Am 2. September 2005 um 12.00 Uhr wird das erste Passivhaus auf über 2000 Metern Seehöhe feierlich eröffnet. Für die Planung zeichnet pos architekten ZT-KEG aus Wien verantwortlich.
Das Schiestlhaus am Hochschwab ist ein Prototyp für einen nachhaltigen alpinen Stützpunkt in Insellage und basiert auf einem ökologischen Gesamtkonzept mit den Schwerpunkten Holzbau in Passivhausstandard, energieautarke Bewirtschaftung unter Nutzung von Solarkollektoren zur Bereitstellung von Warmwasser und Photovoltaikmodulen zur Stromgewinnung, biologische Abwasseraufbereitung und Regenwassernutzung.
Die Lösungen und Erkenntnisse, die unter extremen Bedingungen funktionieren, können mit geringen Modifikationen oder in einfacher Ausführung auf den gesamten Bereich gemäßigter alpiner Lagen bzw. Insellagen im allgemeinen angewendet werden (Schwerpunkt Beherbergungsbetriebe).
Das Schiestlhaus (im Besitz des ÖTK- Österr. Touristenklub) liegt auf 2200 m am Gipfelplateau direkt unterhalb des Hauptgipfels des Hochschwab und ist somit der zentrale alpinistische Stützpunkt des Hochschwabmassivs. Das ursprüngliche Haus, war 120 Jahre alt und in einem äußerst schlechten Zustand, weshalb der Verein sich gegen eine Sanierung entschieden hat. Stattdessen wurde ein Ersatzbau errichtet, der hinsichtlich Energieversorgung, Ausstattung, Sanitäranlagen sowie Abwasserentsorgung den heutigen Standards an Ökologie, Hygiene und Sicherheit entspricht. Das alte Schiestlhaus wurde mit Ende der Saison 2002 geschlossen.
Architektur/innovatives Gebäude-Konzept
Eine Schutzhütte stellt im Raumprogramm und in der Raumnutzung einen Spezialfall dar. Einerseits gibt es eine größenmäßig beträchtliche Raumgruppe, die nicht oder schwach beheizt wird, andererseits schwankt die tatsächliche Benutzung der Räume sehr stark, abhängig von Wetter, Jahreszeit und Gästezahl. Daraus folgt der konzeptionelle Grundsatz, die durchgehend beheizten Räume (Küche, Gaststube, Personalräume) möglichst kompakt als sogenannte Kernzone anzuordnen. Das Gebäude wird demnach in Klima-Zonen organisiert: eine ständig beheizbare Kernzone, eine um diese herum angeordnete weitere Zone, die je nach Bedarf „dazugeschaltet“ werden kann, und eine äußere unbeheizte Zone mit Nebenräumen.
Bauliche Umsetzung
Aufgrund der besonderen klimatischen Bedingungen im alpinen Raum war es unbedingt erforderlich, die Montagezeit möglichst kurz zu halten. Daher war ein maximaler Grad an Vorfertigung notwendig. Geplant wurde ein Holz-Fertigteil-System, wobei die geschoßhohen Bauteile mittels Hubschrauber angeliefert und montiert werden mussten.
Wasser- und Energieversorgung
Da keine Quellen mit ausreichender Schüttung in sinnvoller Entfernung zur Verfügung stehen, wird Regenwasser über das Dach gesammelt, gespeichert und aufbereitet. Warmwasser und Strom werden über Kollektoren erzeugt, die vollständig in das architektonische Konzept integriert sind. Die Raumheizung erfolgt nach der Passivhaustechnologie, d.h. die Aufenthaltsräume werden ausschließlich über die inneren Wärmequellen und die temperierte Zuluft beheizt. Mit Ausnahme der Wasch- und Trockenräume sind keine zusätzlichen Heizflächen im Haus vorgesehen.
In speziellen Abluftwärmetauschern wird ein Teil der Wärme aus der Abluft wieder der Zuluft zugeführt. Der Restheizwärmebedarf (12,9 kWh/m²a) wird durch Nachheizregister aus dem Warmwasserspeicher zur Verfügung gestellt.
(Text: pos architekten pos architekten ZT-KEG)Eigentümer und Auftraggeber: ÖTK, Österreichischer Touristenklub, Wien
Ausführung, Generalplaner-ARGE:
Planung: pos architekten ZT-KEG, Wien
AVA, ÖBA: Treberspurg & Partner Architekten ZT-GmbH, Wien
Statik und konstruktiver Holzbau: Salzer, Gallasch, Wien-Hohenberg
Projektentwicklung und Entwurf:
gefördert von „Haus der Zukunft“, bm:vit im Rahmen des Forschungsprojektes der ARGE solar4alpin, Rezac, Stieldorf, Oettl, Treberspurg.
ANMELDUNG ZUR ERÖFFNUNGSFEIER:
Um Anmeldung zur Eröffnungsfeier beim Österreichischen Touristenclub, T 01/512 38 44, F 01/512 16 57-74, zentrale@touristenclub.at wird gebeten.
Die Teilnahme ist kostenlos.
Am Tag der Eröffnung, dem 2. September 2005 fährt um 8.00 Uhr ein Shuttlebus vom Weichselboden im Salzatal zur Edelbodenalm, um 9.30 Uhr beginnt der zweistündige Aufstieg zum Schiestlhaus am Hochschwab.
- Verfasser/in:
- Redaktion GAT Graz Architektur Täglich
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