Die Ausstellung "M Stadt. Europäische Stadtlandschaften", die im Rahmen des Steirischen Herbst 2005 eröffnet wurde, ist noch bis 8. Jänner 2006 im Kunsthaus Graz zu sehen.
Dem überaus komplexen Thema Stadt als Untersuchungsfeld sind naturgemäß nicht erst im 20. Jahrhundert Studien von Architekten, Stadtplanern, Soziologen oder allgemeiner Systemtheoretikern gewidmet. Schon zu Mitte des 19. Jahrhunderts bildeten etwa die Untersuchungen der Engländer Henry Meyhew oder Charles Booth die Basis für groß angelegte Dokumentationen wie sie etwa in Wien und Berlin mit den Großstadtdokumenten zwischen 1904 und 1908 entstanden, diese wiederum sollten entscheidend für die Gründung der Chicago School of Sociology sein. Eine solcherart fundierte wissenschaftliche Disziplin der Stadtethnologie ist derzeit in historischer Aufarbeitung begriffen.
Veränderungsprozesse, die an Beispielen von Megastädten und im Vergleich mit den historischen Städten des alten Kontinents beobachtet werden, fanden in den letzten Jahren immer deutlicher Eingang in künstlerische Positionen, erinnert sei etwa an fotografische und Videoarbeiten von Aglaia Konrad, die in der Camera Austria zu sehen waren. Die aktuelle Ausstellung zum diesjährigen Herbst-Thema im Kunsthaus Graz beschäftigt sich nun mit Städten mittlerer Größe, wie sie durch Graz, Basel, Krakau, Triest und Ljubljana repräsentiert sind, dazu kommt ein als urban interpretierter Bereich des Ruhrgebietes.
Marco de Michelis, Dekan der Fakultät für Kunst und Design an der Universität IUAV Venedig, Peter Pakesch und Katrin Bucher vom Kunsthaus haben mit M Stadt. Europäische Stadtlandschaften eine Ausstellung konzipiert, die Veränderungsprozessen und der Frage nach der Stadt als Auslaufmodell mittels künstlerischen und architektonischen Untersuchungen nachgeht. Mit der Ausstellungsarchitektur wurde das spanische Studio ReD / Research + Design betraut. Vor allem das als Sprawl bezeichnete Phänomen, als Konstellation zwischen ehemaliger Peripherie und Stadtkern, mit der Tendenz, sich als Zwischenstadt aus der Anlage von Einkaufszentren oder dem Bestreben einer Mittelschicht zu entwickeln, in und von der Stadt zu leben, aber in einem möglichst nicht städtischen Ambiente zu wohnen, manifestiert sich in Arbeiten wie solchen des Katalanen Vicente Guallart, Stadt der 1000 Geografien (1998-2005), Studio Sprawltown, Euro-Sprawl (2005) oder Cibic&Partners, die mit Microrealities (2004) durch Videos und Modelldarstellungen auch gegenwärtig utopisch anmutende Habitate und Sprawl-Bereiche erstellten.
Im Space01 dagegen sind in Auftrag gegebene Stadtporträts in Form von Videos zu sehen, die für einen subjektiven Zugang oben genannter Städte von Graz bis ins Ruhrgebiet stehen, aus der Sicht von Wilhelm Sasnal, Thomas Baumann und Martin Kaltner, Masaki Fuhijata (für Graz) und Werner von Mutzenbecher.
Nicht mehr ganz aktuelle, wenngleich wichtige Positionen in diesem Rahmen vertreten Duane Hanson mit einer hyperrealistischen Plastik aus dem Jahr 1973, Chris Burdon mit Pizza City (1993-1996), Dan Graham mit Fotomontagen aus den Jahren 1966 bis 1978 oder Gerhard Richter mit einem Stadtbild (1968) in Öl auf Leinwand. Wieder zu sehen sind die im Rahmen der Kulturhauptstadt in Auftrag gegebenen Graz-Fotografien von Hans-Peter Feldmann.
Ein Kommunikationsprojekt in Kooperation mit einem Telefonprovider ist dem Versuch einer Soziodemografischen Stadtgeschichte(n)-Sammlung unter dem Titel meinGraz. Mobile memory – mobile history gewidmet. Das Experiment Mobile Landscape, in Zusammenarbeit mit dem Massachusetts Institute of Technology, dagegen visualisiert die urbane Mobilität von freiwillig teilnehmenden GrazerInnen über die Erfassung ihrer Bewegungen durch die Stadt zwischen den Senderbereichen desselben Telefonanbieters – garantiert anonym.Teilnehmende KünstlerInnen:
Thomas Baumann, Chris Burden, Hans Peter Feldmann, Sylvie Fleury, Masaki Fujihata, Carlos Garaicoa, Dan Graham, Andreas Gursky, Duane Hanson, Deborah Ligorio, Werner von Mutzenbecher, Julian Opie, Kyon Park, Marjetica Potrc, Gerhard Richter, Wilhelm Sasnal, Osservatorio Nomade, Gavin Turk.
ArchitektInnen, DesignerInnen und StadtplanerInnen:
Aldo Cibic, Vicente Guallart, Richard Ingersoll mit Citylab, Bart Lootsma, Stiletto, Paola Viganò mit Studio 05.
Kurator: Marco De Michelis
Co-Kuratoren: Peter Pakesch und Katrin Bucher
Ausstellungsarchitektur: Marta Malé-Alemany
"M Stadt" ist eine Koproduktion mit dem steirischen herbst; im Rahmen der Ausstellung fanden in Kooperation mit mobilkom austria auch die Kommunikationsprojekte "meinGraz" und "Mobile Landscape" statt. ÖFFNUNGSZEITEN:
Kunsthaus Graz am Landesmuseum Joanneum
Lendkai 1, A-8020 Graz
Dienstag bis Sonntag 10:00-18:00 Uhr
Donnerstag 10:00-20:00 Uhr
KONTAKT:
T +43 (0)316/8017-9200
F +43 (0)316/8017-9212
info@kunsthausgraz.at
www.kunsthausgraz.at
- Verfasser/in:
- Wenzel Mracek, Empfehlung



