Modellstadt mit Vorbildwirkung

Am 16.02.2006 wurde in einem Vortrag im afo oberösterreich das Projekt Fussgänger- und Velomodellstadt Burgdorf (CH), das auch für die lärm- und schadstoffbelastete Stadt

15/02/2006

Am 16.02.2006 wurde in einem Vortrag im afo oberösterreich das Projekt Fussgänger- und Velomodellstadt Burgdorf (CH), das auch für die lärm- und schadstoffbelastete Stadt Graz in Hinblick auf die Verbesserung der Luft- und Lebensqualität Vorbildwirkung haben könnte, vorgestellt.

Unter dem Titel "Fussgänger- und Velomodellstadt" (FuVeMo) läuft in Burgdorf (CH), einer Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern, seit 1995 ein mehrjähriges Projekt mit dem Ziel, das Zufußgehen und Velofahren (Schweizerdeutsch „Velo“ = Fahrrad) mittels neuer, innovativer Projekte und Angebote zu fördern. Die Erfahrungen und Resultate haben wegweisenden Charakter und werden bereits als Basis für Maßnahmen in anderen Städten der Schweiz herangezogen.

Die erste Phase der FuVeMo, welche ein gutes Dutzend Projekte beinhaltet, wurde 2001 abgeschlossen. Im Hinblick auf die energetische Wirkung waren die Einrichtung von Begegnungszonen mit Fußgängervortritt und Tempo 20 (Mischverkehrszone im Burgdorfer Bahnhofquartier), die Mobilitätsberatung zum Sportverkehr und der Hauslieferdienst am wirkungsvollsten (ausführliche Informationen zu allen Projekten finden Sie unter http://www.modelcity.ch).

Mit diesen Maßnahmen erzielte man beispielsweise eine Treibstoffreduktion von rund 16 Prozent. Der im Jahre 2000 erhobene Energiespareffekt des Projektes Mobilitätsberatung zum Sportverkehr beträgt rund sechs Prozent. Spareffekte haben sich auch durch den Hauslieferdienst und eine Reihe von Verkehrsberuhigungen im direkten oder indirekten Zusammenhang mit den Modellstadt-Aktivitäten ergeben. Es zeigt sich außerdem, dass das langsame Fahren in den Begegnungszonen insgesamt stressfreier abläuft, da es durch den reduzierten Autoverkehr seltener zu gegenseitigen Behinderungen kommt. Die Begegnungszonen sind für Fußgänger übrigens so sicher wie Zebrastreifen und erfordern die Achtsamkeit aller am Verkehr Beteiligten. In Burgdorf haben sich Fußgänger und Autofahrerinnen aneinander gewöhnt und nehmen Rücksicht.

Seit 2002 führt die Modellstadt in einer zweiten Phase unter anderem folgende Projekte durch:

_ Elektro-Fahrräder: Vermietung von Elektro-Fahrrädern mit Anhänger für Freizeitaktivitäten in der Region

_ „Jackpot am Arbeitsplatz“: Förderung von ArbeitnehmerInnen, die sich mit öffentlichen Verkehrsmittel, dem Fahhrad oder zu Fuß in die Arbeit begeben.

_ Untersuchung zur Evaluation und Verbreitung des Fahrrad-Hauslieferdienstes.

_ Mobilitätskurse für Seniorinnen und Senioren.

_ Unterstützung eines Mitfahrsystems

Die Finanzierung des gesamten Projekts erfolgte aus dem Steuertopf sowie mittels privater Finanzierung, vor allem durch den Schweizer Verkehrsclub. Außerdem hat die Stadt mit ihrem Personal zahlreiche Eigenleistungen erbracht und damit erheblich zur Umsetzung des Projektes beigetragen.

Verfasser/in:
Redaktion GAT Graz Architektur Täglich

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