Nachlese CHEAP 3: 19.04.2005, Forum Stadtpark Graz

CHEAP ist eine Veranstaltungsreihe des Forum Stadtpark Graz zu den Produktionsverhältnissen im Architektur -Business.

22/04/2005

CHEAP 3

"Es ist wie in der Popmusik. Stars, Spaß und Groupies"

Pop ist eben auch nicht mehr das, was es einmal war. Am vergangenen Dienstag versammelten sich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „CHEAP“ im Forum Stadtpark VertreterInnen einiger der sogenannten Boy- and Girliegroups der jungen österreichischen Architekturszene zur Diskussion; vornehmlich, um sich von dem ihnen übergestülpten Image der Popgruppe gleich wieder zu distanzieren. Die DiskutantInnen – Maruša Sagadin, Karin Hubmer (arge LOFT), Mark Jenewein (LOVE) sowie das Architektur-Label heri&salli – waren sich einig: Architektur hat primär nichts mit Pop zu tun – und das alleine schon aufgrund der Produktionsbedingungen, die Architektur als Massenphänomen, wie es der Popindustrie entspräche, gar nicht zulassen: „Wir bauen Unikate“. Und, wenn man schon selbst populär sein will, dann aus pragmatischer Notwendigkeit und nicht zum Selbstzweck – sei es, um, wie Maruša Sagadin, durch intelligentes Networking das eigene Tätigkeitsfeld prozesshaft zu entwickeln, oder einfach, um überhaupt erst Architektur machen zu können. Denn, so Mark Jenewein: „So lange wie Coop Himmelb(l)au wollen wir mit dem Bauen nicht warten.“

Vor diesem Hintergrund dokumentieren die gegenwärtig sich bildenden Gruppierungen in der jungen österreichischen Architekturszene weniger eine modische Erscheinung, als den intelligenten Umgang mit einem sich bietenden Geflecht an Möglichkeiten. Bei so viel Pragmatismus bleibt die Frage nach Haltung und Inhalt der eigenen Arbeit den jungen Teams selbstverständlich nicht erspart; die Pose des heroischen Architektur-Stars vermeiden sie allerdings lieber und machen stattdessen den Netzwerkgedanken zur Arbeitsphilosophie: Offene Herangehensweisen, flexible Konzepte. Sie setzen auf inhaltlichen Diskurs und – überraschend – Authentizität, denn, wie heri&salli meinen: „Profilierung entsteht durch Präsenz. Präsenz heißt, die eigene Arbeit der öffentlichen Kritik auszusetzen.“ Wir dürfen auf gebaute Ergebnisse gespannt sein.

Verfasser/in:
Fabian Wallmüller, Kommentar
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