Das – nur online zugängliche – „Wiener Architekten-Lexikon 1880-1945“ ist ein fundiert recherchiertes und höchst brauchbares Pool, das Informationen über 700 Architekten (und wohl auch einige Architektinnen) bereit stellt. Allerdings verfügt es nicht über eine Suchfunktion für Namen, Orte oder Sachbegriffe, was die Recherche und Verlinkung zwischen den einzelnen Einträgen erschwert. Zeitlich ist es auf die Jahrzehnte von 1880–1945 beschränkt, wo in Wien insgesamt immerhin 1200 tätig waren, die das Stadtbild und das, was gemeinhin sehr vereinfachend als „Wiener Moderne“ bezeichnet wird, mitgeprägt haben.
Anzuregen wäre, das Lexikon als „Österreichisches Architekten-Lexikon“ auf die übrigen Bundesländer auszudehnen, was auch dem AzW als Projektträger mit seinem Anspruch, ein „Österreichisches Architekturmuseum“ zu sein, entsprechen würde. Schon jetzt kann man aber einige Architekten, die in Graz gebaut und gelebt haben, wie Friedrich Zotter oder Alfred Keller, nachschlagen.
Die einzelnen Bauten des vom Lexikon abgedeckten Zeitraums sind durch objektbezogene Nachschlagewerke wie „den Achleitner“ (Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert), aber auch die neu bearbeiteten Versionen des Denkmälerinventars Dehio relativ gut erfasst. Bei den Biographien sieht das hingegen ganz anders aus: Während die Biographien der „großen“ Persönlichkeiten der Wiener Architektur im Umfeld von Otto Wagner, Adolf Loos, Camillo Sitte oder Clemens Holzmeister schon relativ gut bekannt sind, finden die vielen anderen Architekten, die zu Architektur und Stadtgestaltung wesentlich beigetragen haben, noch wenig Beachtung. Ihre beruflichen Laufbahnen und Lebensstationen, gerade auch die der emigrierten Architekten, waren bisher noch wenig erfasst, viele Fehler wurden von Text zu Text übernommen, bei Namensgleichheiten kam es oft zu folgenreichen Konfusionen.
Hier setzte unter der Leitung der Kunsthistorikerin Inge Scheidl das vom FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) geförderte Online-Lexikon-Projekt an. Ab 2003 wurden in mehrjähriger Forschungsarbeit mehr als 700 Biographien der in o.a. Zeitraum tätigen Architekten wissenschaftlich umfassend aufgearbeitet und über die Homepage des AzW öffentlich zugänglich gemacht. Ein unbestreitbarer Segen des Internets ist hier, dass im Gegensatz zu gedruckten Lexika aktuelle Daten ergänzt und Fehler nachträglich problemlos korrigiert werden können. So wird das Lexikon auch als work in progress verstanden.
Die Einträge zu den einzelnen Architekten umfassen neben biographischen Eckdaten wie Geburts- und Sterbedaten, dem familiären Umfeld, der Ausbildung und Mitgliedschaften v.a. eine ausführliche Darstellung des Lebenslaufes („Vita”) sowie eine Einordnung bzw. Beurteilung des Architektenwerks („Stellenwert”). Die Auflistung der Werke, detaillierte Literaturangaben und weitere Informationen runden den Eintrag ab und geben Hinweise für weiterführende Forschungen. Auch auf Fehler und Ungenauigkeiten in anderen Quellen wird hingewiesen.
Wiener Architekten-Lexikon 1880-1945
Projektleitung: Inge Scheidl
Bearbeitungszeit: 2003 - 2007
Projektabschluss: Juni 2008
Gefördert vom FWF - Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung
- Verfasser/in:
- Antje Senarclens de Grancy, Empfehlung
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