Nachlese zu SLO} {discussions 2

Junge slowenische Architektur und Stadtentwicklung im Fokus – Teil 2. Wie kann eine mittelgroße Stadt wie Ljubljana Profil entwickeln und: braucht sie überhaupt ein Brand

02/05/2006

Am 26.04.2006 um 19.00 Uhr fand im HDA Graz der zweite Diskussionsabend der dreiteiligen Reihe SLO} {discussions zur jungen slowenischen Architektur statt.

Das Thema des Abends lautete "Medium Size City: Chancen der Stadtentwicklung in Ljubljana". Gäste waren der Teoretiker Roemer van Toorn [NL] und die Architektenteams Bevk in Perovic Arhitekti sowie Monochrome Architects aus Ljubljana.

Lesen Sie nachfolgend den Kommentar von Karin Tschavgova.

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(Translation: [Y'plus] Graz - http://www.yplus.at)

Junge slowenische Architektur und Stadtentwicklung im Fokus – Teil 2. Wie kann eine mittelgroße Stadt wie Ljubljana Profil entwickeln und: braucht sie überhaupt ein Branding?

War’s die Attraktivität von FC Barcelona gegen AC Milan oder waren es die beim ersten Abend der ZV-Reihe SLO/discussions etwas langatmig geratenen Monologe des Archivars der slowenischen Architektur, Andrej Hrausky, die die Reihen beim zweiten Teil der Veranstaltungsreihe am vergangenen Mittwoch gelichtet bleiben ließen? Am Thema konnte es nicht liegen; Chancen (und Probleme) der Stadtentwicklung mittelgroßer Städte am Beispiel von Ljubljana zu thematisieren, schien schon deshalb reizvoll, weil die slowenische Hauptstadt in ihrer Struktur und Topographie durchaus Ähnlichkeiten mit Graz aufweist. Folgerichtig stellte der als Moderator eingesetzte holländische Architekturtheoretiker Roemer van Toorn in seinem Eröffnungsstatement allgemeine Fragen zur einer zeitgemäßen Identität mittelgroßer Städte voran und damit zur Diskussion. So fragte er, was heute an Stelle des nicht mehr funktionierenden Nationalstaatengedankens rücken könnte, um gleich darauf klarzustellen, dass jene „kosmopolitische Realität“, die als Folge der Globalisierung das Denken (und Konsumverhalten) der Bürger wie auch das Bild der Stadt bestimmt, zu banal sei, um identitätsstiftend zu sein. Was könnte Weltläufigkeit heute sein, wie sich der Bürger als Kosmopolit neu definieren?

Derartige Fragen zur Identitätssuche und zum „Branding“ der Stadt Ljubljana scheint man sich, glaubt man den geladenen Laibacher Architekten, in der Stadt selbst nicht zu stellen. Sie beklagen das Fehlen jeglicher programmatischer Überlegungen zur Stadtentwicklung, ja, sogar das Fehlen eines Stadtplanungsamtes, was dazu führe, dass die Stadt auf Investoren, Ansiedlungs- und Bauboom in keiner Weise vorbereitet sei. Eine von van Toorn zitierte Studie wurde denn auch am Berlage-Institut in Amsterdam erstellt. Ihre Autoren verfolgten einen sehr pragmatischen Ansatz und untersuchten die Stadt bis hin zu den (ungeklärten) Eigentumsverhältnissen der freien Grundstücke im Zentrum. Sie weisen der Stadt eine Scharnierfunktion zwischen zwei Regionen zu.

Bevor eine Diskussion ansatzweise herausarbeiten hätte können, was der kosmopolitische Ansatz, was eine heutige Vision für die europäische Stadt sein könnte, stellten die beiden geladenen slowenischen Teams noch kurz ihre Arbeiten und Arbeitsweise vor.

