Gute Architektur will im steirischen Umland gesucht werden. Allen an Baukultur Interessierten sei angeraten, sich am Beispiel der Weingüter zu halten – die jungen Winzer haben in den vergangenen Jahren erkannt, dass Architektur keine Bürde, sondern eine Chance darstellt. Im Gegensatz dazu sind andere Neubauten in hohem Ausmaß geprägt von der Vermeidung des Kontaktes zu Architekten und der Abstinenz von Gestaltungsbeiräten.
Eine wohltuende und überraschende Ausnahme findet sich im oststeirischen 1000-Einwohner-Ort Mönichwald in Form der dort neu errichteten Volksschule.
Im Jahr 2007 wurde ein Architekturwettbewerb zur Planung einer zweiklassigen Volksschule ausgeschrieben. Teilgenommen hat unter anderem das Büro „Riegler Riewe“ (Mönichwald ist übrigens die Heimatgemeinde von Florian Riegler). Gewonnen wurde der Wettbewerb allerdings vom jungen Team „dreiplus Architekten“ unter Federführung von Arch. DI Thomas Heil, welche auch mit der weiteren Planung beauftragt wurden.
Die „dreiplus Architekten“ begannen direkt nach Abschluss des Wettbewerbes mit der Ausarbeitung. Nach etwa zwei Jahren Planungs- und Bauzeit wurde die Schule im Herbst 2009 eröffnet. Anfängliche Sorgen der Bevölkerung äußerten sich in typischen Fragen wie „Und wann kommt das Dach?“ und „Die Fassade ist aber noch nicht fertig, oder?“. Bürgermeister und Gemeinderat standen aber immer hinter den Planern und ihrem Projekt, sodass das Wettbewerbsergebnis ohne wesentliche Änderungen umgesetzt werden konnte.
Das Ortsbild Mönichwalds wird in großem Ausmaß von der Landstraße im Süden des Ortes geprägt. Der Turnsaal der Volksschule wurde bewusst an diese Straße gestellt, um den Eingangsbereich der Schule vom Verkehr abzuschotten. Dieser Vorbereich bildet zugleich einen großzügigen Platz, welcher mit seiner Orientierung zu Pfarrhof und Kirche nicht nur als Pausenhof, sondern auch als Veranstaltungsplatz für den Ort dient. Die Volksschule komplettiert somit schlüssig einen dörflichen Nukleus.
Die Schule wird zweiklassig geführt, mit der Option, auf vier Klassen erweitert zu werden. Der Hauptzugang erfolgt über den Vorplatz, der im Eingangsbereich vom auskragenden Obergeschoss großzügig überdacht wird. Die Funktionsbereiche verteilen sich auf drei Geschosse. Im Untergeschoss befindet sich neben dem Proberaum für Blasmusik und den Technikräumen der Turnsaal, welcher auch für Konzerte und Theateraufführungen genutzt wird. Die im Erdgeschoss gelegenen Räume (Gruppen- und Werkraum) sind im Fall einer Erweiterung als barrierefreie Klassenräume nutzbar. Im Obergeschoss befinden sich die Direktion, die beiden Klassenräume und ein Kleingruppenraum.
Der Baukörper ist in seiner äußeren Erscheinung auf Sichtbeton und Glas reduziert und gibt sich unprätentiös und zurückhaltend. Gleichermaßen wie die Fassaden nach außen kühl wirken, beeindrucken die Innenräume durch ihre warme Ausstrahlung. Im Innenausbau wurde konsequent mit Holzoberflächen gearbeitet, wobei darauf Wert gelegt wurde, Tannenholz aus der Region zu verwenden. Decken, Innenwände und Möbel wurden aus eigens dafür entwickelten Dreischichtplatten gefertigt, einzig die Industrieparkettböden aus Esche bilden eine Ausnahme. Das Gebäude erfüllt den Niedrigenergiehaus-Standard und wird über ein benachbartes Nahheizwerk versorgt.
Die Eröffnung der Schule im Herbst 2009 wurde im multifunktionellen Turnsaal gefeiert. Interesse und Begeisterung der Bevölkerung waren groß und ließen die anfänglichen Zweifel mancher Ortsbewohner und Anrainer vergessen. Ein realisiertes, nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Projekt stellt schließlich das glaubwürdigste Argument für zeitgenössische Architektur dar.
NEUBAU VOLKSSCHULE MÖNICHWALD (Stmk.)
Bauherr: Gemeinde Mönichwald
Planung: dreiplus ARCHITEKTEN ZT GMBH
Nutzfläche: 875 m²
Wettbewerb: Juni 2007, 1. Preis
Fertigstellung: Juli 2009
- Verfasser/in:
- Martin Brischnik, Bericht
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