Maria Nievoll interviewte am 4. Mai 2005 für GAT den Grazer Architekten Alfred Bramberger, der die Adaptierung und Renovierung der "Alten Universität" in Graz geplant hat. Am 30. April 2005 wurde das Bauwerk mit einem aufwändigen Rahmenprogramm der Öffentlichkeit präsentiert.
GAT: Bei der Eröffnung herrschte großer Andrang, die Karten waren ausverkauft. Ist das Haus so sensationell?
Bramberger: Es hat auf alle Fälle sein Potenzial erst während des Baus entfaltet. Bis auf ein paar Archivare wusste niemand von seiner Schönheit, von den 6 Hörsälen, oder von der Bibliothek. Es war ja alles mit Büchern und Akten voll gestellt. Obwohl viele Grazer täglich daran vorbei gingen.
GAT: Wann war der Wettbewerb, wann wurde mit dem Bau begonnen? Wie hoch waren die Baukosten?
Bramberger: Es war ein geladener Wettbewerb Ende 1999/ Anfang 2000, die Bauuntersuchungen erfolgten 2002, im September 2003 haben wir mit dem Bau begonnen. Wir mussten auch umplanen, die Küche beispielsweise, nachdem ein Kellergewölbe entdeckt worden war, den wir jetzt wieder als Weinkeller nützen. Die Baukosten betrugen 10,2 Millionen Euro netto, wir haben die Bauzeit und den Kostenrahmen unterschritten.
GAT: Was war die größte Herausforderung?
Bramberger: Das Schwierigste war sicher, die sehr aufwendige Haustechnik so zu integrieren, dass man das das denkmalgeschützte Objekt möglichst schont, und dass man Altes und Neues verwebt. Wir haben dafür für den Hinterhof die Versorgungswand aus Leichtstahlprofilen entworfen und mit einem feinen Drahtnetz abgedeckt, so dass der Bau durchschimmert. Das Haus selbst wurde nur ein paar Mal angebohrt. Alle Hinzufügungen kann man wieder abnehmen und irgendwo verstauen.
Spannend war natürlich die Abtragung und Entdeckung der verschiedenen Schichten. Die Universität wurde 1605 errichtet und war bis 1895 also ein Hort des Wissens, ab 1905 diente sie als Landesarchiv, und jetzt muss das Haus was Neues für die Zukunft leisten. Es wäre beispielsweise falsch gewesen, hätte man in der Bibliothek weiterhin Bücher belassen. Wir wollten die Vergangenheit lesbar machen und auf die Zukunft, auf die nächsten 70 Jahre Nutzung ungefähr, verweisen. Immerhin hatten wir 3 km Datenleitung zu verlegen, man stelle sich das einmal vor! Allein die Leitungsführung zu finden war schon eine große Herausforderung, die wir aber mit dem Bundesdenkmalamt gemeinsam gelöst haben.
GAT: Gab es so etwas wie ein Aha-Erlebnis für dich?
Eine kleine Sensation waren die Gräberfunde. Anhand der Grabbeigaben, beispielsweise einem Ohrring, identifizierte man sie als slawische Gräber aus dem 9. Jahrhundert, was auf einen Zuzug nicht von Bayern, sondern vom Süden hinweist. Und eine Überraschung war auch die Wendeltreppe, die aus dem gleichen Stein und in der gleichen Art erbaut ist wie die Doppelwendeltreppe in der Burg.
GAT: Wie war die Zusammenarbeit mit dem Bauherrn und dem Bundesdenkmalamt?
Bramberger: Das Bundesdenkmalamt war von Anfang an eingebunden. Jetzt ist nur mehr die äußere Torumrahmung unentschieden. Wir haben dafür einen total dezenten Nirostarahmen gemacht, können aber auch das alte Tor wieder einhängen. Es ist sowieso alles reversibel im Sinne des Denkmalschutzes. Mit der LIG, dem Bauherrn, war die Zusammenarbeit perfekt, sie haben uns größtes Vertrauen entgegengebracht, und wir haben auch die örtliche Bauaufsicht gemacht.
GAT: Welche Bedeutung hat das Objekt städtebaulich?
Bramberger: Es vervollständigt die Stadtkrone und wertet sie auf. Wir haben die Achse zum Karmeliterplatz betont und aus der Bibliothek Ausblicke zur Burg und zum Dom geschaffen. Das Land hat jetzt ein Veranstaltungszentrum mit 350 Plätzen für gedecktes Essen und bis zu 800 Plätzen für Stehempfänge. Ungefähr 100 Veranstaltungen sind bereits gebucht, der Rest ist noch für Firmenpräsentationen oder Konzerte verfügbar. Die Akustik ist übrigens sehr gut gelungen.
GAT: Kollegen meinen, das Projekt wäre „zu g’schmackig“ geraten.
Bramberger: Sowas halte ich schon aus. Österreich ist ein barockes Land, und die Fresken in der Bibliothek sind, wie sie sind: aus dem Rokoko, und nicht unbedingt ganz hochwertig, aber sehr farbig, und diese Farbigkeit haben wir dort auch betont. Im Foyer und in den Hörsälen haben wir ihr aber ganz bewusst eine Monochromie entgegengesetztKONTAKT
Architekt DI Alfred Bramberger
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- Verfasser/in:
- Maria Nievoll, Interview