Matija Bevk und Vasa J. Perović, die sich Bevk in Perović Arhitekti nennen, erhalten Aufträge von der öffentlichen Hand. Sie sind in Slowenien offensichtlich schon etabliert und können bei ihren Bauten seit der Errichtung der Residenz für den Niederländischen Botschafter mit einer Publizität über die Grenzen Sloweniens rechnen. Mit der Betonung, dass ihr besonderes Interesse an den Schnittstellen zwischen innen und außen und zwischen Kollektiv und Individuum liegt, schließen sie an das Thema des Abends, die Stadtentwicklung von Ljubljana, an. Welchen Wert sie dem öffentlichen Raum zuweisen, konnten die beiden Architekten an ihrem sozialen Wohnbau in Polje bei Ljubljana zeigen, bei dem sie - trotz äußerst geringer Mittel - der Zuordnung und Gestaltung der Außenräume besondere Achtsamkeit zuteil werden ließen.

Monochrome Architects, die zweiten Referenten des Abends, sind (noch) stark verhaftet im Experimentellen und in Theorie, oszillierend zwischen Kunst und Architektur. Vertreten durch die wortgewandte Architektin Spela Hudnik stellte die Gruppe ein interessantes Pendant zu Bevk in Perović dar. Präsentiert wurde keine architektonische Arbeit im engeren Sinn, sondern Struktur und Programm von „Euphoria“, der letzten Architektur Biennale von Ljubljana, die Monochrome organisiert hat. Provokatives Thema eines in diesem Rahmen veranstalteten Ideenwettbewerbs, zu dem 27 Projekte aus 13 Ländern eingelangt sind, waren „Skyscraper“ für die junge Hauptstadt. Nichtsdestotrotz stellte Spela Hudnik die Frage, ob (derartige) Veranstaltungen mit klarem Profil, bei denen die Menschen vor Ort einbezogen werden, nicht eher zur Identitätsstiftung einer mittelgroßen Stadt beitragen könnten als spektakuläre Bauten, die einer Stadt übergestülpt werden wie das Museum von Gehry der Stadt Bilbao. Die Frage, ob der sogenannte Bilbao-Effekt nun negativ gesehen werden muss oder doch auch positiv sein kann, wie Roemer van Toorn sie klug in seiner Einleitung stellte, wurde von der Architektin nicht aufgenommen und auch in der Diskussion danach nicht mehr gelöst. Sie ist für Ljubljana offensichtlich nicht aktuell.

Den Verantwortlichen in der Stadtpolitik möchte man nach diesem Abend durch Zuruf bewusst machen, welche Denk- und Handlungspotenziale mit engagierten „Patrioten“ wie Bevc, Perović oder Hudnik die Stadt versammelt. Klugerweise sollte man sich ihrer bedienen, will man die derzeit gegebene Chance einer schnellen Entwicklung auch zum Wohle der Bürger strukturieren und lenken. Mit Plecnik hat schon einmal ein Architekt maßgeblich zur Identitätsbildung von Ljubljana beigetragen.NÄCHSTER UND ZUGLEICH LETZTER TERMIN:

Mittwoch, 31. Mai 2006, 19.00 Uhr - HDA Graz, Engelgasse 3-5

SLO} {discussions 3

Thema: „Slowenien und Österreich: Jeder für sich oder gemeinsam stärker?“

GÄSTE:

Theoretiker: Andreas Ruby [D]

ArchitektInnen: Sadar Vuga Arhitekti [SLO], Roger Riewe [A] sowie ein slowenischer Investor

Die Reihe SLO} {discussions wird begleitet von der Ausstellung

SLO} {exhibition "NEXT TO YOU: Junge Architektur aus Maribor"

Ausstellungsdauer: 30. März bis 31. Mai 2006

Öffnungszeiten: Mo-Fr 10.00-18.00 Uhr

In Kooperation mit Umetnostna Galerija Maribor / Maribor Art Gallery

Verfasser/in:
Karin Tschavgova, Kommentar

Weiterführende Links

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SLO} {discussions ist Teil der Veranstaltung SLO}, ein Projekt der ZV Steiermark zur jungen slowenischen Architektur. SLO} findet im Rahmen von „auszeit – hanns-koren-bedenkjahr 2006“ statt und beinhaltet neben der Diskussionsreihe SLO} {discussions und d
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Der Theoretiker Roemer van Toorn [NL]
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Die Architekten Matija Bevk und Vasa J. Perovic aus Ljubljana.
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Die Architektin Spela Hudnik von Monochrome Architects aus Ljubljana
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DI Martin Krammer (Präsident der ZV-Steiermark) moderierte den Abend

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