„Mit mir nicht“, murmle ich in meinen Zwei-Tage-Bart, während ich an der Kasse des Bades zur Sonne 5 Euro 70 für den Eintritt entrichte. „Mit mir nicht“, murmle ich, die Stiegen zum Umkleideraum erklimmend. „Mit mir nicht“, während ich mir auf dem „Sonnendeck“ einen Liegeplatz suche. „Nein, nein, nur kein Pammerbadschicksal“, sage ich zu mir, während ich den Lift zum Becken nehme. „Und jetzt vielleicht auch noch das Ragnitzbad!“ rufe ich, während ich gemessen meine Längen schwimme.
„Mit mir jedenfalls keinesfalls!“ beteuere ich, während ich mir den Leib mit ätherischen Sonnenölen salbe. Und die Blicke der Damen und Herren, alle wie ich barbrüstig, wenden sich mir fragend zu, dann gleich wieder ab.
Und ich beginne in meinen Erinnerungen zu schwelgen; ein Mann, sonnengereift und wettergebeutelt, der manches Bad genommen hat. Das waren noch Zeiten, schwelge ich, als noch Hoffnung bestand, als noch nicht jeder Zweifel bestätigt, als noch nicht jedes Ziel verfehlt, als Bäder noch frei waren, als man dafür bezahlt wurde, baden zu gehen. Von den Eltern.
Pammerbadschicksal, immer wieder Pammerbadschicksal, Eggenbergerschwimmbadunglück, Augartenbadbrand, Ragnitzbadzauber.
Oder Ragnitzbadzuber? Das Becken zu eng, stöhne ich, das Becken zu eng. Oder habe ich zugenommen? Dann lache ich völlig unpassend vor mich hin. Und der Bademeister wird auf mich aufmerksam. Obwohl es ja zum Weinen ist. Wie sträflich selten ich im Ragnitzbad war! Und jetzt! Stadtwerke, murmle ich zwanghaft, Stadtwerke. Immer wieder Stadtwerke. 5 Euro 70. Und ich zähle meine Münzen und verfüge mich ins Buffet, wo mir schon der Topfenstrudel traurig entgegenlacht. Dann nur ein Mineral.
Freibaddämmerung. Bad zur Sonnenfinsternis. Stadtwerke. Stadtwerke. Bald wird auch das Mineral 5 Euro 70 kosten. Und die Sonnencreme wird unerschwinglich sein. Das Geld wird knapp, die Bäder sperren zu. Mit mir kann man’s ja machen. Mit mir. Ich tu ja nichts, ich tu ja nie etwas dagegen. Straßgangereckengangerl. Mit mir. Margarethenbadeunfall. Höhnisch strahlt die Sonne über mein Unbehagen. Das interesselose Wohlgefallen der Natur. Stadtwerke. Stadtwerke.
Dann wieder ins Wasser. Im Wasser ist’s bedeutend besser. Viel besser ist’s im Wasser. Vermutlich frühembryonales Erinnerungsentzücken. Aber auch das will man mir nehmen. Auch das. Und ich werde wie immer lauthals nein zu allem sagen, und nichts wird sich ändern. Nichts. An euren Werken sollt ihr eure Stadt erkennen. Ihr Volksvertreter mit euren unbetretenen Mienen, wenn ihr vors Volk tretet und strahlend wie die Sonne verkündet, dass ihr jetzt aber wirklich wirklich alles, alles unternehmen, in die Wege leiten werdet. Alles. Und wer hat dem Pammerbad den wie einen Bissen Brot benötigten Zuschuss verwehrt und uns den Zutritt? Dann geh ich langsam. Dann geh
ich langsam unter. Aber der Bademeister. Nicht einmal untergehen lassen sie einen heutzutage.
- Verfasser/in:
- Günter Eichberger, Glosse
