Nachbetrachtung der Veranstaltung zur Präsentation der Broschüre
„Mut zur Qualität Teil 2 - Gemeindehochbauten in der Steiermark“
am Montag, den 30. Mai 2005 um 17.00 Uhr
in der Musikschule / HS Passail.
Wie lässt sich besser vermitteln, was qualitätsvolles Bauen ist, als durch gebaute Beispiele?
Seit Jahren gilt im Gemeindehochbau die Devise „Mut zur Qualität“ und zahlreiche in den letzten Jahren realisierte Bauten in der Steiermark zeigen, was entstehen kann, wenn solche Schlagwörter nicht Phrasen bleiben, sondern mit konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Planung und Durchführung von öffentlichen Bauvorhaben in den steirischen Gemeinden einhergehen.
Anregung und Vorbild für Bürgermeister soll in diesem Sinne Teil 2 der Broschüre „Mut zur Qualität“ sein, welche durch das Amt der Steiermärkischen Landesregierung / Fachabteilung 7A erstellt und nun am 30. Mai 2005 in Form einer mehr als zweistündigen Multimedia-Performance im neuerrichteten Festsaal der Musikschule Passail präsentiert wurde. Rund 200 Personen, unter ihnen viele Bürgermeister, Gemeindevertreter sowie Repräsentanten der Verwaltungsbehörden auf Bezirks- und Landesebene, aber auch zahlreiche ArchitektInnen waren der Einladung nach Passail trotz drückender Nachmittagshitze gefolgt.
Den ersten Teil des Programms moderierten Peter Pretterhofer und Reinhard Schafler / „baustelle land“, eine Architekturvermittlungsinitiative, die Gemeindevertreter mit Busreisen zu Beispielen qualitätvoller Architektur am Land und der Möglichkeit des dabei gebotenen Erfahrungsaustausches samt Diskussion zu anspruchsvollem Bauen animieren will. Der Videofilm mit dem Titel „Bauen am Land“ über die erste Busreise war dann auch der Einstieg in den Abend. Danach folgten Interviews mit dem Ehrengast Landtagspräsident Reinhold Purr, der die Wichtigkeit einer breiten Streuung von Architekturwettbewerben in der Steiermark hervorstrich und mit Kurt Rettinger, dem Bürgermeister von Passail, der eine durchwegs positive Bilanz des Realisierungsprozesses der Musikschule Passail mit Architekt Reinhold Tinchon zog, in welchem - beginnend mit der Projektentwicklung, der Durchführung eines Wettbewerbs und der Projektsteuerung - der von der Fachabteilung 7A empfohlene Weg eingeschlagen wurde. Ing. Robert Wagendorfer, in der FA 7A zuständiger Referent für den Gemeindehochbau, erläuterte daraufhin im Detail die einzelnen Schritte einer erfolgreichen Projektentwicklung und betonte, dass die Kosten für diesen neuen Weg der getrennt vergebenen Prozesssteuerung zwischen 2,5 und 5,0 Prozent der Baukosten betragen und vom Land mitgefördert werden. Abschließend erklärte er die Kriterien zur Auswahl der Objektbeispiele in der neuen Broschüre.
Der darauf folgende Film über eine vom Land Steiermark initiierte Exkursion nach Vorarlberg – wieder per Bus und von der baustelle land organisiert – bot mit dem überzeugenden Bekenntnis des Bürgermeisters der kleinen Gemeinde Zwischenwasser-Batschuns zum Einsatz eines Fachbeirats, der alle in der Gemeinde geplanten Bauvorhaben begutachtet, ein Lehrbeispiel vorbildlicher Gemeindebaupolitik, in der über Wahlperioden hinaus gedacht und geplant wird. Nach weiteren positiven Erfahrungsberichten zum Planungs- und Bauablauf von Gemeindebauten der Bürgermeister von Lannach und Flatschach (in einem weiteren Kurzfilm) erläuterte Karl Amtmann, Referatsleiter für den Hochbau und seit kurzem Leiter der Baubezirksleitung Hartberg, die Zuständkeitsbereiche der Bezirkshauptmannschaften, die sich je nach Lage der Gemeinden im Landschaftsschutzbereich oder außerhalb desselben wesentlich unterscheiden.
Im zweiten Teil des Abends stellte Moderator Peter Lidl die „Plattform Kommunaler Hochbau“ vor. Diese wurde initiiert, um alle an der Planung beteiligten Interessensvertreter und Institutionen – das Land ist mit fünf Repräsentanten an dieser Plattform beteiligt - an einen Tisch zu bringen. Im Interview mit dem Präsidenten der Ingenieurkammer für Steiermark und Kärnten, Architekt Werner Nussmüller, bestätigte dieser die positiven Auswirkungen der Installation der Plattform, in welcher auch die Kammer für Architekten und Ingenieurkonsulenten vertreten ist und Nussmüller betonte die Wichtigkeit einer neuen Vergabekultur.
Abschließend würdigte Landesbaudirektor Hofrat Gunther Hasewend die vereinten Bemühungen um Bauqualität in den steirischen Gemeinden, setzte aber hinzu, dass das Modell der Projektentwicklung noch stärker ausgeweitet und „um gewisse qualitative Aspekte“ ergänzt werden muss. Er sprach sich dafür aus, die Produktionsbedingungen der Architekten zu verbessern und (Qualitäts-)architektur stärker als Profilierungsmöglichkeit und Standortfaktor der Kommunen zu sehen. Und er schloss mit der Vision, in 5 – 10 Jahren steiermarkweit Architekturreisen zu besonders guten Beispielen der Architektur als Seitenzweig des Tourismus anbieten zu können.
Frau Landeshauptmann Waltraud Klasnic, hat diese erfolgreiche Veranstaltung mit dem Hinweis abgeschlossen, dass es neben Baukultur auch kulinarische Kultur gäbe!
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