Phantasmen und Symbole

Eine Schatzsuche im öffentlichen Raum, Kennenlernen und Aneignen, mit SchülerInnen des BG/BRG & MG Dreihackengasse, unter der Leitung der Architektin Jördis Tornquist und

25/05/2010

Im vergangenen März begaben sich die Architektin Jördis Tornquist und die Pädagogin Elke Fleischhacker mit 16 SchülerInnen des BG/BRG & MG Dreihackengasse im Alter zwischen 11 und 12 Jahren auf die Suche nach Phantasmen und Symbolen im öffentlichen Raum. Sie erkundeten im unmittelbaren Schulumfeld die Stadt, um diese neu kennenzulernen, eigene Geschichten zu finden und neue Symboliken zu kreieren. Dabei ging es um die Bewusstmachung des eigenen Umfeldes, des täglichen Schulweges.

In einem ersten Schritt begab sich die multikulturelle Klasse auf eine Art Schatzsuche. Die Suche nach prägenden ortspezifischen Symboliken an Häuserwänden, nach Straßennamen, Malereien und Skulpturen, die nicht nur religiöse Hintergründe haben, wurde fotographisch festgehalten. Dabei stieß man auf alte Hausheilige, barocke Putti, dekoratives Rankenwerk und Ornamentik. Solcher Hausschmuck ist laut Jördis Tornquist teilweise bis heute an den alten Häuserfassaden der ehemaligen Murvorstadt, in den Bezirken Lend und Gries, erhalten geblieben. Er vermittelt die Hingabe zu etwas „Höherem“ und zum damaligen Denken und Glauben. Die Fassaden können Dörflichkeit oder Großstädtisches vermitteln und lassen einiges über ihre BewohnerInnen vermuten – sie erzählen Geschichten.

Die Gegenwart brachte neue Zeichen, Symbole, Statements und Zeichnungen in Form von Graffitis. Diese neuen und alten Hauszeichen kommunizieren, wenn auch oft unbewusst, mit Passanten und dem öffentlichen Raum.

In der Auseinandersetzung und Erforschung dieser Symbole, deren Verortung und ergänzt durch die Beobachtungen am Schulweg, wurden von den Kindern vier neue Geschichten generiert, aus denen in Folge neue Plastiken für Hauswände entstehen sollten:

„Schwarze Jugend“

„Auf dem Schulweg haben wir Gruppen von Jugendlichen beobachtet, die so traurig aussehen und ganz schwarz gekleidet sind, schwarze Haare haben und Hunde. Wir wollen ihnen eine Persönlichkeit geben, sie „bunt“ werden lassen ... sodass sie sich aus der schwarzen Masse loslösen. Können wir ihnen mit unserer Skulptur eine Botschaft an eine Wand hängen?”

„Hungrige Mägen“

„Angeregt von der Geschichte „Der Kipferlkrieg – die unordentlichen Riegerl“ haben wir uns einfach gedacht, wir wünschen uns eine Bäckerei. Wir haben Schulwege von bis zu 45 Minuten pro Strecke. Wenn wir morgens in der Schule ankommen, knurren schon unsere Mägen. Gratis Kipferl und Brezeln sind unser sehnlicher Wunsch ...“

„Quentin“

„Wir haben beobachtet, dass es eine blinde Frau gibt, die jeden Morgen aus der Straßenbahn aussteigt und der schon viel passiert ist. Einmal ist ihr Stock eingezwickt worden und die Straßenbahn fuhr weiter. Ein anderes Mal ist jemand aus der Straßenbahn herausgefallen und der Schirm wurde eingezwickt. Ich kenne jemanden, dem der Arm eingeklemmt wurde und er war gebrochen ... Wir wollen eine/n Schutzpatron/in für Straßenbahnfahrer/innen machen.”

„Müllstirln erlaubt“

„Ich komme immer wieder an Mülltonnen vorbei, bei denen Menschen stehen und im Müll stirln, das finde ich so grauslich, wie sie im feuchten Müll nach Brauchbarem suchen. Ich will, dass es eigene Mülltonnen gibt, in denen diese Menschen Dinge finden, die sie vielleicht noch brauchen können. Die Menschen, die etwas wegwerfen, könnten sich entscheiden, ob das Ding noch brauchbar wäre und es vom anderen Müll getrennt entsorgen.”

Danach wurde von den SchülerInnen ein Modell des ausgewählten Bereiches gebaut, wo eine Interaktion mit dem öffentlichen Raum stattfinden soll. In diesem Modell des in den Straßenzügen noch erkennbaren alten Weilers rund um die St.-Andrä-Kirche in der Kernstockgasse (vormals Schulgasse) und in der Dreihackengasse (vormals Kühgasse) werden die potenziellen Standorte für die von den SchülerInnen entwickelten „Hausplastiken“ angezeigt. Schließlich wurden die vier neu generierten Plastiken „Schwarze Jugend“, „Hungrige Mägen“, „Quentin“ und „Müllstirln erlaubt“ gebaut. Diese sollen künftig als Identifikationsstifter im Quartier fungieren.

PROJEKTPRÄSENTATION "Phantasmen und Symbole" durch die Klasse 2cM im Rahmen des Steirischen Sänger- und Musikantentreffens Junge Volksmusik

WANN: Freitag 28.05.2010, 19:00 Uhr,

WO: Karl-Böhm-Saal, BG/BRG & MG Dreihackengasse 11, 8020 Graz

Konzept und Projektleitung:

DI. arch. Jördis Tornquist

Architekturbüro fiedler.tornquist

www.arch-urb.at

Kooperationen:

Klasse 2cM der BG/BRG & MG Dreihackengasse

Mag. Elke Fleischhacker, im Rahmen von Werken und Bildnerische Erziehung

BG/BRG & MG Dreihackengasse

Direktorin Mag. Dr. Andrea Weitlaner

Dreihackengasse 11

8020 Graz

http://www.3hacken.at

Galerie

Volksgartenstraße 6a

8020 Graz

http://www.rotor.mur.at

Projektzeitraum:

März bis Mai 2010

Projektförderung:

„Kulturelles Erbe. Gestalte die Zukunft“ – Eine Schulaktion zur Bewusstseinsbildung für das Kulturerbe.

Eine Schulaktion des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur gemeinsam mit KulturKontakt Austria, dem Bundesdenkmalamt und der Österreichischen UNESCO-Kommission.

Projektkoordination Kulturkontakt Austria

Ansprechperson Mag. Martina Mayr

http://www.kulturkontakt.or.at

http://www.kulturleben.at/Schule/Schule/TraditionZukunft/index.xml

Verfasser/in:
Petra Kickenweitz, RAUM MACHT SCHULE

Weiterführende Links

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Modell
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Schatzsuche.
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Modell St. -Andrä -Kirche
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Schwarze Jugend
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Hungrige Mägen
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Quentin
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Müllstirln erlaubt. Alle Fotos: Jördis Tornquist

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