollen (GAT berichtete) - lud die Plattform Architektur, die Vereinigung der Grazer Architekturinstitutionen, Planungsstadtrat Gerhard Rüsch am 16.12.2005 zu einem klärenden Gespräch ins Haus der Architektur in Graz ein.

Lesen Sie nachfolgend eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte dieses Gesprächs:

Nach der offiziellen Begrüßung bringt die Plattform Architektur das von der Stadtbaudirektion Graz verfasste Konzept für einen Fachbeirat, das auf Basis einer umfassenden Studie der in Österreich etablierten Gestaltungsbeiräte verfasst wurde, zur Sprache und ersucht Stadtrat Rüsch um eine Klarstellung, weshalb dieses für sie durchaus praktikable Konzept bisher nicht umgesetzt wurde und welche Alternativen es seiner Meinung nach dazu gibt.

Rüsch betrachtet die Gestaltungsbeiräte in Linz und Salzburg, die im Rahmen der Enquete für Baukultur im Juni 2005 in Graz von Vertretern der beiden Städte präsentiert wurden, kritisch, da sie gesetzlich nicht verankert sind, also nicht wirklich verpflichtend zur Begutachtung von Projekten eingesetzt werden müssen.

Er stellt als Alternative zu den etablierten Modellen ein Vier-Punkte-Konzept zur Qualitätssicherung der Grazer Stadgestalt vor, das noch zu diskutieren ist und eine langfristig brauchbare Lösung bringen soll:

1. Stärkung des Wettbewerbwesens

Rüsch beabsichtigt Wettbewerbe für Investoren, die in der Diskussion um einen Fachbeirat wiederholt Rechts- und Planungssicherheit forderten, attraktiver zu machen, da sie erfahrungsgemäß zum bestmöglichen Ergebnis und zur Verkürzung des Planungsablaufs führen.

2. Einführung eines Projekttisches zur behördlichen und gestalterischen Vorbegutachtung von Bauvorhaben

Sowohl Bauträger als auch Architekten sind bei Planungsabläufen immer wieder von Zeitverzögerungen betroffen. Rüsch führt dies darauf zurück, dass es weder im Stadtplanungsamt noch in der Stadtbaudirektion Graz Sprechtage für Planungsfragen gibt. Er schlägt vor, einen Projekttisch mit allen Vertretern der Stadt (Behörden, ASVK Altstadtsachverständigenkommission, Verkehrsamt, Denkmalamt, Stadtplanungsamt) – ein offener Tisch, der auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen werden kann - zu installieren.

3. Flächendeckender Bebauungsplan für Graz

Bisher wurden im Stadtgebiet von Graz Bebauungspläne(*) nur auf Anfrage erstellt. Rüsch beabsichtigt, diese zur Qualitätssicherung flächendeckend für das gesamte Stadtgebiet von Graz anlegen zu lassen. Davon würden seiner Meinung nach Bauträger und Architekten gleichermaßen profitieren.

4. Interdisziplinär besetztes Stadtforum

Rüsch vermisst eine Diskussion über die langfristige gestalterische Entwicklung von Graz (z. B. Hochhaus-Diskussion, Bebauungsdichte…). Ein interdisziplinär besetztes Stadtforum könnte diese Diskussion führen und Konzepte entwickeln.

Die anwesenden Vertreter der Plattform Architektur weisen im Zusammenhang mit dem von Rüsch angedachten Projekttisch darauf hin, dass sich dieser nicht nur aus Beamten, sondern auch aus ArchitektInnen, die zur möglichst objektiven Begutachtung von Projekten unbedingt von außen kommen sollten, zusammensetzen muss, um u. a. auch Gestaltungsfragen in befriedigender Weise behandeln zu können. Außerdem befinden sie den von Rüsch angesprochenen flächendeckenden Bebauungsplan für Graz als qualitätssicherndes Instrument für ungeeignet, da er lediglich der Raumordnung dient und nicht der Gestaltung, diese sogar erheblich einschränken kann.

Geht es nach Stadtrat Rüsch, soll das präsentierte Vier-Punkte-Konzept im Februar 2006 im Rahmen eines Workshops mit Vertretern der Architektenkammer, der Plattform Architektur und der Stadt Graz (Stadtbaudirektion und Stadtplanungsamt), diskutiert und ausformuliert und noch im ersten Halbjahr 2006 im Grazer Gemeinderat beschlossen werden. Die Kernaufgabe dabei wird sein, eine akzeptable Lösung zu finden, die den Architekturwettbewerb als d a s qualitätssichernde Instrument für Bauherren und Investoren attraktiv macht oder ab einem gewissen Bauvolumen sogar vorschreibt.(*) Regelung der städtebaulichen Ordnung eines Gebietes unter Bedachtnahme auf einen sparsamen Bodenverbrauch und eine geordnete Stadt- und Siedlungsentwicklung. Im Bebauungsplan werden alle künftigen Nutzungen und die Art der Bebauung eines bestimmten Gebietes verbindlich festgeschrieben. PLATTFORM ARCHITEKTUR sind:

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Verfasser/in:
Redaktion GAT, Bericht

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