"mind 21" - Wissen hat goldenen Boden

Ein Nachschlagewerk zu Theorie und Praxis von vernetztem Denken und Lehren in der Architekturausbildung.

23/07/2010

Ein Nachschlagewerk zu Theorie und Praxis von vernetztem Denken und Lehren in der Architekturausbildung .

"mind 21" beschreibt die ersten Jahre eines Jahrhundertprojektes: Möglich- und Notwendigkeiten der Architektur im Neuen Zeitalter. Wie beeinflussen virtuelle Welten unsere realen Räume? Wie sehen die Räume der Zukunft aus? Was wird die Quantentechnologie der Zukunft, wenn das Prinzip der Gleichzeitigkeit von 0 und 1 jenes des Entweder 0 oder 1 ablösen wird, für die Architektur bringen? - Als Disziplin, der die Auseinandersetzung mit Raum und Zeit immanent ist, ist die Architektur hier besonders gefordert.

"mind 21" basiert auf einer Idee des Philosophen Georg Flachbart, der im Mai 2000 mit der Performance "Return of th Heart" im slowakischen Kremnica als Begrüßung des digitalen Zeitalters einen Virus in die Welt setzt, der in Marlis Nograsek, Assistentin am Institut für Wohnbau, TU Graz, eine gute Wirtin findet. Sie nimmt keine geringere Herausforderung an, als für "mind21 - dem Geist der Netze" ein Zuhause zu entwerfen, in Form eines Forschungsprojektes als Kooperation der Architekturfakultäten der TU-Graz und STU Bratislava sowie der mind(21)factory for Knowledge Engineering and Knowledge Design Stuttgart_Frankfurt/M_Berlin.

Einem ersten Workshop in Bratislava 2002 folgt ein erster Wettbewerb mind(21)house 2003. Das house mutiert zur factory, Anfang 2006 wird ein Internationaler Ideenwettwettbewerb für Studierende und AbsolventInnen der Architektur aller europäischen Universitäten ausgeschrieben: Gesucht wird nach einem Prototypen für die mind(21)factory, definiert als "Mixed-Reality Environment, das keine spezifische Raumerfahrung vorschreibt, sondern gleichzeitig viele ermöglicht." Es werden keine Fantasieprodukte erwartet, "sondern möglichst gangbare, in der Praxis einsetzbare Lösungsvorschläge auf dem Weg zu einer Heterarchitektur der Zukunft ..." (Georg Flachbart)

Als Grundstück fungiert ein Goldgrund: bis ins Mittelalter neutraler Hintergrund einer noch raum- und zeitlosen Kunst, die keine Perspektive benötigt, füllt sich der Goldgrund des 21. Jhs. sukzessive mit Wissen, dem Roh- und Baustoff der Zukunft. Den Jahrhunderten der Perspektive mit ihrer klaren, linearen Auffassung von Raum und Zeit folgt ein neues, das der Gleichzeitigkeit, der Raum- Zeitverschiebungen, überlagert mit Bildern und Erzählstrukturen.

In den mind(21)lectures melden sich Architekturtheoretiker, Kulturwissenschafterinnen, MedienkünstlerInnen, Soziologen, Informatiker und Philosophen zu Wort, bespielen den Baugrund und begleiten so den Prozess der Lösungsfindung.

Die Aufgabe war anspruchsvoll, von über 200 angemeldeten Teilnehmern aus 21 Ländern Europas, stellen 33 Teams ihre Projekte tatsächlich zur Diskussion. Dass sich mit einem der beiden Siegerprojekt "Café mind(21)factory" von Julia Schatz und Winfried Ranz, beide Studierende der TU Graz, tatsächlich ein umsetzbarer Lösungsansatz findet, ist bemerkenswert, auch wenn die Realisierung noch aussteht. Den vorläufigen Schlusspunkt bildet der mind(21)act 07 mit Preisverleihung, Podiumsdiskussion und Eröffnung der Ausstellung "coffee+shop" im Kunsthaus Graz sowie die Ausstellung an der TU Bratislava.

Die Publikation im handlichen Format folgt der Chronologie von mind 21, die dichte Packung an Information lässt der Umschlag bereits erahnen: kein Fleckchen Gold, das nicht mit Information aufgeladen wäre. Klar strukturiert sind die Textbeiträge auf rotem Hintergrund als roter Faden, die Wettbewerbsprojekte sind dem Juryprotokoll folgend dargestellt. Das immer wieder kehrende Inhaltsverzeichnis als eingeflochtenes Lesezeichen, gleichsam ein Zitat des Navigationssystems im Internet, erleichtert die Orientierung, wenn man sich in den virtuellen Welten verläuft. Bilder zu den Veranstaltungen und Auszüge aus den Podiumsdiskussionen spiegeln die Atmosphäre des Prozesses wider, schließlich ermöglicht die beigelegte CD (auch im Internet unter http://www.wohnbau.tugraz.at/mind21 )mit der vollständigen Video-Aufzeichnung aller Vorträge, Podiumsdiskussionen und der Präsentation der Wettbewerbsbeiträge eine weitere Vertiefung ins Thema.

mind 21

Marlis Nograsek (Hrsg.), Katja Hausleitner (Co-Hrsg.), Institut für Wohnbau, TU Graz

Ein Buch über die realen Möglichkeiten der Virtualität in der Architektur

Ein Forschungsprojekt des Institutes für Wohnbau der Technischen Universität Graz in Zusammenarbeit mit der Fakultät für Architektur der STU Bratislava und der mind(21)factory for Knowledge Engineering and Knowledge Design Stuttgart_Frankfurt/M_Berlin

Mit Textbeiträgen von: Angelika Fitz, Georg Flachbart, Christian Fröhlich, Marlis Nograsek, ORTLOS architects, Neil Spiller, SPLITTERWERK

ISBN: 978-80-227-2804-1, € 7,90 + Versand.

Verfasser/in:
Ute Angeringer-Mmadu, Rezension
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Buchdeckel

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