ort.00, das neue Programm im HDA
Assoziationen: Orte, Unorte, ortlos, lustlos, LoosBar, lösbar, u.s.w.
Neugierde: Hingehen, ca. 50 Personen, gemischt: Frauen/Männer, eher jung.
Die Protagonisten: Dunkl, der kommende Medienstar.
Matt, der introvertierte Nach-, nein, Vordenker.
Boeckl, Musils Ulrich.
ort.01: Fünf Bilder. Haus vorne, Kirchturm hinten. Regionalismus, Achleitner, okay.
Die Ankunft der 40-Jährigen.
Dunkl in Wien und die IG-Architektur, Matt und sein Partner in Vorarlberg.
Dunkl: Aufruhr gegen das Establishment, Peichl, Hollein namentlich, Holzbauer wird nicht erwähnt, Seitenblicke: Zigarren aus Havanna, okay, akzeptiert. Helmut Richter, aus Leoben, auch aus Graz, TU Wien: Keimzelle für Gruppendynamik, hat Folgen. IG-Architektur: Netzwerk, ca. 115 Büros, können auch mehr sein, derzeit solidarisch.
Matt: mit seinem Partner Einzelkämpfer, Positionierung einer Architektengeneration gegen die autistische Holzlobby. War Mitarbeiter von Nouvel, denkt nach bzw. vor.
Typus: klassischer Architekt.
Jakob Dunkl, ganz aktuell für www.gat.st: erhält am 25.03. den Young Architects Award, London, für Architekten unter 40. Verbunden mit dem Preis ist ein Auftrag in London. Anmerkung: Bei der Bewerbung zum Österreichischen Staatspreis für Architektur zahlt man 150 Euro, geehrt wird man im Fall des Falles mit einer Urkunde, Auftrag bekommt der Geehrte in Österreich keinen. Übrigens: Peter Cook war in der Jury, hat zumindest kein Vorurteil gegen Österreich, war wahrscheinlich nicht oft hier. Dunkl und Querkraft bauen viel, noch keine ganz großen Sachen, aber immer an der Grenze zum Unbekannten. Sie arbeiten auch an der Grenze der Selbstausbeutung, der Auftraggeber hat wenig Geld, sie finden ein Unternehmen mit 58 fehlproduzierten Fenstergläsern, die Planung wird darauf abgestimmt, zwei Scheiben bleiben übrig, Querkraft schnallt sie wie Reserveräder mit Gurten an das Haus, für den Schadensfall. Frage an Dunkl: Ist das noch Dienstleistung oder bereits konkrete Poesie? Jedenfalls, dieser Mann kann begeistern.
Christian Matt: Er spricht vom Ort. Für Menschen jenseits des Arlbergs scheint der Ort ein Thema zu sein. Zürich, München, ja, Paris fühlt sich der gestandene Vorarlberger nahe. Ob die in Zürich, München und Paris jemals vom Pfänder und dem Bregenzer Wald vernommen haben? Wie auch immer, Matt muss ein Exote im eigenen Land sein. Sehr sympathisch. Der Auftraggeber möchte sein Haus umbauen, Matt nimmt ihn beim Wort und plant einen Gartenzaun als Vorleistung für den Umbau. Dem Bauherren läuft die Frau davon, dem Matt der Bauherr, der Auftrag ist futsch. Ist das nicht alltäglich und somit normal? Matt empfiehlt einen Roman: "Die Wand" von Marlen Haushofer oder so ähnlich. Auf welcher Seite der Wand ist man vor oder hinter der Wand? Welche Wirklichkeit ist die wirkliche? Eine große Werbeagentur bezieht ein Loft im Obergeschoß einer Textilfabrik, wahrscheinlich Hämmerle, was sonst im Ländle? 700m2 gewünschte Gestaltung in Holz, was sonst im Ländle? Matt arbeitet in Sichtbeton, belegt die Oberflächen mit Blech aus Blei, Blei ist weich, der Kunde soll seinen Namen einritzen können, während er wartet. Er tut es. Matt zeigt eine Villa, aussen hui, innen pfui. Der Nachbar will auch so ein Haus. Matt nicht. Weil das Haus aus Stahlblech gemacht wird, rostet es an der Fassade. Und weil es aussen rostet, macht Matt es innen edel. Matt ist kein Querdenker, sein Vermögen ist die Poesie, dieser Mann kann auch begeistern, ehrlich.
Zwei Architekten, zwei Positionen, die Selbstdarstellung von zwei Orten.
Matthias Boeckl verbindet mit verbindlichen Worten.
Später, im Kunsthaus, die Preisverleihung der 6.Medien und Architektur Biennale. Frau Landeshauptmann hat Schlüsselblumen mitgebracht und die zeitgenössische Architektur in der Steiermark sehr gelobt. Im Landeskulturbeirat der Steiermark ist kein Architekt. Weiß die Frau Landeshauptmann, wovon sie spricht?
aus dem HDA
Heinz Wondra
- Verfasser/in:
- Heinz Wondra
- "Freie Meinung"